Jack Black auf Gullivers Spuren

Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zuWie ein gestrandeter Wal liegt Jack Black am Strand, von winzigen Menschlein gesäumt. Willkommen in der modernen Version von Jonathan Swifts Literaturklassiker "Gullivers Reisen"!

 

Wie vom Starkomiker und Freizeitrocker nicht anders zu erwarten, lässt er seinen bizarren Charme, der meist einem Riesenbaby mit unflätiger Sprache gleicht, freien Lauf und trägt die gesamte Neuverfilmung von "Gullivers Reisen" (mit dem eher an einen Schmuddelfilm gemahnenden deutschen Untertitel "Da kommt was Großes auf uns zu" versehen) auf seinen massigen Schultern.

 

Es versteht sich wohl von selbst, dass seine Co-Stars wie Amanda Peet oder Emily Blunt bestenfalls Lückenfüller darstellen. Vermag das in 3D gedrehte Fantasy-Spektakel dennoch zu überzeugen oder überspannt die 90-minütige Jack-Black-Show den Geduldbogen?

Jack Black auf Gullivers Spuren

Deutscher Trailer "Gullivers Reisen" (in HD)

Inhalt

Es kommt dick für Wonneproppen Jack Black!

Der sympathische, aber etwas tollpatschige Gulliver (Jack Black) arbeitet seit Jahren in der Poststelle eines Reiseverlags. Eine stupide Arbeit, die den quirligen Single zermürbt, zumal er heimlich in die adrette Redakteurin Darcy (Amanda Peet, "2012") verliebt ist, ihr seine Gefühle aber einfach nicht gestehen kann. Eines Tages wird ihm ein neuer Laufbursche zugeteilt, der bereits am nächsten Tag sein Boss wird.

 

Nun reicht es sogar dem gutmütigen Gulliver! Er bietet Darcy das Schreiben von Reiseartikeln an, da er angeblich ein Globetrotter sei. Tatsächlich aber kam er bislang über die Stadtgrenzen kaum hinaus. Geschickt montiert er aus anderen Reiseberichten und Webeinträgen Artikel, die er als seine eigenen ausgibt. Darcy ist von seiner Schreibkunst begeistert und erteilt ihm einen verantwortungsvollen Auftrag: Er soll über das berüchtigte Bermudadreieck einen Reisebericht schreiben! Obwohl er noch nie ein Boot gesteuert hat, stimmt Gulliver zu.

 

Ein verhängnisvoller Fehler, denn bei einem schweren Sturm kentert sein Boot und er scheint verloren. Wie durch ein Wunder überlebt er jedoch und findet sich an einem Strand wieder, wo er von hunderten winzigen Menschen als "Monster" bestaunt wird. Gulliver findet rasch heraus, dass er sich in Liliput befindet und Riesen wie er nicht sonderlich beliebt sind. Dank seines Charmes und seiner Hilfsbereitschaft gewinnt er rasch die Herzen der meisten Liliputaner und findet in Horatio (Jason Segel, "How I met your mother") einen treuen Freund. Doch nicht alle Bewohner der Stadt sind ihm wohlgesonnen. Der egomanische General Edward (Chris O'Dowd, "The IT Crowd") verbündet sich sogar mit den Feinden Liliputs, um den verhassten Rivalen ein für allemal loszuwerden …

Kritik zu "Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu"

"Gullivers Reisen" in der Pop-Moderne

Eigentlich müsste jeder Rezension zur neuesten Leinwandadaption des Literaturklassikers der Hinweis stehen, dass dieser Film nur noch lose Ähnlichkeiten mit der Vorlage aufweist. Fast dreihundert Jahre, nachdem der Ire Jonathan Swift sein Magnum Opus "Gullivers Reisen" (der Originaltitel lautete übrigens: "Travels into Several Remote Nations of the World in Four Parts By Lemuel Gulliver, first a Surgeon, and then a Captain of Several Ships", was ein zweifellos interessanter Filmtitel wäre) veröffentlichte, sind von den satirischen Elementen sowie der ätzenden Sozialkritik praktisch nichts mehr übriggeblieben.

 

Regisseur Rob Letterman ("Monsters vs. Aliens") folgt mit seiner Neuverfilmung dem Hollywood-Trend zur Verwässerung von Literaturvorlagen. Nun soll nicht jede Modernisierung angestaubter Klassiker empört abgelehnt werden. Mitunter klappt diese vorzüglich, wie es beispielsweise Baz Luhrmann mit seiner in der Gegenwart angesiedelten, dennoch bemerkenswert werkgetreuen Version von "Romeo und Julia" (Leonardo DiCaprio in einer seiner ersten Rollen) demonstrierte. Letterman hingegen missbraucht in "Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu" die Literaturvorlage als bloßes Vehikel, um zum einen Jack Black quasi überlebensgroß zu präsentieren, zum anderen um möglichst viele popkulturelle Referenzen unterzubringen, die vor allem von Jugendlichen und Kindern verstanden werden können.

 

"Iron Man" in Liliput?

Der Reigen dieser popkulturellen Referenzen reicht von "Star Wars" über "Titanic", von den Wundern des iPhones bis hin zu "Iron Man". Ganz zu schweigen von Popsongs der Herren Prince oder KISS. Zwar harmoniert derlei nicht mit dem viktorianischen LIliput. Doch spielt dies keine Rolle, da fast sämtliche Liliputaner augenblicklich begeistert von Jack Blacks kulturellen Mitbringseln sind und auf ihre Tradition pfeifen. Ausgenommen natürlich der konservative Bösewicht, der aber schlussendlich seine verdiente Abreibung bekommt. Man stellt sich nicht ungestraft amerikanischen Ikonen wie KISS, Darth Vater und Cola in den Weg...

Die Jack-Black-Show

Wie eingangs erwähnt handelt es sich bei "Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu" um die große Jack-Black-Show. Oder genauer gesagt: Die übergroße Jack-Black-Show, darf der Starkomiker doch endlich seine Scherze in XXXL-Size präsentieren. Was leider deutlich zu viel des Guten ist. Abseits der popkulturellen Referenzen bleibt fast nur noch für Albernheiten Platz. Wenn Jack Black einen Brand unter Zuhilfenahme körpereigener Flüssigkeiten löscht, folgt er ironischerweise sogar der Literaturvorlage, in welcher Gulliver auf selbige, unappetitliche Weise dem Feuer Einhalt gebietet.

 

Die unfreiwillige Analprobe eines Liliputaners oder diverse Unterwäsche-Gags finden sich in Swifts Büchern aber nicht. Wesentliche Aspekte wie die Reise nach Brobdingnag, ins Land der Riesen, betrachtet Letterman lediglich als Möglichkeit, noch ein paar weitere halbgare Scherze einzuflechten. Vielleicht erfüllte sich Jack Black mit dem öffentlichen Tragen von Frauenkleidern aber auch nur einen lang gehegten Wunschtraum. Gerade die Stärken des vollschlanken Komikers kommen nicht zum Zug, nämlich als Underdog durch seine Verrücktheiten und sein unangepasstes Verhalten die Sympathien zu gewinnen. Unweigerlich beginnen seine Grimassen und Albernheiten gewaltig zu nerven, wobei der Streifen mit seinen knapp neunzig Minuten wenigstens nicht allzu üppig bemessen ist. Im Zeitalter dreistündiger Epen keine Selbstverständlichkeit.

 

Technisch fein, plotmäßig klein

Nicht nur angesichts von Jack Blacks Größe schrumpfen seine Filmpartner auf Zwergengröße. Weder die nicht im geringsten geforderte Amada Peet, noch der charismatische Komiker Chris O'Dowd vermögen ihre Rollen mit mehr als heißer Luft zu füllen. Schlimm erwischte es "Golden Globe"-Preisträgerin Emily Blunt ("Der Teufel trägt Prada"): Die Britin darf als Prinzessin lediglich ihren durchaus beeindruckenden Vorbau Gassi führen. Ironie am Rande: Emily Blunt ließ ausgerechnet für diesen Film eine Hauptrolle in "Iron Man 2" sausen.

 

Auf einen "Iron Man" muss sie dennoch nicht verzichten, auch wenn sich nicht Robert Downey Jr. unter der eisernen Haube befindet. Technisch bewegt sich "Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu" durchaus im grünen Bereich. Einigen nicht zeitgemäßen Effekten stehen die liebevoll gestalteten Gebäude und natürlich das perfekte Zusammenspiel des "Monsters" Jack Black mit den Liliputanern gegenüber.

 

Als Liliput-Version eines Drehbuchs erweist sich leider das Script. Originelle Ideen sind Mangelware und der Plot selbst folgt schnurgerade den bekannten Mainstreampfaden. Wer die Guten und wer die Bösen sind, wer Verrat begehen und wer dem Helden treu zur Seite stehen wird, ist mit dem Auftauchen der Charaktere klar. Wie schludrig das Drehbuch geschrieben wurde zeigt sich besonders drastisch beim erneuten Aufeinandertreffen von Gulliver und seiner angebeteten Darcy. Ein potenzieller Konflikt wird binnen weniger Sekunden ausgeräumt und ist somit vergessen. Die obligatorische Botschaft des Filmes lautet übrigens: Es kommt nicht auf die Größe an. Ach was...

 

Natürlich erscheint der Filme in trendigem 3D, was das eindimensionale Drehbuch leider nicht wettmachen kann. Kann man "Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu" trotzdem guten Gewissens als Film für die ganze Familie empfehlen? Nur bedingt. Jüngere Zuschauer dürften sich prächtig amüsieren, während das reifere Publikum wohl öfter auf die Uhr, als auf die Leinwand blicken wird.

Daten & Fakten

Originaltitel: "Gulliver's Travels"

Regie: Rob Letterman

Produktionsland und -jahr: USA, 2010

Filmlänge: ca. 90 Minuten

Verleih: 20th Century Fox

Deutscher Kinostart: 10. Februar 2011

FSK: ab 6 Jahren

Offizielle Website: www.gulliversreisen-derfilm.de

Geben Sie mir Süßes oder Saures!
Autor seit 6 Jahren
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