Wo kann man Stoffe kaufen?

Früher gab es meist ein oder mehrere gut sortierte Stoffgeschäfte in den Innenstädten. Ich erinnere mich noch, wie groß der Run am Ausverkauf war, wenn die Kundinnen direkt bei Geschäftsöffnung die Läden stürmten, um sich ein oder zwei Ballen günstiger Stoffe für 2,00 oder 3,00 DM zu krallen und diese dann zu erwerben. Dann kam der Trend zum Selbstnähen aufgrund der Billigimporte aus Asien etwas zu erliegen und viele Geschäfte schlossen ihre Pforten. Seit einigen Jahren wird wieder mehr geschneidert. 

Der Trend zu DIY

DIY ist nichts anderes als "Do it yourself" - der Trend zum Selbermachen, der wie eine Welle die Republik erfasst. Seien es die Schlagzeilen, der Billigproduktion in Asien, der Überkonsum oder die Wegwerfgesellschaft - viele Menschen entdecken wieder, wie viel Spaß es machen kann, etwas zu nähen. Während der Handarbeitsunterricht in der Schule oft durch das erzwungene Nähen einer Küchenschürze oder eines Nachthemdes vielen in schlechter Erinnerung ist, kann man sich hier mit seinen eigenen Ideen und Kreationen ausleben.

Manchen dient es sogar als kleiner Nebenerwerb, in dem sie ihre Produkte über ihren eigenen Blog oder Etsy im Internet verkaufen. Wo findet man die hübschen Stoffe?

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Holländische Stoffmärkte

Seit ein paar Jahren besuchen holländische Stoffhändler zahlreiche deutsche Städte. Der Stoffmarkt Holland ist ein Paradies für Hobbyschneiderinnen. Die zahlreichen Stände quellen über vor Stoffen aller Art für Bekleidung, Heimtextilien wie Gardinen, Tischdecken usw. Auch ausgefallene Stoffe wie z.B. Netzstoffe mit Paillettenstickerei konnte ich für weniger als 5 Euro schon erstehen. Stände mit Borten und Kurzwaren bieten eine enorme Vielfalt, die die Stoffgeschäfte nicht leisten können. Ein Händler hatte einen kompletten Stand mit Borten aller Art, die mindestens 30 Prozent billiger waren, als im Geschäft. Auch ausgefallene Teile werden angeboten. Hier muss ich immer mein Portemonnaie festhalten vor Begeisterung. So konnte ich eine Rosenstretchborte und einige Glitzer- und Fransenborten zur Hälfte des normalen Preises erwerben. Der Vorteil der Märkte ist, dass die Ware vor Ort gefühlt und begutachtet werden kann. Planen Sie vorher, was sie schneidern möchten und wie viel Stoff Sie brauchen, sonst ist der Geldbeutel schneller leer, als man denkt und die Taschen umso voller!

Stretchige Rosenborte und Spitzenstretch (Bild: Reisefieber)

Netzstoff mit Pailletten (Bild: Reisefieber)

Online Shops

Im Internet bieten Online-Anbieter preiswerte Meterware an. Bei einigen kann man sich vorab auch ein kostenloses Stoffmuster bestellen, um einen Farb- und Qualitätsvergleich zu Hause durchzuführen. Der Stoffkontor bietet z.B. bis zu 6 gratis Stoffmuster zur Entscheidungsfindung an. Wenn es auf der Seite nicht angeboten wird, können Sie trotzdem versuchen, ein Stoffmuster zu bekommen. Senden Sie eine E-Mail. In Aktionen werden immer wieder einzelne Stoffe reduziert. Vorsicht geboten ist bei der Wahl eines Stoffpaketes, bei dem man die Stoffe nicht kennt. Eine Enttäuschung und ein ungenutzter Stoff entpuppen sich nicht wirklich als Schnäppchen.

Achten Sie auf die Maße! Durch die Bastelwelle und Patchwork ist der Preis für viele Stoffe nicht mehr für einen Meter Länge angegeben, sondern in kleineren Stücken z.B. 30 oder 50 Centimeter. Ein Preisvergleich wird dadurch schwieriger. Gerade Stoffpakete enthalten häufig kleinere Stücke. Überprüfen Sie, ob diese für Ihr Nähvorhaben reichen.

Stoffe aus aller Welt

Manchmal soll es etwas Besonderes, Exotisches sein. Sei es, dass man seiner Wohnung einen neuen Look geben möchte oder eine Nähidee im Kopf hat. Die Farbenpracht der typischen Stoffe aus fremden Ländern bietet eine Fülle an Motiven und Mustern.

Indische Stoffe

Ein Sari ist erst einmal ein Stück Stoff mit einer Länge von ca. 5,50 m und einer Breite von 1,10 m. Saris gibt es in verschiedenen Qualitäten wie Baumwolle, Chiffon, Kunstfaser oder Seide. Mit einem Preis ab ca. 14,00 Euro für den gesamten Stoff kann einiges genäht werden. Das ist ein guter Preis auf den Meter umgerechnet! Manche sind gemustert, andere haben orientalische Borten. Die Borte verläuft in der Regel an beiden Webkanten. Zusätzlich gibt es einen breiten Streifen, der besonders schön verziert ist und für die Saribluse gedacht ist. Sie eignen sich sehr schön für Gardinen, Kissen oder das neue Abendkleid a la Bollywood.

In größeren Städten wird mein beim örtlichen Inder fündig. Schauen Sie einfach mal rein und freuen Sie sich über die bunte Farbauswahl.

 

Hawaiianische Stoffe

Ein Blumengruß aus Hawaii - die Stoffe, die wir von Hawaiihemden kennen, sind hier in Deutschland schwer zu finden. Typische Motive sind die Natur, Hibiskusblüten, Palmen aber auch Hulamädchen und Surfer. Die Stoffe mit hawaiianischen Mustern sind häufig Mischgewebe, Baumwolle oder Polyester. Erste Anlaufstelle sind hier die Karnevalsausstatter, die eine kleine Auswahl bieten. Wer etwas Besonderes sucht findet bei Hawaiifabric eine enorme Anzahl von Stoffen in allen erdenklichen Farben und Mustern.

Der Anbieter sendet direkt aus dem sonnigen Honolulu. Der Preis per Yard beginnt bei 3,99 US-Dollar. Die Mindestabnahmemenge ist 5 Yard. Die Qual der Wahl besteht hier aus rund 3000 Stoffen in allen Farben. Ein Yard entspricht 0,9144 m. Hinzu kommt das Porto sowie eine Einfuhrumsatzsteuer, wenn der Gesamtwert über 22,00 Euro liegt. Bei größeren Mengen ist es trotzdem günstig und vor allem außergewöhnlich.

Afrikanische Stoffe

Als Kind haben mich schon die wilden Muster der afrikanischen Kleidung begeistert. Bei uns im Haus wohnte eine Dame aus Togo, die in ihrem landesüblichen Kleid mit gewundenem Kopfputz wandelte. Aus afrikanischen Batikstoffen können Sie schöne Mode einfach selber machen. Nehmen Sie einfache Schnitte bei großgemusterten Chitenge-Stoffen.

Wer diese afrikanischen Stoffe zum Nähen nutzen möchte, wird bei der Pagewizz-Autorin Malaikha fündig: Stoffe aus Afrika.

Recyceln

Haben Sie alte Bekleidung oder zerschlissene Jeans? Sie glauben nicht, was man daraus alles machen kann, das Herrenhemd wird zum Damenkleid, die Jeans zum Rock oder zur Tasche. Die Nutzung Ihrer alten Kleidung ist die billigste Version des Stoffeinkaufes. Auch Kinderkleidung kann günstig aus den vorhandenen Stoffen genäht werden. Upcycling von Kleidung ist gerade in und schont dazu das Portemonnaie.

Ein Männerhemd wird ein Damenkleid

Das Stoffgeschäft

Zu guter Letzt sollte Ihre Stadt noch einen Stoffladen haben, besuchen Sie ihn. Auch Stoffe sind den Saisonzeiten und der Mode unterworfen. Sie werden herabgesetzt, wenn neue Ware kommt und die Regale geleert werden müssen. Der Vorteil eines Stoffgeschäftes ist, daß Sie die Ware sehen und fühlen können. Vor Ort können Sie auch den Knittertest machen. Fassen Sie ein kleines Stück Stoff in der Hand und knautschen Sie es. Wie sieht es aus? Ist der Stoff noch glatt oder liegt er jetzt in Falten da. Wenn der Stoff zu sehr knittert, sollte man überlegen ob er für das Nähprojekt z.B. ein enger Rock geeignet ist.

Kaufen Sie antizyklisch, Sommerstoffe im Herbst, Winterstoffe im Frühjahr und nähen Sie, was das Zeug hält. Kreative Betätigung macht Spaß!

Reisefieber, am 01.04.2014
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Bildquelle:
Amazon (Ein individuelles T-Shirt mit eigenem Namen aus Strass gestalten)
Ruth Weitz (Upcycling: Aus Müll und Schrott Nützliches und Dekoratives herstellen)

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