Zusammenfassung der Papiergeschichte

Schon immer wollte sich die Menschheit irgendwie schriftlich mitteilen, was ja schon die ganz alten Höhenmalereien beweisen. Nicht nur an Wänden, sondern auch auf Steinen, Knochen, Tierhäuten, Ton und anderen Naturmaterialien wurde geschrieben, geritzt und gemalt. In China fing man früh an, auch auf Gewebe und Stoff zu schreiben. Doch wie sollte man die geschriebenen Informationen auch von einem Ort an den anderen bringen?

Zunächst waren Tafeln aus den verschiendensten Materialien die Informationsträger, doch schwer war es schon, zum Beispiel Steintafeln als "Briefe" zu übermitteln. So entstand die Idee aus Pflanzenfasern leichte und flexible Informationsträger zu erschaffen und die ersten Vorläufer des Papiers entstanden:

  • In Mesopotamien und Ägypten wurde aus den in Streifen geschnittenen Stengel der tropischen Papyrusstaude Papyrus hergestellt. Die Steifen wurden übereinandergelegt und gepresst und der austretende Saft gab ein prima Bindemittel ab.
  • Alternativ wurde aus gebeizten, gespannten und bearbeiteten Tierfellen Pergament hergestellt, auf das ebenfalls geschrieben werden konnte.
  • Die "primitiveren" Kulturen stellten als Informationsträger Tapa her. Rinden von Maulbeerbäumen wurden dazu eingeweicht und platt geschlagen.
  • Auch der Informationsträger Huun von den Mayas ist platt geschlagene Baumrinde.
  • Die Azteken stellten Amate aus der bearbeiteten Rinde von Feigenbäumen her.

Erfunden wurde das Papier, so wie wir uns Papier heute vorstellen, dann allerdings in China, wo das erste Mal Hanfzum Einsatz kam, denn Seide wurde auf Dauer zu teuer. In Gräbern der frühen Han-Dynastie von 180-50 v.Chr. wurde bereits Hanfpaper gefunden. Aus 105 v.Chr. gibt es auch schon Aufzeichnungen vom chinesischen Hofbeamten Tsai Lun, der über die Papierherstellung schrieb.

 

Von China gelang die Kunst der Papierherstellung schnell nach Korea und Japan und im 7. Jahrhundert auch nach Arabien, wo sich das Papier aber erst langsam durchsetzte und erst im 11.Jahrhundert Papyrus und Pergament komplett ersetzte. Von Baghdad über Kairo gelang es nach Tunis und schließlich nach Spanien und auf europäische Inseln. In Mitteleuropa hielt man noch zwei weitere Jahrhunderte am Pergament fest, bevor man dort mit der Papierherstellung aus Pflanzenfasern experimentierte. 

Papyrus Herstellung im alten Ägypten

Man zählt das Jahr 1250 als Anfangsjahr der europäischen Papierherstellung, natürlich war die Technik schon besser als im alten China. Im italienischen Fabriano in Ancona soll es gewesen sein, wo die erste "Papierfabrik" in betrieb genommen wurde mit Mühlrad-Lampenstampfwerk, drahtenen Schöpfsieben und tierischem Leim als Bindemittel geang die Herstellung schon sehr flott und Wasserzeichen wurden auch das erste Mal geprägt. In Deutschland standen die ersten Papiermachereien übrigens in Nürnberg und Ravensburg, denn das italienische Importprodukt war teuer. Die Papiermühlen wurden von da an stetig verbessert, so erfand man zum Beispiel in Holland ein Mahlgerät, das den Prozess stark beschleunigte. 

So wurde bis Ende des 18. Jahrhundert Papier nur per Hand hergestellt. Papier war teuer und der Bedarf konnte kaum mehr gedeckt werden, so war es Zeit eine maschinelle Papierfabrikation zu entwickeln. Das gelang den Franzosen Nicholas-Louis Robert mit seinen Langsieb-Papiermaschine. Er selbst konnte aber keinen Ruhm ernten, obwohl es sein Grundmodell war, das in England und anderen Ländern im Laufe der Jahre nun immer weiter entwickelt und verbessert wurde, bis man schließlich die heutigen Papiermaschinen erfand.

Papier ist nicht gleich Papier...

Es gibt verschiedene Kategorien von Papier, die sich durch ihr Oberfläche und vor allem durch ihr Gewicht unterscheiden. Das Gewicht von Papier wird angegeben in Gramm pro Quadratmeter. So spricht man bei einem Gewicht bis zu 225 g/m² von Papier, von 150 bis 600 g/m² von Karton und über 600 g/m² von Pappe. Aber nicht nur das Gewicht macht die Qualität von Papier aus. Auch die Verleimung ist entscheidend. Sie ist ausschlaggebend für die Saugfähigkeit von Papier. Je stärker ein Papier geleimt ist, desto weniger gut saugt es. Seit dem Jahr 1920 wird Papier in genormten Formaten hergestellt, um einerseits die Produktionskosten zu senken und andererseits die Handhabung zu vereinfachen. Der DIN A0- Bogen ist der so genannte Urformatsbogen, von dem alle anderen Formate ausgehen. Er hat eine Länge von 1189 mm und eine Breite von 841 mm, hat also die Fläche von einem Quadratmeter, nur ist er in ein Rechteck umgewandelt worden. So gibt dieser Urformatsbogen immer das Gewicht einer Papiersorte an. Halbiert man ein DIN-Format, so bekommt man die nächst kleinere Größe. Das DIN-A4-Format ist das gängigste, welches man von den großen Schulheften oder den meisten Zeichenblöcken kennt. Die DIN-A0-Größe ist 16-mal so groß wie der DIN-A4-Bogen. Nachdem Papier ein sehr schweres Material ist, welches auch leicht knittert, ist die richtige Aufbewahrung sehr wichtig. Es sollte liegend gelagert werden, in Laden oder Fächern. Wegen des Gewichts sollten die Stapel nicht so hoch sein. Auch Mappen eignen sich zur Aufbewahrung. Wichtig ist, dass es vor Nässe geschützt ist und auch vor Licht, da es leicht ausbleichen kann.

Die weiße Kunst - Papierherstellung früher und heute

Wie wird aus Holz Papier? - Eine Zusammenfassung:

Papierfabrik (Bild: skeeze / Pixabay)

  • dünne Stämme und schnell wachsende Hölzer werden entrindet und zu Sägespänen zerkleinert
  • die werden in Wasser und Chemikalien eingeweicht und somit zu Zellstoff verarbeitet
  • zu diesem Brei werden Leim und Bleichmittel gemischt
  • dieser Brei wird dann in langen Bahnen gepresst und getrocknet

Papier selbst herstellen - So geht Papier schöpfen:

Wie würden viel Energie sparen, die Umwelt weniger belasten und weniger Bäume würden getötet werden, wenn mehr Recyclingpapier zum Einsatz kommen würde! Dabei wird Altpapier zu neuem Papier verarbeitet, ähnlich wie beim Papier schöpfen:

Vorbereitung:

Papier schöpfen braucht viel Platz und ist eine sehr nasse Angelegenheit. Es empfiehlt sich, es im Freien zu machen. In geschlossenen Räumen sollte ansonsten wirklich alles mit Planen abgedeckt werden.

Materialien zum Papier schöpfen:

  • ein Schöpfsieb, welches fertig gekauft werden kann oder aus einem dünnmaschigen Drahtgitter in die gewünschte Form zurecht geschnitten wird; man kann es auch über einen alten Bilderrahmen einen Fliegengitterstoff spannen und mit Tackerklammern fixieren; aber auch in der Küche findet man geeignete Schöpfsiebe: Mehlsieb, Kaffeesieb oder ein Fettsieb eignen sich ebenso;
  • eine Schöpfwanne, ein Eimer oder eine große Plastikschüssel eignen sich auch;
  • ein Stabmixer zum Pürieren
  • Gautschtücher in Form von alten Leinentüchern oder Haushaltsvliestüchern, die etwas größer geschnitten sein sollten als die Siebe
  • eine Gautschunterlage in Form alter Handtücher
  • eine Papierpresse oder ein Nudelholz
  • einen Wäscheständer oder eine Wäscheleine mit Wäscheklammern, um das Papier zum Trocknen aufzuhängen
  • Papier: geeignet sind alte Zeitungen, Packpapier, Servietten, Kartons, unbeschichtetes Papier; um buntes Papier zu erhalten: Seidenpapier, Krepppapier, bunte Servietten;

Und so geht es:

Der erste Schritt beim Papier schöpfen ist die Herstellung einer so genannten Pulpe. Dazu gibt man zerrissene Papierschnipsel in einen Behälter mit Wasser und wartet, bis sie sich völlig aufweichen. Dann kann man sie pürieren. Der Brei, der dadurch entsteht, wird Pulpe genannt. Wichtig dabei ist, dass viel Wasser und wenig Material verwendet wird. Eine richtige Pulpe besteht etwa zu 99 % aus Wasser, der Rest ist Papier. Je feiner der Papierbrei ist, desto dünner wird das Papier am Schluss. Unterschiedliche Papiersorten ergeben natürlich verschiedene Effekte.

Die Pulpe wird dann in die Schöpfwanne gegeben und mit Wasser aufgefüllt. Dann werden die Handtücher, unsere Gautschunterlage, unter den Gautschtüchern ausgebreitet. Anschließend wird das Schöpfsieb in die Wanne getaucht und hin und her bewegt. Die Papierfasern setzen sich dabei am Sieb an. Wenn das Sieb bedeckt ist wird es vorsichtig aus der Wanne gehoben. Wichtig ist, dass man es gut abtropfen lässt.

Dann wird das Sieb auf die Gautschtücher gestülpt, sodass dann die Papierschicht auf den Tüchern liegt. Diese Papierschicht hat noch immer viel Wasser in sich, welches entfernt werden muss, deshalb beginnt nun der Vorgang des Pressens. Mit einem Nudelholz walzt man fest über die mit Tüchern bedeckte Papierschicht, sodass das überschüssige Wasser herausgepresst wird. Dabei bleibt die Papierschicht auf der Unterlage kleben. Es kann dann gut zum Trocknen aufgehängt werden. Wenn die Papierschicht vollständig getrocknet ist, lässt sie sich gut von der Unterlage lösen.

Videoanleitung zum Papier schöpfen
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