Die Zukunft der Altenpflege aus Sicht einer Schulleiterin

Nach 25 Jahren Tätigkeit als Leiterin der Berufsfachschule des Bayerischen Roten Kreuzes für Altenpflege zieht Beate Höltermann eine Bilanz. Für die 53-jährige ist es keine Frage, dass sie 1988 die richtige Entscheidung getroffen hat, die Leitung der Ausbildungseinrichtung in Erlenbach zu übernehmen. Sie sagt, dass der Beruf der Altenpflegerin – mittlerweile auch von Männern ausgeübt - einer der schönsten Berufe der Welt ist. In einem Interview spricht sie über ihre Erfahrungen und über ihre Einschätzung zur Zukunft in der Altenpflege.

Empathie und eine qualifizierte ...

Empathie und eine qualifizierte Ausbildung machen eine gute Pflegefachkraft aus. (Bild: geralt / Pixabay)

Der Altenpflegeberuf ist einer der schönsten der Welt

Weshalb ist der Beruf des Altenpflegers für Sie der schönste der Welt?

Beate Höltermann: Es ist eine anspruchsvolle und vielseitige Tätigkeit, bei der man sicher sein kann, etwas Sinnvolles zu leisten. Man darf sich bewegen, darf mit Menschen arbeiten – mit alten Menschen, Kolleginnen, Angehörigen, Ärzten und so weiter - darf auf verschiedenste Arten kommunizieren, hat ein abwechslungsreiches Arbeiten, das niemals langweilig ist. Man darf Verantwortung übernehmen und bekommt viel Dankbarkeit und Anerkennung zurück. Man kann die Arbeitszeiten flexibel gestalten und hat vielfältige Aufstiegschancen.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe als Leiterin der Altenpflegeschule?

Beate Höltermann: Meine Hauptaufgabe ist, die Sache am Laufen zu halten. Dazu gehört, dass ich Menschen berate, die an einer Altenpflegeausbildung interessiert sind, das Team mit acht hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und rund 20 nebenberuflichen Lehrkräften führen und die Stundenpläne für den Blockunterricht und die Praxisbesuchspläne ausarbeiten. Weiterhin zählt die Zusammenarbeit mit den 20 Ausbildungsbetrieben – Sozialstationen und Pflegeheimen – zu meinen Aufgaben. Daneben unterrichte ich auch und bin bei Praxisbegleitungen vor Ort und engagiere mich in der Gremienarbeit.

Wie hoch ist die Nachfrage nach einer Ausbildung in der Altenpflege?

 Beate Höltermann: Die Nachfrage ist da, eigentlich in allen Ausbildungsgängen, von der Altenpflegehelferin bis zur examinierten Altenpflegerin. Nicht immer können wir alle Bewerbungswünsche berücksichtigen, da manchmal die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Der passende Schulabschluss, gesundheitliche Belastbarkeit und nicht ausreichende Deutschkenntnisse stehen dem Berufswunsch, beziehungsweise dem erfolgreichen Abschluss manchmal entgegen. Insgesamt gehen die Bewerberzahlen leicht zurück.

 Können Sie den Bedarf an qualifizierten Pflegekräften in der Region decken?

Beate Höltermann: Leider nicht mehr – das wird in der Zukunft noch deutlicher werden. Die Zahlen sind insgesamt rückläufig. Um mehr Menschen für die Berufe in der Altenpflege zu begeistern, müssen sich die Bedingungen im Pflegeberuf verbessern. Es ist nicht die Pflegearbeit an sich, die dazu führt, dass viele Pflegekräfte eine kurze Verweildauer im Beruf haben, es sind vielfach die Bedingungen! Wichtig wäre auch, die generalistische Pflegeausbildung umzusetzen, also Kranken- und Altenpflege zusammenzuführen. Damit hätten die Pflegeberufe eine stärkere Lobby. Gemeinsam lässt sich doch mehr erreichen.

Wie hoch ist die Bereitschaft der stationären und ambulanten Einrichtungen, Nachwuchs auszubilden?

Beate Höltermann: Alle Heime in der Region bilden aus, stellen je nach Größe jährlich zwischen ein bis vier Ausbildungsplätze zur Verfügung. Die Sozialstationen sind zurückhaltender, aber hier ist die Finanzierung noch weniger abgesichert als in den stationären Betrieben. In diesem Jahr konnten erstmals nicht alle freien Ausbildungsstellen mit passenden Bewerberinnen besetzt werden.

Wie bewerten Sie die Anstrengungen der Politik, die Rahmenbedingungen für den Altenpflegeberuf zu verbessern?

Beate Höltermann: Es wurden viel zu spät die richtigen Signale gesetzt. Noch im Jahr 2010 sind die Mittel für die Ausbildung gekürzt worden, und die Zurücknahme des Schulgeldes kam erst jetzt im Jahr 2013. Von den Schulen und den Ausbildungsbetrieben wird seit langem gefordert, die praktische Ausbildung in den Betrieben durch die Praxisanleiter finanziell zu fördern, um die Bedingungen zu verbessern. Bisher gibt es hierzu nur vage Aussagen der Politik. Die Einrichtung eines Pflegeministeriums in Bayern ist ein Schritt in die richtige Richtung. In den Koalitionsverhandlungen hat das Thema Pflege und Alter wohl einen deutlichen Schwerpunkt. Wir müssen abwarten, was herauskommt. Insgesamt muss ich sagen: Es könnte und müsste mehr getan werden!

Wie können Ihrer Meinung nach die Aufgaben der Zukunft im Zusammenhang mit dem demografischen Faktor und den immer älter werdenden Menschen gelöst werden?

Beate Höltermann: Wenn mehr Menschen den Beruf der Pflege erlernen würden, gäbe es weniger Pflegekräftemangel. Dazu müssen sich die Bedingungen ändern, zum Beispiel planbare und verlässliche Arbeitszeiten und eine Fünf- Tage-Woche. Es muss erreicht werden, dass die Praxisanleitung unabhängig vom Pflegeschlüssel integriert wird. Es bedarf mehr gesellschaftlicher Anerkennung der zu leistenden Arbeit, eine bessere Vergütung, aber auch eine bessere Förderung anderer Wohnformen, damit die Menschen auch bei Hilfebedarf länger selbstständig wohnen können.

Was wünschen Sie sich für die Altenpflegeschule in Erlenbach?

Beate Höltermann: Einen Schulneubau oder eine Generalsanierung des Schulgebäudes, damit bessere Bedingungen für die schulische Ausbildung geschaffen werden.

Seit 25 Jahren leitet Beate ...

Seit 25 Jahren leitet Beate Höltermann die BRK-Altenpflegeschule in Erlenbach am Main. (Bild: Ruth Weitz)

Zur Person

Beate Höltermann wurde am 28. Oktober 1960 in Nordrhein Westfalen geboren und ist dort auch aufgewachsen. Sie ist gelernte Altenpflegerin, war unter anderem in der Wohnbereichsleitung und als stellvertretende Pflegedienstleitung tätig und bildete sich als Lehrerin für Pflegeberufe weiter. Seit 1986 unterrichtet sie in Erlenbach an der Altenpflegschule. Seit 1988 ist sie dort Schulleiterin, nachdem das BRK die Einrichtung vom Landkreis übernommen hatte. Ihre Interessen außerhalb des Berufs gelten dem politischen Interesse, der aktiven Mitarbeit im Eine-Welt- Laden in Erlenbach, der Gartenarbeit und Kleintierhaltung. Sie wandert, schwimmt in ihrer Freizeit und fährt gerne Rad. Sie sagt: "Ich lebe sehr gerne am Untermain – gehe gerne in die Häcke, genieße die Weinfeste und die vielen kulturellen Angebote".

Krimifreundin, am 10.01.2014
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Bildquelle:
Gabriele Hefele (Die 5 wichtigen Eigenschaften eines guten Taxifahrers)

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