Alte Berufsbezeichnungen des Handwerks

Im Zuge der Industrialisierung waren naturgemäß vor allem Handwerksberufe vom Wandel betroffen. Wo findet man zum Beispiel heute schon noch Daubenmacher? Jene fertigten früher als Angestellte oder Zulieferer der Böttcher die gebogenen Bretter, aus denen dann Fässer, Tröge und Bottiche zusammengefügt wurden. Im heutigen Zeitalter der Aluminium- und Plastikfässer allerdings wird diese Kunst höchstens noch von traditionsbewussten Brauereien sowie in Weinanbaugebieten nachgefragt. Ähnlich verhält es sich mit den Glufenmachern (Hersteller von Stecknadeln) oder den Kürschnern, deren frühere Bezeichnung "Pelzer" bereits verriet, welcher Tätigkeit sie nachgingen.

Nonnenmacher und Jungfernknechte

Mitunter tummeln sich unter den altertümlichen Berufsbezeichnungen sogar recht kuriose Begriffe. Dazu gehört auch der Beruf des Nonnenmachers. Hinter dem Wort verbirgt sich allerdings ein ganz und gar nicht geistlicher Beruf. Heute würde man die Nonnenmacher wohl schlichtweg als Kastrierer bezeichnen, denn das altertümliche Verb "nonnen" bedeutet soviel wie "verschneiden". Die Aufgabe dieser wandernden Gesellen bestand demnach vorrangig darin, unbeaufsichtigt weidende Haustiere, zum Beispiel Schweine, unfruchtbar zu machen. Auf diese Weise sollte einer Vermischung mit wild lebenden Artgenossen vorgebeugt werden. Da die Tiere nach einer solchen Prozedur als "Nonnen" bezeichnet wurden, bürgerte sich für das kastrierende Gewerbe eben das Wort Nonnenmacher ein. Inzwischen lebt der Begriff vor allem als Familienname weiter, den sogar manche bekannte Persönlichkeit trägt.

Unblutiger hingegen ist der historische Hintergrund des Wortes Jungfernknecht. Dabei handelte es sich allerdings um keinen wirklichen Beruf. Der Begriff definierte einst Handwerksgesellen, die bei bestimmten Feierlichkeiten den jungen Frauen Wein servieren durften und dafür jeweils mit einem Kuss belohnt wurden. Als Ausbildungsberuf wäre diese Tätigkeit heute sicherlich begehrt ...

Kurioses aus Frankreich

Doch auch unsere französischen Nachbarn haben hinsichtlich alter Berufe einige Kuriositäten zu bieten. Der Historiker Andre Castelot berichtet beispielsweise über ein spezielles Kleingewerbe für (meist) junge Frauen. Als so genannte Weckerinnen eilten sie Tag und Nacht durch Paris, um ihre Kunden zur gewünschten Uhrzeit aufzuwecken. Dies geschah durch Schreien und Klopfen an der Tür. Der Beruf starb schließlich durch die Verbreitung mechanischer Wecker aus.

Ein typisch weiblicher Beruf war auch die Arbeit als Midinette, worunter man die Pariser Hutmacherinnen verstand. Heute sollte dieser Begriff allerdings nur sehr sparsam verwendet werden, denn er gilt mittlerweile als Synonym für ein naiv-sentimentales Mädchen, ähnlich dem früher in Deutschland verbreiteten Schlagwort "Backfisch".

Kupferstecher und Bader unter Verdacht

"Mein lieber Freund und Kupferstecher", sagt heute so mancher, der seinem Gegenüber ein gewisses Misstrauen anzeigen will. Das geflügelte Wort erinnert noch ein wenig an die Arbeit der früheren Kupferstecher. Jene bestand in der Erstellung von Druck-Negativen und Kopien. Ein guter Kupferstecher war also theoretisch auch ein guter Fälscher. Seit 2018 ist der Kupferstecher noch auf andere Weise zu unschöner Bekanntheit gelangt: Es handelt sich dabei um baumschädigende Insekten, die zu den so genannten Borkenkäfern gehören.

Ähnlichen Vorbehalten hinsichtlich ihrer Redlichkeit sahen sich die Bader ausgesetzt, deren Tätigkeit irgendwo zwischen Quacksalberei und echter Heilkunde angesiedelt war. Viele von ihnen betrieben so genannte Badestuben, die zur Körperreinigung, als "Wellness-Oasen" oder bisweilen auch als inoffizielle Bordelle dienten. Erinnert wird an diesen weitgehend ausgestorbenen Beruf heute vor allem auf zahlreichen Mittelaltermärkten sowie durch Familiennamen wie Bader oder Badstübner.

Der Türmer: Vom Wächter zum Touristenführer

Ein eher nostalgisches Dasein fristen inzwischen die Türmer. In früheren Jahrhunderten fiel ihnen eine wichtige Aufgabe zu. Da sie von ihrer erhöhten Wohn- und Arbeitsstätte aus den besten Überblick hatten, warnten sie die Stadtbevölkerung mittels Glockengeläut vor feindlichen Heeren, Bränden und anderen Gefahren. Die heute eher geringe Wahrscheinlichkeit einer Stadtbelagerung sowie moderne Brandmelder und Sirenen haben diesem Beruf allerdings die Grundlage entzogen. Vereinzelt gibt es trotzdem noch Vertreter dieser Zunft. Vor allem in größeren Städten arbeiten sie mittlerweile als Touristenattraktionen und Stadtführer.

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