Das Buch punktet mit einfachen Rezepten und hilfreichen Bildern, welche die Umsetzung auch für Einsteiger einfach machen. Die umtriebige, TV-bekannte Autorin, Melanie Wenzel, konnte bereits in zahlreichen Seminaren ihr Wissen vermitteln. Das Buch startet sie mit einem übersichtlichen Abriss zur Geschichte der Naturheilkunde. Danach folgt eine Übersicht zu den wichtigsten Anwendungsformen. Wenzel beschreibt anschaulich welche Stoffe eigentlich wirksam sind, wie man Naturmittel selbst herstellen kann und warum man nur nach bester Qualität streben sollte.

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Schritt für Schritt zu naturheilkundlicher Tinktur & Co 

Dabei empfiehlt sie keineswegs ausschließlich das eigenhändige Sammeln von Kräutern aus der Wildnis. Im Gegenteil: Wenzel weist darauf hin, dass etliche Kräuter unter Artenschutz stehen. Darüber sollte man sich gegebenenfalls beim Bundesamt für Naturschutz informieren. Beispiel Arnika: Diese Pflanze steht inzwischen unter Naturschutz, weil der Bestand stetig schwindet. Allerdings kann man viele der im Buch angeführten Heilpflanzen auch selbst ziehen oder in der Apotheke kaufen. Die häufigsten Anwendungen sind Tee, Tinktur, Heilessig, Inhalation, Wickel, Kräuterbad und Aromatherapie.

Arnika (Bild: ulla4you / Pixabay)

Die wichtigsten Utensilien

Bevor man sich an die Arbeit macht, sollte man überprüfen ob man überhaupt die wichtigsten Utensilien zuhause hat. Dazu zählen:

 

  • kleine Töpfe zum Erwärmen oder Einkochen

  • großer Topf, wenn man etwas im Wasserbad zubereiten soll

  • Mörser

  • saubere Flaschen (vielfach eignen sich dunkle Flaschen besser, zumal sie vor Licht schützen)

  • Cremedosen

  • Trichter

  • Teesieb oder gegebenenfalls Kaffeefilter aus Papier

  • Mulltücher, Kompressen, Baumwolltücher oder Stoffwindel sind für äußere Anwendungen wichtig

  • Etiketten

  • Waage

  • Rührlöffel aus Holz oder Plastik

  • Stabmixer

 

Ab Seite dreißig geht es dann richtig zur Sache. Und zwar mit einem durchaus heiklen Thema: Heilkräuer-Rezepte für Kinder. Das Kapitel heißt "Zwergen-Apotheke". Obwohl das Thema nicht unproblematisch ist, gelang es der Autorin eine gute kleine Übersicht an praktischen Rezepten zusammenzustellen, mit denen verantwortungsvolle Eltern leben können und wohl auch kein Arzt meckert. Hier eine Auswahl:

  • Holunder-Honig-Sirup, ein wohlschmeckender Hustensaft

  • Augentrost-Kompresse bei juckenden und brennenden Augentrost

  • Nelkenkissen bei Zahnschmerzen

  • Vier-Winde-Tee bei Blähungen aus Anis, Kümmel, Koriander und Fenchel

und selbst ein Anti-Läuse-Shampoo kann man mit diesem Buch und dem Einsatz von Niemöl selbst herstellen.

Sehr gelungen sind die einzelnen Rezeptausführungen mit den benötigten Inhaltsstoffen und sogar den Utensielien. Die Beschreibungen sind jeweils ganzseitig und übersichtlich gestaltet. Bilder erleichtern die Zubereitung.

 

Im Selbsttest: Majoransalbe

So kann man ganz einfach beispielsweise eine Majoransalbe zubereiten, die bei Schnupfen hilft und die Schleimhäute zum Abschwellen bringt. Dazu braucht es lediglich

  • einen Esslöffel getrockneten Majoran

  • einen Esslöffel Butter (Tipp für Veganer: Ich nehme inzwischen Kokosöl!)

Bereithalten muss man zudem Mörser, Glasbecher, einen großen Topf mit heißem Wasser, Löffel, Teesieb und Cremedöschen. Der Majoran wird im Mörser zu feinem Pulver zerstoßen. 

Danach Butter in einem hitzebeständigen Glasbecher über heißem Wasserbad schmelzen lassen und das Kräuterpulver einrühren. Die Flüssigkeit durch ein Teesieb in ein Cremedöschen abfüllen. Meine Erfahrung war, dass die Creme rasch härtet. Eine kleine Portion habe ich mir dann immer unter die Nase gerieben – roch herrlich und half. Laut der Autorin hält diese Salbe etwa zwei Monate im Kühlschrank. - Anmerkung und Tipp!: Ich habe diese Salbe auch mal mit Kokosöl zubereitet. Kokosöl kann man hoch erhitzen und ist pflanzlich, was mir persönlich sympathischer ist. Die Wirkung war bei mir genauso gut wie bei der Buttervariante.

Innerlich angewandt unterstützt Majoran die Verdauung und hilft gegen Blähungen und Krämpfe, schreibt die Autorin. Auch das ist ein Pluspunkt, des Buches: Man erfährt viel Interessantes, quasi im "Darüber-Lesen". Genial ist auch das Rezept für Rosengel. Es verbreitet nicht nur einen wunderbaren Duft und kann sogar als Feuchtigkeitsmaske benutzt werden, sondern hilft laut Wenzel bei Insektenstichen und Sonnenbrand. Bei Insektenstichen hilft laut der Autorin übrigens auch ganz einfach Apfelessig. Einfach auf den Stich träufeln. - Riecht halt nicht so gut wie Rosengel.

Selbstverständlich hat die Autorin nicht nur Rezepte für Kinder auf Lager. Sie beschreibt Heilkräuteranwendungen und naturheilkundliche Tipps für alles Lebensabschnitte und Lebenslagen. Man findet Tipps zu Herstellung von Wundreiniger ebenso wie Rezepte gegen Husten, Schnupfen Heiserkeit (ab Seite 60).

 

gegen Insektenstiche
Mit Rosen

Von Stress, Frauensachen und Schwangerschaft

Großes Thema in unserer Zeit ist der Stress. Dagegen helfen auch Anti-Stress-Tee, Bockshornklee-Auszug, Ein Herz-Nerven-Tonikum oder auch ein Rosen-Riechpulver. Goji-Beeren-Muffins und Lavenl-Roll-on sind zwei Rezepte aus dem Kapitel "Frauensachen" und wenn eine Frau schwanger ist, sind Ingwerbonbons, Dammöl und Stilltee oft hilfreich.

Männer, Generation 50 plus und Diverses

Männer kommen übrigens auch nicht zu kurz. Frau Melanie Wenzel hat Rezepte für Haarwasser und sogar einen Virilitätstee auf Lager. Mit Knoblauchtrunk, Rosmarinwein, Granatapfelsaft und einer Rheumatinktur kann man wohl ab fünfzig ganz gut über die Runden. Super sind auch das Teebaumöl-Mundwasser, die Anti-Herpes-Salbe und ein Magenbitter sollte in der Naturapotheke auch nicht fehlen.

 

Der letzte Teil des Buches gibt schließlich noch einen profunden Überblick über die wichtigsten Heilpflanzen in Form von Pflanzenporträts von A bis Z.

 

Fazit: Das Buch ist inhaltlich und von der Aufmachung her sehr gelungen. Es ist ein profundes Heilkräuterbuch für Einsteiger mit einfachen praktischen Rezepten. Meines Erachtens hält es sich zurecht nun bereits lange an den vorderen Verkaufsrängen bei Amazon im Vergleich zu ähnlichen Werken. Das ist sicher auch den Lektoren und Grafikern des GU-Verlags zu verdanken, welche allgemein ein recht glückliches Händchen bei der publikumsfreundlichen Gestaltung von Büchern haben.

 

Kritik von Veganern und meine persönlichen Empfehlungen:

Was Leser bei Amazon bemängeln, ist der häufige Einsatz von tierischen Fetten wie Butter und Schmalz. Vegetarier und Veganer können das gar nicht ab. Meiner Einschätzung nach greift Melanie Wenzel einfach auf überlieferte Erfahrungen zurück. Auch meine Großmutter machte viele Salben mit Schmalz. Wie bereits oben bei der Thymiancreme beschrieben, kann man sicher vielfach auch auf pflanzliche Fette ausweichen. Allerdings würde ich nur Kokosöl empfehlen, wenn Fette laut Rezept erhitzt werden sollen. Kalt gepresste Öle sind hitzeempfindlich und eigenen sich nicht zum Erhitzen. Wer auf Kokosöl zurückgreift, kann das Problem mit den tierischen Fetten aber häufig elegant umgehen. Ringelblumensalbe und Thymian-Creme habe ich bereits selbst mit Kokosöl probiert und es hat sehr gut gewirkt.

Ansonsten finden sich so viele andere Rezepte in dem Buch, dass es auch für Veganer oder Vegetarier genügend Stoff zum Ausprobieren bietet.

Autor seit 4 Jahren
61 Seiten
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