Pulmonaria officinalis, Echtes Lungenkraut (Bild: a.sansone)

Lungenkraut, Pulmonaria, botanisches Glossar

  • Familie: Raublattgewächse, Boraginaceae - dazu gehört auch das Vergissmeinnicht.
  • Gattung: Lungenkraut, Pulmonaria

Die Gattung Pulmonaria umfasst bis zu 20 Arten. Hier einige davon:

  • Echtes Lungenkraut, Pulmonaria officinalis, Synonym:Geflecktes Lungenkraut, Pulmonaria maculosa
  • Schweizer Lungenkraut, Pulmonaria helvetica
  • Kärntner Lungenkraut, Pulmonaria carnica
  • Steirisches Lungenkraut, Pulmonaria stiriaca
  • Dunkelgrünes Lungenkraut, Pulmonaria obscura
  • Rotes Lungenkraut, Pulmonaria rubra
  • Südalpen Lungenkraut, pulmonaria australis, Syn. Pulmonaria angustifolia od. azurea
  • Weiches Lungenkraut, Pulmonaria mollis
  • Hügel-Lungenkraut, Pulmonaria collina
  • Berg-Lungenkraut, Pulmonaria montana

 

Verschiedene Pulmonaria-Arten

Pulmonaria angustifolia, Blue Lungwort (Bild: KingsbraeGarden / Flickr)

Raublattgewächse sind recht eindeutig an ihren namensgebenden mit derben Haaren bedeckten Blättern zu erkennen.

Bei Pulmonaria-Arten handelt es sich um ausdauernde, krautige Pflanzen mit kriechendem Rhizom. Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist rau behaart. Die Stängel sind nicht verzweigt und auch rau. Die Laubblätter sind einfach und rau behaart. Die relativ großen Rosettenblätter sind gestielt, die wechselständigen Stängelblätter sitzend oder undeutlich gestielt und ganzrandig. Quelle Wikipedia

Die röhrigen Blüten (5-zählig) (Stieltellerblumen) stehen zu mehreren in meist einseitswendigen Blütenständen (ähnlich den Schlüsselblumen). Die trichterförmige Blütenkrone ist innen behaart und hat am Saum 5 Zipfel. Aus jeder Blüte entstehen 4 Nüsschen. Die Blätter haben auf der Oberseite kleine Höckerchen, sind weiß gefleckt und stängelumfassend.

Um Selbstbestäubung zu vermeiden (Heterostylie-siehe auch Schlüsselblume)) besitzt eine Pflanze immer drei verschiedene Blütentypen. Die Blüten unterscheiden sich in der Länge des Griffels und der Staubblätter. Sie werden besonders durch Hummeln (Bombus)-Arten, aber auch durch Falter bestäubt. Ameisen sorgen für die Ausbreitung der Samen.

 

Lungenkrautblüte im Farbwechsel (Bild: a.sansone)

Hänsel (blau) und Gretel (rot)

"Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald" so könnte man das Lungenkraut, Pulmonaria officinalis, aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) auch noch beschreibend einführen.

Warum hat das Lungenkraut verschieden gefärbte Blüten?

Recht einfach, rot beginnt, blau gewinnt. Die Krone verfärbt sich von rötlich mit zunehmendem Alter violett bis azurblau. Ursache für diesen Farbwechsel ist eine pH-Wert-Änderung im Zellsaft von sauer nach basisch.

Einfach gesagt verhält sich das Anthozyan in den Blüten ähnlich wie beim Lackmuspapier (Farbstoff einer Mittelmeerflechte). Verändert sich der Zellsaft von sauer auf basisch, so verfärbt sich eben auch die Blüte von rot auf blau.
Ähnlich verhält es sich mit rosa blühendem Vergissmeinnicht!

Märchengestalten

Hänsel und Gretel (Bild: 4941 / Pixabay)

Die vielen Namen des Lungenkrauts

Wenden wir uns zu Beginn dem botanischen Namen zu: Pulmonaria, das kommt von pulmo=Lunge und officinalis=arzneilich, im Offizin (Apotheke) vorrätig.

Wie kommt es zu der märchenhaften Bezeichnung Hänsel und Gretel?

Franz Pürmayr, Biologieprofessor i. R.:Der Name "Hänsel und Gretel" kommt daher, dass diese Pflanze auf ein- und demselben Stängel meist rosa und blau-violette Blüten trägt. Manche meinen, dass die rosa Blüten die "Gretel"-, also die weiblichen Blüten wären, dagegen die blauen "Hänsel"-, die männlichen Blüten. *siehe zweifarbig

Neben Hänsel und Gretel heißt es auch noch Kuckucksblume, Osterblume oder auch Hundszunge. Bachkraut, Blaue Schlüsselblume, Bockkraut, Brunneschüsseli, Fleckenkraut, Güggelhose, Händschechrut, Hirschkohl, Hirschkoze, Hirschmangold, Hosenschiffern, Königsstiefel, Lungentee, Lungenwurz, Schlotterhose, Schwesternkraut, Ungleiche Schwestern, Unser lieben Frauen Milchkraut, Waldochsenzunge.

Im Englischen weist ebenfalls der volkstümliche Name auf die zweifarbigen Blüten hin: "Soldiers and Sailors".

Lungenkrautblüte, von rosa auf blau

Lungenkrautblüte beim Farbwechsel (Bild: a.sansone)

Lungenkraut als Gemüse?

Der so beliebte Trend nach Wildgemüse

macht auch vor dem Lungenkraut nicht halt. So werden die jungen Blätter im März bis April als Salatzutat empfohlen. Ab Mai sollte man sie jedoch nur gedünstet, wie Spinat verwenden. Die Blüten kann man als essbare Dekoration verwenden oder in Frischkäse gehackt einrühren.

Wie bei allen Pflanzen, die auch Heilwirkung haben, sollte man aber vor zu häufiger Verwendung Abstand nehmen.

Das Echte Lungenkraut, die Heilpflanze

Von den Anhängern der *Signaturenlehre (Motto: das Ähnliche für das Ähnliche=similia similibus)) wurde das gefleckte Blatt des Lungenkrautes mit dem Abbild einer kranken Lunge gleichgesetzt. Daher erfolgte ab dem Mittelalter sein Einsatz als Heilpflanze für Lungenleiden jeglicher Art. Ob es gegen Tuberkulose etwas ausrichten kann, ist fraglich. Aber für andere Erkrankungen wie Heiserkeit, Husten, Asthma oder Bronchitis wird es auch heute noch gerne eingesetzt. Lagen sie also doch nicht so falsch, die mittelalterlichen Heiler.

*Die Signaturenlehre besagte: "das Ähnliche für das Ähnliche"=similia similibus; Erinnert ein Teil der Pflanze im Umriss an ein Organ oder Stück des menschlichen Körpers, so nahm man an, dass die Natur uns einen Fingerzeig auf die Heilwirkung der Pflanze gäbe.

Hauptwirkstoffe des Lungenkrauts: 15% Mineralstoffe, wie Kieselsäure, Flavonoide, Saponin, Allantoin, Schleimstoffe und Gerbstoffe. Durch die darin enthaltene Kieselsäure und den Schleim wirkt das Lungenkraut lindernd auf Reizhusten und Entzündungen der oberen Luftwege, was der Pflanze auch ihren Namen gegeben hat.

Die Volksheilkunde schätzt es sehr.

 

Verwendungstipp: zwar nicht als Heilmittel, aber als dekoratives Beiwerk sind getrocknete Lungenkrautblüten, aber auch die gefleckten Blätter für für ein Blumenpotpouri.

Lungenkraut im eigenen Garten?

Von einigen Arten gibt es Sorten, die als Zierpflanzen verwendet werden, dabei dienen sie als sogenannte Bodendecker besonders an schattigen Standorten. Sind pflegeleicht und sehr hübsch im zeitigen Frühjahr.

 

Quellen

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, 2004 Innsbruck
  • Essbare Wildpflanzen, Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger; Weltbild Verlag, 2014 Augsburg
  • Kräuter, McVicar; Bassermann Verlag, 2013 München
  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust; Nikol Verlag, 2012 Hamburg
  • Flora Helvetica, Lauber/Wagner; Haupt Verlag, 2014 Bern
  • Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen, Mertz; Haupt Verlag, 2008 Bern
  • Grundkurs Pflanzenbestimmung, Rita Lüder; Quelle & Meyer, 2011 Wiebelsheim
  • Blick ins Buch der Natur, Bardorff; Gutenberg, 1963
  • Der große Naturführer Österreich, Pott; BLV, 1992 München
  • BLV Pflanzenführer für unterwegs, Schauer,Caspari; blv, 2014 München
  • Handwörterbuch der Pflanzennamen, Zander, Ulmer, Stuttgart 2008
  • Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Helmut Carl; Quelle & Meyer, Wiesbaden 1995

 

Adele_Sansone, vor 24 Tagen
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/die-wiesenschlusselblume-als-jahresb... (Primula, die Erste: Wiesenschlüsselblume oder Himmelschlüssel & Co)

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