Adlige Schweine

Diese Erfahrung musste 1802 auch ein gewisser Graf Palffy machen. Bei einem Privatkonzert Beethovens vor adligen Zuhörern unterhielt sich der junge Mann lautstark mit einem Nachbarn. Beethoven soll seinen Vortrag daher nach wenigen Takten abgebrochen (nach anderen Quellen begann er gar nicht erst zu spielen) und ausgerufen haben: "Vor solchen Schweinen spiele ich nicht!" Dann verließ der Meister den Saal. Ähnlich erging es Fürst Lichnowsky, der Beethoven immer wieder finanziell unterstützte. Eines Abends sollte der berühmte Komponist vor Gästen des Fürsten spielen. Was Beethoven nicht wusste: Diese Gäste waren französische Offiziere aus Napoleons Besatzungsheer, welches gerade ganz Europa eroberte. Als der Musiker diesen Umstand bemerkte, verließ er wütend das Schloss und marschierte bei strömendem Regen durch die Nacht bis in die nächste Stadt. Napoleon ist indirekt auch für ein Loch auf dem Titelblatt der Eroica, Beethovens dritter Sinfonie, verantwortlich. Der Komponist hatte sie ursprünglich dem französischen Imperator gewidmet. Als dieser sich jedoch zum Kaiser ausrufen ließ, begrub Beethoven seine Träume von einer gerechteren Gesellschaftsordnung und radierte die Widmung zornig wieder aus. Zurück blieb lediglich ein Loch...

Die Suppenschüssel im Genick

Wer Beethovens Spuren in Wien sucht, wird an zahlreichen Stellen fündig. Angeblich soll der Komponist allein in dieser Stadt mehr als 60 mal umgezogen sein. Offenbar war der Meister kein angenehmer Mieter. Eine Episode, die sich um 1802 zugetragen haben soll, belegt dies nachdrücklich: Beethoven komponierte am Flügel die Sinfonie Nr. 2, natürlich nicht gerade leise und bis tief in die Nacht hinein. Gegen Morgen imitierte er wohl auch noch die vorgesehenen Pauken durch Schläge auf das Klavierholz. Der Vermieter konnte dieser Ruhestörung verständlicherweise wenig Positives abgewinnen und stellte erbost die Kündigung der Wohnung in Aussicht. Im Verlaufe des folgenden Disputs soll der Komponist dem bereits fliehenden Vermieter eine Suppenschüssel ins Genick geworfen haben...

Dichterfürst Goethe trifft Hirnbesitzer Beethoven

Eine fast schon kulturhistorisch bedeutsame Begegnung spielte sich 1812 im böhmischen Kurbad Teplitz ab. Beethoven traf mit dem Dichter Goethe zusammen. Beide respektierten das schöpferische Genie des jeweils Anderen, fanden aber offenbar persönlich keinen rechten Zugang zueinander. Angeblich soll sich sogar ein Eklat ereignet haben, denn außer dem "Dichterfürsten" Goethe weilten auch echte Adelsleute in dem Kurbad. So kam es, dass Beethoven und Goethe plötzlich der kaiserlichen Familie samt Hofstaat gegenüber standen – für den liberalen Beethoven geradezu eine Steilvorlage. Goethe, der sich wohl mit einiger Mühe von seinem Begleiter löste, trat artig an den Wegrand und verneigte sich. Beethoven hingegen marschierte forschen Schrittes geradewegs durch die Reihen der Adligen hindurch! Obwohl der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte starken Zweifeln unterliegt, befindet sich heute am Ort des vorgeblichen Geschehens eine Gedenktafel. Wie wenig der Komponist von Titeln und gesellschaftlichem Status hielt, belegt auch die vermutlich bekannteste Anekdote über das Temperament Beethovens. Sein jüngerer Bruder Johann, ein wohlhabender Apotheker, hatte ein Landgut gekauft und verschickte alsbald Visitenkarten mit der Aufschrift: "Johann van Beethoven, Gutsbesitzer". Das Antwortschreiben unterzeichnete der Komponist daraufhin mit "Ludwig van Beethoven, Hirnbesitzer"...

 

Quellenauszug:

Kurt David: Begegnung mit der Unsterblichkeit, Der Kinderbuchverlag Berlin, 1970

Renè Masson: Anekdoten um berühmte Menschen, Neuer Kaiser Verlag GmbH, Klagenfurt, 2003

Kurt Pahlen: Beethoven. Eine kleine Biografie, Diogenes Verlag AG, Zürich, 2003

Christof Rüger (Hrsg.): Konzertbuch Klaviermusik, VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig, 1979

Anekdotensammlung zu Beethoven

Autor seit 5 Jahren
163 Seiten
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