Die Helmpflicht auf dem Fahrrad - Vermindert sie gesundheitliche Risiken?

Käme die Helmpflicht auf dem Fahrrad auch nach Deutschland - Würde die Zahl der schweren Fahrradunfälle sinken?

Das scheint recht sicher zu sein, weil sehr wahrscheinlich auch die Zahl der Fahrradfahrer sinken würde. Als in Australien 1991 die Helmpflicht auf dem Fahrrad eingeführt wurde, sank in den Jahren danach die Zahl der Fahrradfahrer um ca. 40 Prozent.
Die Zahl der Kopfverletzungen bei Fahrradfahrern sank auch, allerdings um weniger als 40 Prozent. Daraus folgt, dass das Sicherheitsrisiko für die verbleibenden Fahrradfahrer zumindest in Australien gestiegen ist.

Das liegt zum einen daran, dass sich Radfahrer, die sich wegen des Fahrradhelmes sicherer fühlen, riskanter fahren und zum anderen daran, dass Autofahrer weniger Rücksicht auf Fahrradfahrer mit Helm nehmen.

Letzteres hat der britische Verkehrspsychologe Ian Walker im Selbstversuch herausgefunden:
Er fuhr mit und ohne Helm auf einem Fahrrad, das mit einem Ultraschallentfernungsmesser ausgestattet war, und stellte so fest, dass Autofahrer 8,5 cm dichter an Fahrradfahrern mit Helm vorbei fahren als an denen ohne Helm.

Außerdem achten Autofahrer automatisch mehr auf Fahrradfahrer, wenn diese recht zahlreich am Straßenverkehr teilnehmen.

Andererseits weist eine Studie von Carl Haasper von der Medizinischen Hochschule darauf hin, dass schwere Fahrradunfälle weniger schwer werden, wenn der Fahrradfahrer einen Helm trug.

So erlitten nur 27,3 Prozent der Helmträger eine Kopfverletzung. Dem gegenüber standen 38,7 Prozent derjenigen, die keinen Fahrradhelm trugen. Auch auf den Grad der Schwere der Verletzung hatte das Helmtragen positive Auswirkungen: die schwersten Verletzungen waren um 67 Prozent verringert.

Zusammenfassung

Für eine Helmpflicht auf dem Fahrrad spricht:

  • die Zahl der Kopfverletzungen ist bei Helmträgern geringer
  • die Schwere der Kopfverletzungen nimmt bei Helmträgern ab

Gegen eine Helmpflicht auf dem Fahrrad spricht:

  • die Zahl der Fahrradfahrer nimmt ab
    • die Menschen, die zuvor Fahrrad fuhren, leben ungesünder und haben weniger Bewegung
    • die Umwelt wird durch zusätzliches Nutzen von Autos belastet
  • das Risiko für die verbleibenden Fahrradfahrer nimmt zu

 

 

Gesetz - ja oder nein?

Selbst wenn das Tragen eines Fahrradhelmes sinnvoll sein sollte, stellt sich die Frage, ob wir die Helmpflicht auf dem Fahrrad per Gesetz beschließen müssen.

Meines Erachtens sind Gesetze dort sinnvoll, wo sich Menschen gegenseitig schaden. Ich finde es sinnvoll, Betrug, Körperverletzung und ähnliches zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Denn das ist doch der Vorteil eines Gesetzes: bei Nichteinhaltung kann man bestrafen, was dazu führt, dass sich viele Menschen an die Gesetze halten.

Ist strafen jedoch sinnvoll, wenn sich jemand selbst gefährdet?

Ich halte das nicht mehr für sinnvoll, zumindest dann, wenn es um erwachsene Menschen geht, die für sich selbst Verantwortung übernehmen können. Ich würde es zum Beispiel auch nicht gut finden, Rauchen, Übergewicht, riskante Sportarten oder andere Dinge zu verbieten, nur weil sie gefährlich für Leib und Seele des Menschen selber sind.

Und so steht es meines Erachtens auch mit der Helmpflicht auf dem Fahrrad. Ein Radfahrer, der sich gegen den Fahrradhelm entscheidet, gefährdet lediglich sich selbst. Ich finde nicht, dass das verboten werden sollte.

Wenn wir damit begännen, die Menschen vor sich selber zu schützen, müssten wir nicht nur das Rauchen verbieten, sondern auch das Besteigen des Lagginhorns in der Schweiz und die Helmpflicht beim Ski- und Schlittenfahren einführen. Aber vor allem müssten wir die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr generell verbieten.

Im übrigen ist es meines Erachtens eher so, dass die Autofahrer die Radfahrer in Gefahr bringen. Ich behaupte ohne es beweisen zu können, dass in der Mehrzahl der Fälle die Autofahrer den Unfall verschuldet haben. Und darum finde ich, dass sie dazu verdonnert werden sollten, ihre Autos so zu gestalten, dass Radfahrer weniger gefährdet sind. Dazu gehören Außenairbags und die Vermeidung von scharfen Kanten, etc.

Wenn Straßen fahrradfreundlich gestaltet werden würden, zum Beispiel durch:

  • Verminderung der Gefahren, die vom Autofahrer (auch für Fußgänger!!!) ausgehen,
  • ein großes Angebot an Fahrradständern und Fahrradwegen,
  • eine unproblematische Mitnahme des Fahrrades in öffentliche Verkehrsmittel,

dann gäbe es mehr Fahrradfahrer, die automatisch mehr Beachtung durch die Autofahrer fänden und auch ohne Helmpflicht auf dem Fahrrad sicher durch die Stadt kämen. Das wäre gut für die Gesundheit der Fahrradfahrer und die Umwelt und der richtige Weg in eine sichere und gesunde Stadt!!

Nachtrag zu "Helmpflicht auf dem Fahrrad"

Auf meinen Artikel über die Helmpflicht auf dem Fahrrad habe ich folgende Mail erhalten:

hallo katarina, mit großem interesse habe ich deinen beitrag zur helmpflicht gelesen. da ich beide seiten vertrete, sowohl radfahrer als auch kraftfahrer bin, möchte ich dir aus meiner berufserfahrung als fahrlehrer bei deinem letzten absatz zur gefährdung durch autofahrer widersprechen. allein das verhalten vieler radfahrer im normalen strassenverkehr ist schon mehr als grenzwertig, da eine bestrafung kaum zu erwarten ist, werden sämtliche grenzen überschritten! radfahren auf gewegen, fahren über rote ampeln, entgegen der fahrtrichtung in einbahnstarssen etc. beispiele gibt es viele. um es mal etwas ins lustige zu schieben: ich weiß nicht wann mir der letzte PKW auf dem gehweg entgegengekommen ist und ich kann nicht mit bestimmtheit sagen, ob der fahrer dabei auch noch telefoniert hat! beim fahrradfahrer war das letzten mittwoch in der oranienstrasse in berlin kreuzberg auf einem sehr belebten gehweg. einen helm trug der herr übrigens nicht. also sind es sicher beide parteien, die sich oftmals falsch verhalten! leider sind es aus sicht der autofahrer immer die radfahrer und umgekehrt genauso. aber regelkonform sind beide parteien nicht und das denke ich im selben maße. ich bin übrigens gegen die generelle helmpflicht und trage nur beim rennradfahren einen. schönen abend gruss jörn

Natürlich und leider hat Jörn Recht:
Fahrradfahrer sind nicht von Natur aus gut und ich würde - wieder ohne es beweisen zu können -behaupten, dass sie sogar durchschnittlich mehr Verkehrsverstöße begehen als Autofahrer. Das liegt mit Sicherheit zum einen daran, dass sie eine Strafe nicht wirklich zu befürchten haben, aber auch daran, dass der Schaden, den sie mit ihrem Fehlverhalten anrichten, in den meisten Fällen weniger schwerwiegend ist als das Fehlverhalten durch einen Autofahrer. 

Und trotzdem finde ich, dass mehr darauf geachtet werden müsste, dass sich auch Radfahrer regelkonform verhalten, vor allem wenn sie durch ihr Rowdytum andere Bürger gefährden, zum Beispiel durch Rasen auf Bürgersteigen.

Allerdings glaube ich auch (wobei das Argument nicht die Radfahrer entschuldigen soll!!!), dass fahrradfreundlichere Straßen zu umgänglicheren Radfahrern führen würden.

Darum ist mein Vorschlag: fahrradfreundlicher Ausbau von Städten und stärkere Kontrolle der Radfahrer in Bezug auf die bereits bestehenden Gesetze!

Autor seit 7 Jahren
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