Massenware Musik

Nicht alle Revolutionen erfolgen mit großem Getöse. Das bereits Anfang der 1980er Jahre entwickelte, aber erst im Zuge von Musiktauschbörsen ungeheure Popularität erlangende MP3-Format krempelte auf leisen Zehen ganze Branchen um. Plötzlich galt in jeglicher Hinsicht: Small is beautiful. Die Ära möglichst teurer HiFi-Anlagen und gewaltiger Boxen schien mit einem Schlag vorbei. Musik wurde zur beliebig austauschbaren Massenware, die ohne Rücksicht auf qualitative Verluste durch die Komprimierung gespeichert wurde. Das mittlerweile von Apple inoffiziell beendete iPod-Phänomen und vor allem Smartphones schienen Audio-CDs und Schallplatten obsolet zu machen.

Freilich: Wer Musik in möglichst hoher Qualität genießen möchte, findet an MP3-Files aus dem 100-Euro-Smartphone eher wenig Freude. Die Lücke zwischen gnadenloser Komprimierung und sündteuren Audioanlagen möchten Hersteller von High-Resolution-Playern wie FiiO oder Walkman-Entwickler Sony füllen. Während Sony, nicht zuletzt eben Dank des Walkman seit Jahrzehnten eine Weltmarke ist, handelt es sich beim chinesischen Unternehmen FiiO um einen Quereinsteiger (oder "Newbie", um sich bei jüngeren Lesern einzuschleimen).

Seit 2007 produziert Fiio unter anderem High-Resolution-Player, die insbesondere mit relativ niedrigen Preisen locken. Misstrauen ist hierbei natürlich angebracht – zu Recht?

Gute Kopfhörer sind Pflicht

Weniger chinesisch, als vielmehr spartanisch mag einem die gelieferte Ausstattung vorkommen: Der FiiO-Player weist weder Wi-Fi oder Apps, noch ein Touchscreen-Display auf. Die Bedienung erfolgt über mehrere Knöpfchen sowie über ein an die erste iPod-Generation erinnerndes Steuerungsrad. Nicht einmal in-ear-Kopfhörer liegen bei, was allerdings durchaus Sinn ergibt: Um das Potenzial des High-Resolution-Players auszureizen, bedarf es hochqualitativer Kopfhörer. Mit Billig-Modellen, die für gewöhnlich MP3-Playern oder Smartphones beiliegen, klingt selbst auf einem High-Resolution-Player wie dem FiiO abgespielte Musik ungefähr wie durch eine Wurstpelle gepresst.

Ein ausgezeichnetes Klangerlebnis verlangt nach entsprechenden Komponenten, sprich, nach einem Gerät wie den FiiO, Musik, die nicht gnadenlos herunterkomprimiert wurde, und hochwertige Kopfhörer. Aus persönlicher Erfahrung empfehle ich die nicht gerade günstigen, dafür qualitativ herausragenden Modelle von AKG oder Beyer.Kommen wir zu einem Punkt, der potenzielle Käufer entsetzen könnte: Der FiiO wird ohne internen Speicher ausgeliefert. Dies bedeutet, dass eine Micro-SD-Karte als Speicher benötigt wird. Je nach Modell ist der maximale Speicher mit 128 oder 256 GB begrenzt. Beim Basismodell ist mit 128 GB das Ende der Fahnenstange erreicht.

Allerdings bietet dies Platz genug für sehr viele Songs, selbst in bester Auflösung. Da selbst Micro-SD-Karten mit "nur" 128 GB noch sehr teuer sind, mag der eine oder andere Interessent vor dem FiiO zurückschrecken. Was freilich schade wäre, denn klanglich muss sich der High-Resolution-Player selbst vor HiFi-Anlagen nicht verstecken. Selbst MP3-komprimierte Songs klingen auf dem FiiO weitaus üppiger als auf einem "normalen" Player – gute Kopfhörer natürlich vorausgesetzt.

FiiO: Hervorragendes Preis-Leistung-Verhältnis

Bei Bedarf kann er auch über den Kopfhöreranschluss auch mit einer HiFi-Anlage verbunden werden. Der Vergleich macht auf jeden Fall sicher: Möchte man seine Lieblingssongs in möglichst perfekter Qualität zu einem moderaten Preis genießen, ist der FiiO die richtige Wahl. Für beliebigen Charts-Einheitsbrei ist er eindeutig überqualifiziert – gerade klassische Musik und E-Musik-Kapazunder wie Jean-Michel Jarre oder Kraftwerk erstrahlen aber in neuem akustischem Licht. Es ist schlichtweg erstaunlich, was der kleine High-Resolution-Player an musikalischem Zauber herausholt.

Braucht man Unterhaltungselektronik wie den FiiO unbedingt? Wenn man über keine HiFi-Anlage verfügt und Musik genießen, anstatt bloß anhören, möchte, lautet die Antwort ganz klar: Ja. Zumal bereits die günstige Basisausführung hörbaren Musikgenuss bietet. Im Vergleich zum direkten Konkurrenten, den High-Res-Walkman von Sony, überzeugt der FiiO preislich. Allerdings spielt Sonys Player mehr technische Stückchen wie ein Touch-Display, Wi-Fi, Bluetooth, etc., während der FiiO ein reiner Audioplayer ist. Die Schwachpunkte sind wiederum subjektiver Natur. Persönlich empfinde ich die mittelmäßige Akku-Leistung – eine Ladung soll etwa 12 Stunden halten (man möge mir nachsehen, dass ich solche Angaben nicht mit der Stoppuhr nachprüfe) – als nachteilig. Außerdem wirkt das gummierte Steuerungsrad "billig" und somit des ansonsten hochwertig anmutenden Geräts nicht würdig.

Dafür liegt der FiiO gut in der Hand, vorausgesetzt man schält ihn aus der ebenso gut gemeinten wie hässlichen Silikon-Schutzhülle. Pluspunkt: Die beiliegenden Display-Schutzfolien sind haargenau aufs Display zugeschnitten und schlagen, sorgsam angebracht, keine Luftblasen.

Fazit: Der High-Resolution-Player FiiO überzeugt in Punkto Klangqualität und Verarbeitung. Er mag nicht so schlank, schick und hip wie iPhone & Co sein, das Preis-Leistung-Verhältnis spricht aber eindeutig für ihn.

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