Was hat acht Arme, ist schleimig und unersättlich gierig? Richtig: Ein Bundestagsabgeordneter! Aber wir wollen auch die Antwort "ein Krake" gelten lassen. Schließlich ist dies eine gewohnt hochseriöse Rezension, diesmal zum originellen Horrorfilm "Octopus" von der Qualitätsschmiede Nu Image (nicht zu verwechseln mit Nude Image, gestrenge Tante Google!).

Ein Riesenkrake treibt sein Unwesen, so der Plot, und zwar ein – Obacht! Originalität! – in Folge spontanen Riesenwuchses auf Grund atomarer Verstrahlung. Doch wir wollen uns der spannenden Ereignisse in diesem nervenschonend inszenierten Horrorfilm in Ruhe annehmen.  Auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise 1962 tuckert ein russisches U-Boot vor der Küste des realparodistischen Arbeiterparadieses.

Waschtag bei der US-Navy

Waschtag bei der US-Navy (Bild: http://pixabay.com)

Heimtückisch wie er ist, führt der Russe nichts Gutes im Sinne. Nein, vielmehr führt er biologische Waffen mit sich, um die sozialistische Weltrevolution ein bisschen zu beschleunigen. Aus selbsterhalterischen Gründen sind die Yankees entschieden gegen diesen mutigen Vorstoß und versenken das russische U-Boot mit Mann, Maus, Wodka und Atomfässern. U-Boot und Besatzung machen blubb-blubb, ein zufällig anwesender Krake macht gluck-gluck, und fertig ist das erschreckend realistische Szenario eines gigantischen Riesenkraken, der sich schon bald auf U-Boot-Jagd verlegt.

Verspielter Top-Terrorist

40 Jahre später in einem offenbar angrenzenden Film: CIA-Agent Turner jagt den Terroristen Gorack (nicht zu verwechseln mit Borat). Dieser hat zuvor noch sein Glanzschurkenstück abgeliefert und einen Bombenanschlag verübt, indem er einem kleinen Mädchen ein Spielzeug mit aktiviertem Bomben-App geschenkt hat. Dem Mädchen kann man keinen Vorwurf machen: Ihm wurde schließlich eingebläut, keine Süßigkeiten anzunehmen. Von Spielzeug war keine Rede. Somit muss man wieder einmal die Eltern in die Pflicht nehmen!

Gorack widersetzt sich seiner Verhaftung jedoch und schießt noch Turners Kollegen über den Haufen, ehe er auf der Flucht ein Auto unsachgemäß und dauerhaft parkt. Turner muss den Schurken nur noch aus dem Wrack ziehen. Allerdings steht er vor dem Problem, wie er Gorack in die USA überstellen soll. An Bord eines Schiffes? Dauert zu lange und ist, siehe "Titanic", einfach nicht sicher genug. Mit einem Flugzeug? Zu auffällig. Die offensichtliche Reiselösung lautet: Lasst uns einen gemeingefährlichen Terroristen auf ein Atom-U-Boot schaffen! Waterboarding at it´s best!

Stiftung Fährendienst warnt vor ...

Stiftung Fährendienst warnt vor verdächtig günstigen Angeboten für Kreuzfahrten ... (Bild: http://pixabay.com)

Doch: Top-Terrorist Gorack hat Helferlein, die nicht daran denken, die Amis mit ihrem Oberguru abziehen zu lassen. Um ihn zu befreien, infiltrieren und kapern sie schließlich einen Meereskreuzer. Bereits an dieser Entscheidung kann man ersehen, wie bitter nötig sie die Brainpower Goracks haben: Wie sie von Bord eines Schiffes aus in ein mehrere Kilometer unter der See befindliches U-Boot gelangen wollen, dürfte selbst den hartgesottensten Optimisten ins Grübeln bringen. Mitten in dieses spannende Szenario platzt das Tentakel-Ungeheuer und setzt krakonische Maßnahmen …

Bei Lichte besehen ist "Octopus" ein Schnäppchen: Zwei Filme zum Preis von einem! Auf der einen Seite ein ins Nichts verlaufender Terroristen-Plot, zum anderen ein fürs Entstehungsjahr 2000 blamabel getrickster Horrorfilm aus der Monster-Wühlkiste. Offenbar gab es Uneinigkeiten darin, was für einen Film man drehen wollte: Einen billigen Actionknallfrosch oder doch einen genauso billigen Riesenkraken-Langeweiler? Es darf an dieser Stelle verraten werden, dass der Mix zweier höchst unterschiedlicher Genres nicht gänzlich glückte.

Mit seinem sichtlich bescheidenen Budget scheitert "Octopus" nicht nur an seinen miserablen Effekten, sondern zudem an der kruden Story. Die einzige "Action"-Sequenz in Form der Jagd auf einen Terroristen würde selbst im Vormittagsprogramm gegenüber  "Barbapapa" alt wirken. Noch älter präsentieren sich die Figuren: Der böse Terrorist, der aalglatt gute Agent, der knallharte Armee-Knallkopf … und dazwischen die einzige Frau des Filmes, ergo das Love Interest des Helden. Diese muss sich gemäß alter Tradition, die der Schreiber dieser Zeilen im Übrigen erfreulich findet, bei jeder Gelegenheit ausziehen. Selbst dann, wenn sie vor dem Spiegel ein paar Tabletten einwirft.

Die Freuden der individuellen ...

Die Freuden der individuellen Entfaltung! (Bild: http://pixabay.com)

Einzig die Reihenfolge der Verspeisung durch den Kraken sorgt für Spannung. Apropos: Octopussy verdankt seinen Riesenwuchs wie so viele andere Monster atomarer Strahlung. Ein weiteres Klischee, das selbst Jahrzehnte nach "Godzilla" fröhliche Urständ feiert und genauso wenig totzukriegen ist, wie das Meeresungetüm selbst.

Auch der Umstand, dass es sich bei "Octopus" um eine Direct-to-Video-Produktion handelt, kann nicht als Entschuldigung für langweilige 90 Minuten dienen. Wiese der Streifen wenigstens Witz oder parodistische Elemente auf, könnte man über so manche Schwächen hinwegsehen. Doch die Dialoge fügen sich nahtlos in das inszenatorische Nichts ein.

Lässt sich gar nichts Gutes zu diesem vergurkten Pseudo-Horrorfilm anmerken? Aber ja: Es gibt so manche Filme, die noch schlechter sind! Allerdings muss man lange suchen, um einen solchen zu finden …

"Das ... wirst du ... noch bereuen!"

"Das ... wirst du ... noch bereuen!" (Bild: http://pixabay.com)

Originaltitel: Octopus

Regie: John Eyres

Produktionsland und -jahr: USA; 2000

Filmlänge: ca. 90 Minuten

Verleih: Highlight

Deutscher Kinostart: -

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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