Stummes Grauen

Bereits in der Stummfilm-Ära lockten Filme wie "Frankenstein" oder "Das Phantom der Oper" Millionen Zuschauer in die Kinosäle. Später eröffneten die Entwicklung des Ton- sowie Farbfilms neue Möglichkeiten, das Publikum noch realistischer zu ängstigen, als es bis dato der Fall war. Zu den beliebtesten Filmmonstern zählten neben Frankenstein zweifellos Dracula, zum Leben erwachte, ägyptische Mumien sowie die Vorläufer des späteren Werwolfs.

Außerirdische und Rieseninsekten

In den 50er Jahren hinterließ die damals in den USA grassierende UFO-Hysterie ihre Spuren auch im Horrorgenre: Plötzlich war die Erde bevorzugtes Invasions-Ziel unheimlicher Wesen aus dem All.

1954 entwickelte sich ein für viele Jahre höchst lukratives Subgenre: Die sogenannten "Bug Movies", in denen bevorzugt Insekten auf Grund atomarer Strahlung oder giftiger Chemikalien zu gigantischer Größe und ebensolcher Gefahr heranwuchsen.

Zombies – eine neue Ära

Bis in die späten 60er Jahre hinein blieben Horrorfilme eine meist recht unblutige Angelegenheit. Manche Filme, wie der inzwischen zum Klassiker mutierte "Bis das Blut gefriert", setzten überhaupt ganz auf psychologischen Grusel, der ohne Monstren, Geister oder wahnsinnige Killer das Auslangen fand.

Selbst in für damalige Verhältnisse drastisch und schockierend empfundenen Streifen wie Hitchcocks "Psycho" floss wenig Blut und wurde der wahre Horror im Kopf des Betrachters erzeugt.

Weitaus weniger Zurückhaltung zeigte George Romero mit seinem 1968 billig produzierten Film "Die Nacht der lebenden Toten". Mit einem Schlag etablierte er nicht nur ein völlig neues Bild von Zombies, sondern brach auch mit etlichen bis dahin geltenden Tabus: Ein kleines Mädchen, das mit einer Kelle seine Mutter tötet und sich an deren noch warmen Innereien gütlich tut, schockierte und faszinierte zugleich.

Die Renaissance des Okkultismus

Die 70er Jahre gelten als das Jahrzehnt okkulter Horrorfilme, die zum Teil auf recht drastische Effekte, die nun technisch möglich waren, setzten. "Der Exorzist", "Das Omen" oder "Poltergeist" spülten ungeheure Geldmengen in die Kinokassen und bildeten bis in die 80er Jahre hinein das Fundament des Horrorgenres.

VHS – der hausgemachte Horror

Eine nicht unwesentliche Rolle bei der raschen Verbreitung von Videorekordern sowie den wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden schießenden Videotheken trugen die vor allem bei der Jugend beliebten Horrorfilme. Plötzlich wurde es auch für kleinere Produktionsfirmen attraktiv, Filme dieses Genres zu produzieren, die gar nicht erst in den Kinos liefen, sondern direkt auf Video vermarktet wurden.

Splatter, Folter, Verstümmelung

Die drastischste Form des Horrorfilmes stellen zweifellos die Splatter-Streifen dar, wobei die anfangs meist unrealistischen, übertriebenen Effekte gerade in den letzten Jahren nahezu perfektioniert wurden. Aktuelle Filmreihen wie "Saw", Hostel" oder "Wrong Turn" hoben die allerletzten Tabus auf: Minutenlange, geradezu hautnahe Folterungen und Verstümmelungen sorgen regelmäßig für mediale Empörung – was natürlich für viele Jugendliche als Anreiz wirkt, diese Filme nun erst recht anzuschauen.

Wohin, wenn die letzten Grenzen gefallen sind?

Paradoxerweise führt gerade der Fall der allerletzten Tabus zu einem grundsätzlichen Identitätsproblem des Genres, zählte doch das Ausloten und bewusste Überschreiten von Grenzen für viele Regisseure zum Selbstverständnis ihrer Arbeit.

Auf den ersten Blick betrachtet steckt der Horrorfilm in einer Sackgasse, in die er sich selbst hineinmanövriert hat. Jedoch scheint dies bei einigen bereits überholt geglaubten Subgenres zu einem Comeback zu führen. Mit "The Sixth Sense" oder "The Ring" gelangen Filmen, die weniger auf Blut, denn vielmehr auf psychologischen Grusel setzen, beeindruckende Einspielergebnisse.

Vielleicht liegt somit die Zukunft des Horrorfilms ausgerechnet in der Vergangenheit …

Autor seit 7 Jahren
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