Wo kommt der Name Hühnergott her?

Der Ursprung der Bezeichnung ist noch nicht geklärt. In den 60 Jahren erschien eine deutsche Übersetzung der Novelle "Der Hühnergott" des russischen Schriftstellers Jewgeni Jewtuschenko.In dieser Liebesgeschichte im Sommerurlaub auf der Krim kommt ein Lochstein vor. Der Schriftsteller verwendet dafür die ortsübliche Bezeichnung "Hühnergott". Die Tartaren hängten die dort gefundenen Lochsteine in Hühnerställe, um das Federvieh vor Krankheiten zu schützen und für viele Eier. Das Buch, in einem ostdeutschen Verlag erschienen, wurde populär und damit auch der Begriff. In einem Wörterbuch tauchte der Begriff erst 1965 auf.

Hühnergötter-Kette

Hühnergötter-Kette (Bild: HelgaHenschel)

Linsenstein aus Kalifornien (Bild: Wikipedia, Dr. mgf. Winkelmann, Public Domain CCO)

Wie kommt das Loch in den Stein?

Der harte Feuerstein hat Hohlräume mit Einschlüssen. In der Brandung des Meeres waschen sich diese Hohlräume aus. Nach und nach entsteht ein Loch. Aber völlig sicher ist diese allzu plausible Erklärung nicht. Fachleute können dieses Phänomen nicht eindeutig bestimmen. So behalten die geheimnisumwitterten Hühnergötter ihr Mysterium.

Gut zu finden sind diese Lochsteine nach den Stürmen der kälteren Jahreszeit. Denn dann sind die Strandsteine umgeschichtet und die bislang verborgenen Hühnergötter kommen zum Vorschein. Nach der Urlaubssaison lohnt das Suchen kaum. Viele Urlauber wanderten die Strände entlang.

Hühnergötter

Viehgötter, Glücks-, Drudensteine, Amulette

In einigen Regionen der Welt werden solcher Steine gefunden. Sie sollen über geheimnisvolle Kräfte verfügen. Ein Zauber gegen Unheil, für das böse Geister verantwortlich sind. Manche Deutungen bringen den Hühnergott sogar mit dem nordischen Gott Thor (Donar) in Verbindung. Das Huhn steht nämlich im germanischen Volksglauben in enger Verbindung zum Donnergott.

Im österreichen Salzkammergut sind Lochsteine als Drudensteine und in Vorarlberg als Doggisteine bekannt. Geister bevorzugen Schlüssellöcher oder Ritzen, um in ein Zimmer zu gelangen. Sie benutzen niemals die Tür. Durch falsche Löcher würden sie in die Irre geleitet. Lochsteine, die über dem Bett baumelten, sollten so vor Alpträumen schützen. Entzündungen des Augenlidrandes heilten, wenn Kranke durch das Loch blickten. Kärtner Slowenen nannten Lochsteine "Schlangenstein". Sie glaubten daran, dass  durch das Loch geschüttete Milch als Heilmittel gegen Kinderkrankheiten wirkte.

Heute tragen manche ihren selbstgefundenen, kleinen Hühnergott-Stein an einer Lederschnur als Amulett. Sicher ist sicher. Ein Talisman kann niemals schaden.

Lochsteine für Webstühle und Fischernetze

In Zeiten der Handwebstühle verwendeten Weber kleinere Lochsteine zum Beschweren der Fäden. Aufmerksame Besucher von Heimat- und Freilichtmuseen können die Verwendung der Lochsteine noch sehen. Deutsche Küstenfischer nutzten Lochsteine als "Senker" für ihre Netze und Reusen.

Sassnitzer Blumentöpfe

Ganz besonders viele tonnenschwere Hühnergötter stehen in den Vorgärten von Sassnitz. Früher transportierte man sie von der Kreideküste auf Rügen in die Dörfer. Mit Erde befüllt und mit Blumen bepflanzt zieren sie dekorativ schmucke Vorgärten. Heute ist die Kreideküste als Nationalpark Jasmund unter Naturschutz gestellt. Das Sammeln von Feuersteinen und Fossilien ist dort zwar nicht verboten, aber es sollte sich verständlicherweise aus Naturschutzgründen in Grenzen halten.

Museen mit Hühnergöttern

  • Kreidemuseum Gummanz (Rügen) - Das Museum befindet sich an einem Originalschauplatz des Kreideabbaus auf der Insel Rügen. Die Ausstellung ist in der restaurierten Werkhalle des alten Kreidewerks Gummanz untergebracht. In dem Backsteingebäude wurde noch bis 1962 gearbeitet. Das Kreidewerk war ab 1854 in Betrieb. Die Fabrikhalle war ursprünglich deutlich größer, heute steht noch etwa ein Drittel des Gebäudes.
  • Eiszeit-Museum in Lütjenburg (Schleswig-Holstein) - Vom Eis mitgebrachte Steine werden gezeigt und deren Herkunft aus Skandinavien deutlich gemacht, zum Beispiel vom schwedischen Småland oder den finnischen Åland-Inseln.
  • Deutsches Meeres Museum (Stralsund) - Das Meeresmuseum in Stralsunds Altstadt hat sein Domizil im ehemaligen Dominikanerkloster St. Katharinen. Meereskundliche Ausstellungen sowie Aquarien der Tropen und des Mittelmeeres sind zu entdecken.
  • Museum für Natur und Umwelt (Lübeck) - Mehrere fossile Skelette von Bartenwalen, ein kleiner Zahnwal und ein Hai konnten aus der Kiesgrube von Groß Pampau im Herzogtum Lauenburg geborgen werden. Die gezeigten Wale sind europaweit einzigartig! Faszinierend ist die Vorstellung vom belebten Miozänmeer mit verschiedenen Walarten, Haien, Schildkröten, Muscheln und Schnecken...

Kreativ: Vergolden von Steinen - Statt Blattgold eignen sich auch Silberflocken.

Materialien aus dem Fachhandel für Künstlerbedarf:

  • Anlegemilch, dick- oder dünnflüssig
  • echtes Blattgold
  • Schutzlack (Schellack)
  • 2 Pinsel

Arbeitsschritte:

Auf einen sauberen und staubfreien Arbeitsplatz achten. Die Oberfläche gründlich reinigen und trocknen lassen. Die ausgewählten Stellen mit Anlegemilch und einem sauberen Pinsel bestreichen. Etwa 15 Minuten trocknen lassen. Geschnittenes oder gerissenes Blattgold auf die präparierten Stellen legen. Mit einem weichen Pinsel festdrücken. Goldreste in unbedeckte Vertiefungen verstreichen. Um ein Anlaufen zuverhindern und zur Festigung ist ein Bepinseln mit Schutzlack nötig.

Hühnergötter mit Blattgold

Hühnergötter mit Blattgold (Bild: HelgaHenschel)

Autor seit 3 Jahren
37 Seiten
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