"Ich - Einfach Unverbesserlich": Konkurrenz für Pixar?

Wenn andere ständig von einem leckeren Kuchen naschen, man selber aber keinen Finger daran anlegen darf, wird man irgendwann neidisch. So ungefähr könnte die Reaktion bei "Universal Pictures" verstanden werden, nachdem beispielsweise Pixar mit "Toy Story 3" oder DreamWorks mit der "Shrek"-Filmserie kräftig am Markt der Computeranimationsfilme absahnten.

Kein Wunder also, dass es dem Studio reichte und man sich entschloss, in den gewinnträchtigen Markt einzusteigen. Mit "Ich - Einfach Unverbesserlich" legt "Universal Pictures" seinen ersten 3D-Computeranimationsfilm vor - und landete prompt einen Volltreffer!

Trailer zu "Ich - Einfach Unverbesserlich"

Handlung

Superschurke Gru (Originalstimme: Steve Carell) hat offenbar seine besten Zeiten hinter sich. Während der arrogante Emporkömmling und Rivale Vektor (Originalstimme: Jason Segel) die Cheops-Pyramide stahl und heimlich durch eine täuschend ähnlich aussehende Gummiattrappe austauschte, ist Gru schon lange kein großer Coup mehr gelungen. Der Diebstahl diverser Las-Vegas-Nachbildungen der Freiheitsstatue und des Eiffelturms beeindrucken nicht einmal seine fleißigen, roboterartigen Helferleinchen namens Minions.

Noch einmal will er es wissen und plant den spektakulärsten Diebstahl aller Zeiten. Nicht weniger als den Mond will er an sich reißen und somit der Welt beweisen, dass er der wahre Superschurke ist! Allerdings ist so ein Mond doch ziemlich groß und unhandlich, weshalb Gru eine Schrumpfkanone des Militärs klaut, mit der er den Mond auf Golfballgröße schrumpfen möchte.

Aber erneut schlägt ihm der freche Vektor ein Schnippchen und stibitzt ihm die gerade erst mühsam erbeutete Schrumpfkanone! Zu allem Überfluss streicht ihm seine Hausbank, die "Bank of Evil", den nötigen Kredit für die Durchführung seines Coups. Alles in Scherben! Oder doch nicht? Ausgerechnet die drei Waisenmädchen Margot (Originalstimme: Miranda Cosgrove), Agnes (Originalstimme Fisher) und Edith (Originalstimme: Dana Gaier) könnten ihm die Möglichkeit eröffnen, seinen dreisten Plan in die Tat umzusetzen.

Kurzerhand adoptiert er das muntere Mädchen-Trio allein mit dem Ziel, sie für seine Zwecke einzuspannen. Doch unversehens entdeckt Gru ungeahnt herzensgute Gefühle an sich. Das passt seinem ehrgeizigen WIssenschaftskollegen Dr. Nefario (Originalstimme: Russell Brand) gar nicht, der das ganze Projekt in Gefahr sieht und beschließt, dass Neo-Vater Gru die Mädchen wieder loswerden muss...

Kritik - "Because I'm Bad, I'm Bad, really, really Bad" - Michael Jackson

Vom Misanthropen zum Kinderfreund

Gleich zu Beginn des Filmes schenkt der vermeintlich gutmütige Gru einem heulenden Jungen, dessen Eis zu Boden gefallen ist, ein lustiges Luftballontierchen. Nur, um es mit einem Nadelstich zerplatzen zu lassen, sich kurz an dem verdutzten Gesichtsausdruck des Kindes zu erfreuen und gut gelaunt weiter seines Weges zu gehen. Willkommen in Grus Welt von "Ich - Einfach Unverbesserlich"!

Der anfangs fiese Charakter des "Helden" durchläuft zwar wenig überraschend eine Wandlung weg vom Misanthropen, hin zum Kinderfreund. Doch am herrlich anarchistischen, mitunter politisch unkorrekten Humor ändert diese Tatsache rein gar nichts. Völlig ungehemmt zieht das Regie-Duo Pierre Coffin und Chris Renaud vom Leder und zeigt vor nichts und niemandem Respekt. Betrachtet man die präsentierte Welt etwas genauer stellt man rasch fest, dass sie offenbar fast ausschließlich von Gaunern und Sadisten bevölkert wird.

 

Muttis Erziehung ist Schuld!

Die einzigen tatsächlich unschuldigen Figuren sind die drei Waisenkinder. Betrachtet man Grus biographischen Hintergrund, der in Form kurzer Rückblenden beleuchtet wird, stellt man erstaunt fest, dass auch er einstmals ein freundlicher, aufgeweckter Junge war, der lediglich durch seine lieblose Mutter zum Bösewicht avancierte. In weiterer Folge stellt sich die interessante Frage: Kann der geläuterte Gru den drei Mädchen ein besserer Vater sein? Der Superschurke par excellence gewissermaßen als Vorbild? Dabei weist doch bereits sein Vorname auf seine Verschlagenheit hin: Denn "Gru" lautet auch das Akronym des beliebten russischen Geheimdienstes GRU (Glavnoye Razvedyvatel'noye Upravleniye). Ob man ihm wohl deshalb in der deutschsprachigen Synchronisation einen deutlich russischen Akzent angedeihen ließ (übrigens konträr zu Steve Carells Originalstimme)?

Erfreulicherweise vollzieht sich Grus innerer Wandel nicht über Nacht. Anfangs ist er den frisch adoptierten Waisen gegenüber noch reserviert und gleichgültig. Als beispielsweise das Jüngste der Mädchen in einer "Eisernen Jungfrau" (weshalb sich ein solches Folterinstrument überhaupt in der Wohnung Grus befindet, wäre eine durchaus legitime Frage) eingeschlossen wird und aus den Holzritzen rote Flüssigkeit durchsickert, quittiert dies Gru achselzuckend und stellt fest, dass ihm ohnehin noch zwei Kinder für seinen Plan übrigblieben. Natürlich ist dem Mädchen nichts passiert und es kommt mit dem Schrecken davon.

 

Schwarzer Humor

Derlei tiefschwarzer Humor durchzieht aber weite Teile des Films, der sich von expliziten Gewaltdarstellungen auf clevere Weise distanziert: Wie weiland bei "Tom & Jerry" und ähnlichen Cartoons werden die Auswirkungen von Gewalt ins Absurde verzerrt. Etwa bei einem Einbruchsversuch Grus, der von zahlreichen Verteidigungsmaßnahmen Vektors ein ums andere Mal geplättet wird. Selbst bei Explosionen verfärbt sich Grus Kopf lediglich schwarz und steigen Rauchwölkchen über seinem Haupt auf.

In "Ich - Einfach Unverbesserlich" gibt es jede Menge zu lachen. Einige Anspielungen richten sich dezitiert an das erwachsene Publikum. So wird etwa Grus Hausbank "Bank of Evil" als Nachfolgeinstitut der ehemaligen "Lehman Brothers"-Bank vorgestellt.

Überhaupt gibt es so Vieles in dem Film zu bestaunen, dass es schier unvermeidbar ist, ihn ein zweites Mal anzugucken, um die vielen versteckten Gags zu entdecken. Immerhin muss man schon über ein scharfes Auffassungsvermögen verfügen, um auf Anhieb da Vincis "Mona Lisa" in der Ecke des Kinderzimmers auszumachen.

Wie in den meisten derartigen Komödien spielen Nebenfiguren eine entscheidende Rolle. So auch hier, und zwar in Form der kleinen, gelben Minions, die Gru als unermüdliche Helfer dienen. Die niedlichen Helferchen haben jedoch allesamt ihren jeweils ganz eigenen Charakter: Manche sind latent aggressiv, andere hingegen furchtsam und zurückhaltend. Allein gemein ist die wuselige Liebenswürdigkeit.

 

Technisch perfekt, spannend bis zum Schluss

Auch auf technischer Ebene überzeugt "Ich - Einfach Unverbesserlich" vollends. Die Brillanz eines "Toy Story 3" wird nicht erreicht, da gar nicht erst angestrebt. Sämtlichen Figuren haftet etwas Unrealistisches oder gar Absurdes (Grus seltsames Schoßhündchen etwa) an, was hervorragend zum Cartoon-Charakter des Streifens passt.

Der Plot selbst erweist sich als hinreichend interessant, um bis zum Schluss für Spannung zu sorgen. Einen "Plot Twist" oder dramatische Wendungen darf man sich natürlich nicht erwarten. Dafür wird man aber mit einem von der ersten bis zur letzten Sekunde unterhaltsamen Film belohnt.

 

 

Fazit

Wieder einmal muss man ein erstaunliches Fazit ziehen: In computeranimierte Filme fließen offenbar jenes Herzblut und jene Kreativität, die man sich bei "normalen" Spielfilmen oftmals wünschen würde. "Ich - Einfach Unverbesserlich" gehört zweifellos zu den besten CGI-Filmen überhaupt.

Dem produzierenden Studio ist damit ein wunderbar schräger, warmherziger und zum Niederbrechen lustiger Film gelungen, der ohne jegliche Einschränkung empfohlen werden kann. Wer achtlos an Grus bizarrer Welt vorbeisieht, ist unverbesserlich nachlässig...

Daten & Fakten

Originaltitel: "Despicable Me"

Regie: Pierre Coffin, Chris Renaud

Produktionsland und -jahr: USA 2010

Filmlänge: ca. 95 Minuten

Verleih: Universal Pictures Germany

Deutscher Kinostart: 30.9.2010

FSK: Keine EInschränkung

Offizielle Website:www.unverbesserlichfilm.de

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Autor seit 6 Jahren
835 Seiten
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