Die Pfeiler des Glaubens: Der historische Hintergrund

In seinem zweiten Roman wagte sich Ildefonso Falcones an ein emotionales Thema heran, welches heute wiederum brandaktuell ist. Er schildert den Konflikt zwischen islamischer und christlicher Kultur und bedient sich dabei eines dunklen Kapitels der spanischen Vergangenheit: Die Geschichte der Morisken, besser bekannt als Mauren.

Der Roman umfasst die Zeit ihres letzten, gewaltsamen Aufbegehrens ab 1568 bis zur endgültigen Vertreibung 1612. Es ist die Zeit unter König Philipp II., geprägt vom Gold der Kolonien in Lateinamerika, den inquisitorischen Autodafes und dem schockierenden Untergang der Armada.

Die oftmals abwertende Bezeichnung Morisken umfasste damals die zwangsweise christianisierten Nachkommen jener moslemischen Gotteskrieger, welche Jahrhunderte zuvor Teile Spaniens erobert und besiedelt hatten. Auf beiden Seiten bestanden also Vorurteile, erlittenes Unrecht und Intoleranz.

Die Pfeiler des Glaubens: Die Handlung

Der Moriske Hernando Ruiz steht von Jugend an zwischen den Kulturen. Gezeugt wurde er durch einen Pfarrer, der Hernandos Mutter vergewaltigte. Ein lebenslanges Andenken an diese Tat sind die blauen Augen des Jungen. Sie bringen ihm den Hass seines Stiefvaters und bei den unterdrückten Morisken den Spitznamen "Nazarener" ein. Offiziell wird Hernando (wie seine Nachbarn) christlich indoktriniert. Heimlich jedoch erlernt er bei einem weisen Mann die moslemische Glaubenslehre. Der Gelehrte vermittelt dem aufgeweckten Jungen außerdem die Fähigkeit, strategisch und überlegt zu handeln.

Dies sowie sein beinahe schon traumwandlerisch sicherer Umgang mit Reittieren sichern Hernando mehr als einmal das physische und ökonomische Überleben. Er übersteht den blutigen Ausbruch und das ebenso gewaltsame Ende des Morisken-Aufstandes, die Deportation, das Ghetto-Leben. Fortan lebt Hernando in zwei Welten: Einerseits gilt er als Muster des zum Christentum zwangsbekehrten Moslems, andererseits nimmt er an der heimlichen Ausübung islamischer Bräuche und Riten teil. Angehörige beider Religionen begegnen Hernando mit Skepsis. In diesem (um persönliche Tragödien verschärften) Spannungsfeld lässt Ildefonso Falcones seinen Helden in aller Heimlichkeit die Versöhnung zwischen Islam und Christentum vorbereiten. Doch als die Morisken 1612 endgültig aus Spanien vertrieben werden, naht auch für den gereiften Hernando die Stunde der Wahrheit. Er muss sich entscheiden...

Die Pfeiler des Glaubens: Ein lesenswertes Buch?

Ohne Zweifel hat Ildefonso Falcones mit diesem Roman ein gelungenes Werk vorgelegt. Die Szenen sind farbenprächtig geschildert und vereinen Spannung sowie aktionsreiche Handlung mit Romantik sowie nachdenkenswerten Aspekten. Die Gratwanderung zwischen christlich-westlichen und islamischen Standpunkten meistert der Autor geradezu fabelhaft. Liebenswertes, Bewunderung, aber auch furchtbares Fehlverhalten weist er beiden Seiten zu und stützt sich dabei auf historisch fundierte Angaben. Der unvoreingenommene Leser wird daher kaum homogene Sympathien entwickeln und feststellen: Der Konflikt, obwohl vordergründig religiös geprägt, war eigentlich der tragische Untergang einer Kultur.

Für Nicht-Spanier liest sich das Buch zunächst etwas mühselig, denn die vielen arabischen und spanischen Namen sind gewöhnungsbedürftig. Zudem braucht der uninformierte Leser einige Zeit, um die historische Ausgangsituation des Romans voll zu erfassen. In zwei, drei kurzen Szenen beschreibt Ildefonso Falcones zudem so manche Grausamkeit recht plastisch. Dies mag der historischen Realität entsprechen, dürfte auf manchen Leser aber dennoch eine unangenehme Wirkung haben. Insgesamt jedoch hat der Autor auf rund 900 Seiten ein beeindruckendes Werk geschaffen, dessen Wirkung weit über kurzweiliges, spannendes Lesevergnügen hinaus reicht.

Der Autor Ildefonso Falcones de Sierra arbeitet hauptberuflich in Barcelona als Anwalt. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Sein Roman "Die Pfeiler des Glaubens" erschien auf Deutsch im C. Bertelsmann Verlag, München.

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