Die Geschichte des Hamam

Das öffentliche Badehaus, der Hamam, geht im Orient auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück. Die Gläubigen konnten sich hier vor den Gebeten ausgiebig reinigen. Es war auch ein sozialer Treffpunkt. Im Hamam trafen sich die Frauen zum Klatsch, Mütter konnten ihre potenziellen Schwiegertöchter genauestens betrachten und Kaufleute verhandelten entspannt ihre Geschäfte.Da die Wohnhäuser meist kein warmes fließendes Wasser hatte, genoss man die öffentlichen Badehäuser. Die türkische Badekultur existiert seit mehr als 800 Jahren. Sie ist eine Weiterentwicklung des griechisch-römischen Bades und findet ihren Ursprung in Istanbul und Mittelanatolien. Während die Thermen bei den Römern mehr Freizeitanlagen waren, legte man in den orientalischen Badehäusern mehr Wert auf den Reinigungs- und Pflegeaspekt. Der Hamam-Besuch wurde in luxuriösen Bädern zelebriert und kommt der heutigen Wellness-Bewegung nahe. Schon damals gab es Massagen, pflegende Masken und Cremes. Bereits die Osmanen genossen die orientalische Bäder. Mehr als 4.500 private und 300 öffentliche Hamams soll es im 17. Jahrhundert allein in Istanbul gegeben haben, heute findet man noch mehr als 70 Badehäuser. Das Wort Hamam kommt aus dem Arabischen (Hammām) und bedeutet Wärmen.

Geschlechtertrennung

In traditionellen Hamams findet eine strikte Geschlechtertrennung statt. Es befinden sich im Hamam entweder unterschiedliche Abteilungen für Männer und Frauen oder die Badezeiten werden nach den Geschlechtern getrennt. Der Freitagvormittag ist für die Männer reserviert. In Hotelanlagen kann das Badehaus auch gemeinsam genutzt werden. Im Gegensatz zur Sauna behält man das Badetuch allerdings immer an. Die Damenwelt verbringt gerne einen ganzen Tag im Hamam bei Wellness, fröhlichem Beisammensein und mitgebrachtem Obst und Tees.

Lebanon, Tripoli, Old Town, El Jadid Hamam (Bath) (Bild: Michele Falzone / AllPosters)

Wie ist der Ablauf im Hamam?

Beim Eingang erhält man ein Pestemal, das ist traditionelles Wickeltuch aus Baumwolle. Man zieht sich im Umkleideraum, Camekan, komplett aus und wickelt das Pestemal um den Körper. Die Herren der Schöpfung binden sich das Tuch um die Hüften, bei den Damen reicht es bis unter die Achseln. Falls man keine Nalin, Holzpantinen, für die Füße bekommen hat, zieht man die mitgebrachten Badeschuhe an.

In Europa geht man wie der Sauna unter die Dusche, um den Alltagsschmutz abzuwaschen. Dann wird man streng nach Männlein und Weiblein getrennt vom Bademeister Tellak oder der Badefrau Natir ins Dampfbad, Cicaklik geführt. Im Orient wäscht man sich an den an den Wänden befindlichen Waschbecken. Hier stehen Schalen, mit denen man das Wasser über den Körper gießt.

Im Heißraum, Hararet, schwitzt man bei ca. 45 Grad und feuchtwarmer Luft ca. 15 bis 20 Minuten. Die Luft ist voller Dampf und im Nu rinnen Bäche feuchten Schweißes den Körper hinab. Danach schöpft man wieder Wasser mit denKupferschalen und gießt diese von Kopf bis Fuß über den Körper.

Jetzt darf man auf dem großen Marmorstein mit Namen Göbektasi Platz nehmen, der sich in der Mitte des Raumes befindet. Dieser Nabelstein ist wohlig war von unten beheizt. Die Muskeln können sich entspannen. Man gewinnt Abstand von Stress und Alltagsproblemen.

Der Tellak bzw. die Natir reiben mit einem Peelinghandschuh aus Kokosfaser oder Ziegenhaar, dem Kese den ganzen Körper kräftig ab und befreien ihn so von abgestorbenen Hautschuppen. Die Durchblutung wird angeregt. Danach kommt der angenehmste Teil, die Seifenschaummassage. Man verschwindet in einem großen Berg aus Seifenschaum. Wie ein Baby wird man gewaschen, was zu wohliger Entspannung führt.

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Die anschließende kräftige Massage lässt einem wieder aus den Träumen erwachen. Der Körper wird geknetet, die Muskeln und Sehnen werden gedehnt. Die Hamam-Massage kann durchaus sehr fest sein! Mit Wassergüssen wird alles abgespült, die Natir wäscht auf Wunsch auch gleich die Haare. In manchen Bädern kann man für einen Extrapreis noch eine Ölmassage mit Arganöl bekommen. Dieses besonders hochwertige Öl zieht sofort in den Körper ein, ohne einen Fettfilm zu hinterlassen.

Danach kann man sich im Ruheraum, dem Sogukluk bei einem Tee erholen, mit den Freundinnen schwatzen und die warme Reinheit des Körpers genießen. Ich habe das Dampfbad als sehr angenehm empfunden. Es ist nicht so heiß wie die Sauna und nicht nur die Poren, sondern auch die Nase wurde wieder frei. Man fühlt sich wie neu geboren.

Historische türkische Dampfbäder, die einen Besuch lohnen

Die türkischen Dampfbäder sind häufig auch in ihrem Baustil wahre Kunstwerke. Über dem häufig achteckigen Marmorstein erhebt sich eine prachtvolle Kuppel. Diffuses Licht strahlt durch die kleinen Öffnungen an der Decke und lässt den Raum geheimnisvoll wirken. Blaue Schmuckfliesen und orientalische Verzierungen schmücken das Bad. Besonders schöne historische Exemplare in Istanbul sind das Cagaloglu Hamam, nahe der Zisterne, das im Jahr 1741 von Sultan Mahmut I. errichtet wurde, das Cemberlitas Haman (erbaut 1581) in der Nähe des Großen Basars oder das Ayasofya Hürrem Sultan Hamam bei der Blauen Moschee. Wer eine Reise nach Istanbul plant, findet auf der Seite der Istanbul Tourist Information sein Hamam.

Mit Freundinnen habe ich bei einem Städteausflug in Istanbul am letzten Abend das Gedikpasa Hamam besucht, welches auch ein kleines Schwimmbecken besitzt. Unseren Reisebericht über das in 1475 erbaute Bad finden Sie unter Gedikpasa.

Hamams in Deutschland

Der Hamam in Bad Dürkheim, Kurbrunnenstraße 14, kommt einem türkischen Badehaus sehr nahe mit seinem großen Marmorstein, der von der sternengeschmückten Decke in blaues Licht getaucht wird. Bad Griesbach, Thermalbadstr. 4, in Niederbayern gibt an, den größten Hamam in Deutschland zu besitzen. Hier werden auch Schulungen vom Hamammeister (Tellak) angeboten, die mit einer Prüfung abschließen. Blumengeschmückte Fliesen zieren die Räume. Das Anatolia Hamam in München-Untergiesing, Wirtstr. 1b, reizt mit blauen Deckengewölben, während das Hamam in der Schokoladenfabrik Berlin, Mariannenstr. 6, in Grüntönen gehalten ist. Im Hamburger Hafen, Seewartenstraße 10, bei den Landungsbrücken, befindet sich ein Hamam mit angeschlossenem Restaurant mit türkischen Köstlichkeiten. Auch Bremen wartet in der Faulenstraße 67 mit einem Exemplar auf. Das Sahara Wellness in Düsseldorf, Mintropstraße 21, bietet Damen- und Herrentage, an denen es den verschiedenen Geschlechtern zur Verfügung steht. Auch hier werden die Damen nur von Masseurinnen massiert.

Reisefieber, am 25.11.2013
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Autor seit 3 Jahren
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