Erd- und Grabhügel in Nordamerika (Gemälde von George Catlin) (Bild: tpsdave / Pixabay)

Die Gehörnte Schlange symbolisiert die Fruchtbarkeit des Wassers

Während der Hopewell-Kultur entstanden Dutzende solcher Hügel, die Tiere oder abstrakte Zeichnungen darstellen. Der große Serpent-Mound wurde um 1780 entdeckt. Bis heute haben die Archäologen jedoch nicht herausfinden können, warum die Schlange gebaut wurde und welchem Zweck sie diente. Man kann lediglich einige Schlüsse aus der Mythologie ziehen, wo die Schlange oft mit den lebensspendenen Kräften des Wassers in Verbindung steht.

In einer alten indianischen Sage verkörpert die Gehörnte Schlange die Fruchtbarkeit des Wassers. Und für die mexikanischen Azteken war die Gefiederte Schlange nicht nur ein Symbol der Sonne, sondern auch des Regens und Sturms. Die dort beheimateten Indianer berichteten hingegen, die alten Hügel dienten bei ihren Vorfahren astrologischen Zwecken. So soll das Bild von der Schlange, die ein Ei frisst, der alten Überlieferung zufolge das Phänomen der Mondfinsternis symbolisieren.

Der Great-Serpent-Mound ist das wichtigste heute noch existierende Vermächtnis des Adena-Volkes, das zu den ersten Mais anbauenden Kulturen Amerikas gehörte. Aus den Tausenden von Grabhügeln, die sie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausends vor Christus errichteten, konnten Archäologen einiges über die Adena in Erfahrung bringen. Im Inneren dieser Hügel befanden sich rechteckige Gräber für die Leichname und die sie begleitenden Grabbeigaben, wie beispielsweise Steintafeln mit Tierzeichnungen oder abstrakten Mustern und steinerne Tabakspfeifen in Form von Menschen und Tieren.

Die Indianer unterhielten ein weitreichendes Netz von Handelsbeziehungen

Die Kultur der Adena existierte bis etwa 200 nach Christus. Ihre Nachfolger waren die Hopewell-Indianer. Sie hatten längliche schmale Schädel, unterschieden sich physisch von den Adena und praktizierten einen hochentwickelten Totenkult. Auf speziell für diesen Zweck eingeebneten Flächen bauten sie große Leichenhallen ohne Dach. Im Inneren dieser Anlagen verbrannten sie rund drei Viertel ihrer Toten, nachdem sie zuvor das Fleisch von den Knochen entfernt hatten. Nur eine bevorzugte Elite wurde unversehrt begraben. Diese Leichname legten sie auf den Boden der Hallen und umgaben sie mit Grabbeigaben, von denen sie glaubten, dass man sie in der nächsten Welt benötigen würde.

Der Schmuck, den diese Elite trug, lässt darauf schließen, dass die Hopewell ein weitreichendes Netz von Handelsbeziehungen unterhielten. In ihren Grabhügeln wurden Ornamente und Rüstungen aus gehämmertem Kupfer vom Lake Superior, Haifischzähne aus dem Golf von Mexiko und Messer gefunden, die aus Obsidian vom Yellowstone gefertigt sind. Zur Blütezeit ihrer Kultiur (zwischen 100 vor Christus und 200 nach Christus) besaßen die Hopewell große Macht. Ihr Einflussbereich reichte über das Gebiet der heutigen Bundesstaaten Ohio und Illinios hinaus bis nach Indiana, Michigan, Wisconsin, Iowa und Missouri. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts ging diese Zivilisation jedoch ebenso rasch unter wie die der Adena.

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