Wer war Markus Roy/ St. Fidelis?

St.Fidelis,Sigmaringen, Ecke FidelistraßeDie älteste Lebensbeschreibung über Markus Roy, dem späteren St. Fidelis, stammt vom Kapuzinerpater Lucianus, der diesen noch persönlich kannte.

Fidelis wurde, am 1. Oktober 1577 in der oberschwäbischen Donaustadt Sigmaringen, als Sohn des Gastwirtes und Bürgermeisters Roy geboren und auf den Namen Markus getauft. Sein Großvater war von Antwerpen aus, dem aus den Niederlanden stammenden ersten Hohenzollern Graf Karl I. bei seinem Regierungsantritt nach Sigmaringen gefolgt.

Der hochbegabte Markus besuchte die Lateinschule in Sigmaringen, anschließend das Jesuitenkollegium in Freiburg, wo er eine streng an der Gegenreformation ausgerichtete Erziehung erhielt. Er studierte an der dortigen Universität Philosophie und Rechtswissenschaften.

1604 wurde er Hofmeister des Freiherrn Wilhelm von Stotzingen und begleitet, in dieser Eigenschaft, eine Gruppe junger Adeliger auf ihren ausgedehnten Reisen durch Deutschland, Frankreich, Oberitalien und einigen spanischen Provinzen. Nach der Rückkehr stellt Markus Roy fest, dass in Freiburg die Pest ausgebrochen war und er sein Studium unterbrechen musste. Um Geld zu verdienen, blieb er, bis zum Umzug der Universität nach Villingen, zwei weitere Jahre in den Diensten der Familie von Stotzingen.

Im Mai 1611 promoviert er zum Doktor der weltlichen und geistlichen Rechte und wurde Advokat und Beisitzer am obersten Gerichtshof in Ensisheim.

Markus Roy erwarb in kürzester Zeit den Ruf eines Advokaten der Armen, gibt aber nach einem Jahr, angewidert von der Berufsauffassung seiner Kollegen, der Korruption im Rechtswesen und der zahlreichen Fehlurteile der Gerichte, sein Amt auf. Nicht belegt ist, was ihn zum Eintritt in die Klostergemeinschaft der Kapuziner bewegte, denn nach der Rückkehr nach Freiburg bat er um Aufnahme in das noch ganz jungen Kapuzinerklösterchen, in der Nähe des Münsters. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kapuzinermönche eine junge Reformgruppe innerhalb der franziskanischen Gemeinschaft. Diese wurde achtzig Jahre zuvor in Italien gegründet: In der Schweiz, in Altdorf, im Kanton Uri, gründeten sie ihr erstes Kloster außerhalb Italiens. Der Orden verbreitete sich sehr schnell auch in Süddeutschland. Kapuziner sind der strengsten Armut verpflichtet. Die Ordenstracht bestand und besteht aus einer kastanienbraunen Kutte mit einer langen, spitzen Kapuze und einem weißen Strickgürtel.

Im Oktober 1612 wird Markus Roy zum Priester geweiht, tritt in das Kloster der Schweizer Kapuziner in Freiburg ein und erhält den Ordensnamen Fidelis, was der Treue, bedeutet. Seine theologischen Studien absolvierte Roy in Konstanz und Frauenfeld und missionierte in Vorderösterreich. Der junge Mönch wurde schnell als Prediger mit scharfen Gedanken und einer sehr klaren und direkten Sprache bekannt. Erzählt wurde, dass einer seiner Zuhörer ihm nach einer Predigt sagte:"Pater, wenn ihr hier gute Suppen essen wollt, dann müsst ihr anders predigen". Fidelis entgegnete: "Was kümmert mich eure Suppe? Wisst, nicht der Suppen wegen predige ich, sondern ich sage das, was mein Gewissen mir sagt". Fidelis verteidigt die Rechte der Armen und kümmert sich in den Spitälern um Typhus- und Pestkranke. Um seine Tätigkeit auszuüben muss er, bei jedem Wetter, Kräfte zehrende Wanderungen unternehmen. Zu dieser Zeit unterschrieb er Briefe mit: "Bruder Fidelis, in Kürze eine Speise der Würmer."

Fidelis predigte- eine Zeitlang am Vierwaldstätter See und stand als Guardian 1618 dem Kapuzinerkloster in Rheinfelden, 1620 dem in Freiburg und 1621 dem in Feldkirch vor.

Wie es zum Tod des Fidelis, aus einer Darstellung von 1674, kam

Am Leben des heiligen Fidelis wird die tiefe Spaltung der Gesellschaft kurz vor dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges deutlich. Katholiken und Protestanten kämpften damals verbissen jeweils für ihre Lehre und im Alltag prägten Unrecht und Gewalt das Geschick der Menschen. In dieser aufgeheizten Atmosphäre wird Fidelis, auch beim Papst, durch seine messerscharfe Redensweise für den Glauben, bekannt. Aus diesem Grund wird er vom Papst für die Ausbreitung des Glaubens, mit der Mission im protestantischen Räthien, beauftragt. Fidelis beginnt unverzüglich mit seiner Arbeit bei den reformiert gläubigen Bauern im Prättigau und im unteren Engadin. Dort müssen österreichische Soldaten seinen Predigten bei der Bevölkerung gewaltsam Nachdruck verleihen. Die dem folgenden "Bündner Wirren" erreichten ihren Höhepunkt am Palmsonntag des Jahres 1622.

Wie sich die Ereignisse genau abspielten, ist durch historische Quellen heute nicht eindeutig belegt. Gewiss ist, dass Fidelis am 24. April nach Seewis, einem Bergdorf unterhalb der Montafongipfel, kam. Mutig predigt er, unter militärischem Schutz, in der Kirche und fordert eine Rückkehr zum katholischen Glauben. Als im nahe gelegenen Schiers bei heftigen Kämpfen zwischen Bündnern und Österreichern das örtliche Gotteshaus in Brand gerät, kommt es auch in Seewis zu Panik und Tumulten. Die aufgebrachten protestantisch gläubigen Bauern greifen zu Dreschflegeln und anderen improvisierten Waffen, um die Soldaten zu vertreiben. Bei der anschließenden Flucht wird Pater Fidelis erschlagen und eilig am Wegesrand verscharrt.

Als einige Tage später Mitbrüder den Leichnam nach Feldkirch bringen wollen, wird der Leichnam von der Polizei des Bischofs von Chur nicht frei gegeben. Im Handgemenge wird der Kopf des Märtyrers abgetrennt. Aus diesem Grund ruht der Leib des heiligen Fidelis in der Kathedrale von Chur, das Haupt dagegen in Feldkirch.

Domkapitular i. R.Hermann Ritter, der in Sigmaringen Dekan war und langjährig die Abteilung Seelsorge im erzbischöflichen Ordinariat leitete, ordnet heutzutage den heiligen Fidelis und sein Wirken, im Licht der Ökumene ein. Ihn beeindruckte der Satz von Fidelis besonders: "Jesus, bewahre mich davor, dass ich je einen Menschen, mag er mich auch hassen und verfolgen, verachte, ihn gering schätze oder mich von ihm abwende. Lass in mir niemals Hass oder auch nur eine bittere Empfindung aufkommen und lass nicht zu, dass ich an einem Menschen verzweifle, solange er lebt".

Infos zum Feiertag St.Fidelis, in englischer Sprache

Die wechselvolle Geschichte der Fidelisverehrung in Sigmaringen

Seid seiner Seligsprechung 1729 und der Heiligsprechung an Peter und Paul 1747 wird der Namenstag von St. Fidelis in Sigmaringen feierlich begangen und war, bis 1937, in Sigmaringen, ein offizieller Feiertag.

Seit 1944 werden am Fidelistag, zum feierlichen Gottesdienst, meist namhafte Pfarrer gewonnen. Am Abend werden große, feierliche Prozessionen durch die Stadt veranstaltet an der, neben zahlreichen Gläubigen, die Ortsgeistlichen, die Franziskaner des Klosters Gorheim, die Zöglinge des Fideliskonvikts, die Kreuzschwestern aus dem Haus Nazareth, die Strohdorfer Schwestern, die Schwestern der christlichen Liebe, die Schüler der Hedinger Realschule und der Bilharzschule, die Vertreter der Behörden und die katholischen Vereine der Stadt, teilnehmen.

Es wurden Reliquien des Heiligen, darunter das kostbare Armreliquiar und die Wiege des Stadtpatrons (sie wird heute im Fidelisaltar der Pfarrkirche St. Johann aufbewahrt), mitgeführt. Eine zweite kostbare Erinnerung, die schlichte Kanzel aus Tannen holz, auf der Fidelis seine letzte Predigt halten wollte, konnte für Sigmaringen erworben werden: Sie steht heute in der Fidelis-Kapelle im Geburtshaus des Heiligen.

Wichtiger als alle Erinnerungsstücke sieht Domkapitular i. R. Hermann Ritter den Namen, Fidelis, der Treue und das wir die Erfahrung machen: "Gott ist treu" (1 Kor 1,9) und diese Treue müssen wir mit unserer Treue beantworten.

Seit 1954 ist der Namenstag von St. Fidelis kein kirchlicher Feiertag mehr. Er behielt bis 1968 aber den Charakter eines lokalen kirchlichen Feiertages, an dem eine Feiertagsruhe eingehalten wurde. In späteren Jahren wurde der Fidelistag am Sonntag nach dem 24. April gefeiert.

Die Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) veränderten auch das religiöse Brauchtum am Fidelistag.

  • Ab 1966 wurde die Prozession mit den Reliquien eingestellt und stattdessen eine Lichterprozession veranstaltet
  • Von 1971 bis 1978 fand das Fidelisfest zwar wieder jeweils am 24. April statt, doch abends ohne Lichterprozession
  • Der Fidelisgedenktag stand 1975 unter dem Zeichen der Ökumene

Am 24. April 1979 fand, nach langer Abstinenz, schließlich wieder eine Prozession statt, jedoch in neuer Form. Damals versammelten sich die Gläubigen der drei Sigmaringer Pfarreien abends am Fidelishaus, wo die Feier mit dem Fidelislied begonnen wurde. Es folgte ein Schweigemarsch durch die Fußgängerzone zum Saible-Eck. Auf der dort stehenden Fideliskanzel wurde das Wort Gottes verkündet. Danach gingen die Gläubigen zur Pfarrkirche St. Johann und feierten die heilige Eucharistie.

Seit 1992 wird das Fidelisfest wieder am 24. April, mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Johann und einer anschließenden Lichterprozessionen, gefeiert. In den vergangenen Jahren hat es durch die Teilnahme höchster geistlicher Würdenträger, zum Beispiel Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg und den in Sigmaringen geborenen Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, eine eindrucksvolle Aufwertung erfahren.

Quelle: Dr. Otto Becker, Domkapitular i.R. Hermann Ritter, Berichte von Sigmaringern

Literatur:

  • Der hl. Fidelis von Sigmaringen, P. Gaudentius Walser O.Cap, Lins-Verlag, Feldkirch
  • Fidelis von Sigmaringen und seine Zeit, Beat Fischer, Christiana-Verlag, Stein am Rhein,
  • 2008 erschien im Kunstverlag Fink, Lindenberg, ein neuer Führer zur Kirche St. Johann in Sigmaringen
MonikaHermeling, am 06.03.2020
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Bildquelle:
Reisefieber (Die heilige Kuh in Indien)

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