Es ist acht Uhr am Morgen im Kindergarten, doch wildes Gebrülle herrscht jetzt schon – in diversen unterschiedlichen Sprachen, von Spanisch über Griechisch bis hin zu Deutsch oder Chinesisch. Die Gruppenbildung der Kinder ist nicht zu übersehen, größtenteils werden Freundschaften nur nach kulturellem Hintergrund geschlossen. Eine alltägliche Situation in Deutschlands Kindertagesstätten. Doch woran liegt das, und was kann man dagegen tun?

Kind

In Deutschland wohnen circa 7,8 Migranten, davon sind um die 260.000 im Alter zwischen 1 und 6 Jahren. Diese kommen aus zahlreichen Kulturkreisen und verschiedenen Ländern, die größte Gruppe kommt aus der Türkei, gefolgt von Menschen aus Italien und Polen. Migranten stellen keine homogene Gruppe dar. Zahlreiche unterschiedliche Kulturen, Religionen, Werte, Vorstellungen, Geschlechtsrollenbilder und Erziehungsstile treffen in Deutschland aufeinander. Die Kinder stehen dadurch oft vor der Herausforderung, sich zu integrieren, aber trotzdem der eigentlichen Heimat treu bleiben zu wollen. Nicht nur die Eltern, auch die Kindergärten stehen somit vor Hindernissen und Verständigungsproblemen. Doch die Aufnahme von Kindern aus Einwanderfamilien stellt auch eine Bereicherung dar, da neue Erkenntnisse gewonnen und Vorurteile abgebaut werden können.

Sprachbarriere und Gruppenbildung

In Migrantenfamilien wird oft nur die Sprache der Eltern gesprochen. Das ist verständlich, da sich die meisten Menschen am besten in ihrer Muttersprache ausdrücken können. Doch das kann zu einem großen Problem für die Kinder werden, da diese dann im Kindergarten nur mit anderen Kindern spielen und kommunizieren können, die diese Sprache auch sprechen. Gruppen bilden sich somit automatisch. Zwar kann durch Zusammenführungen mit Hilfe der Erzieher bewirkt werden, dass die Kinder unterschiedlicher Kulturen miteinander spielen, doch häufig ist die Sprachbarriere zu groß um einen längeren Kontakt zu ermöglichen. Dadurch sprechen betroffene Kinder größtenteils ausschließlich mit den Erziehern auf Deutsch und können ihr Sprachvermögen kaum weiter ausbilden. Selbst nach Beginn des Sprachunterrichts in der Grundschule und in den Jahren danach sind so deutliche Akzente zu hören, die weiterhin auch zu Distanzierungen und Gruppenbildung führen können.

Kulturelle Unterschiede

Doch nicht nur die sprachlichen Unterschiede sorgen für Unsicherheiten und Herausforderungen auf Seiten der Kinder. Auch die kulturellen Gegebenheiten setzen sich oftmals durch, etwa die unterschiedlichen Essgewohnheiten. Eine einheitliche Mahlzeit ist kaum noch möglich, da sich verschiedene Kulturen und Religionen auch häufig von unterschiedlichen Lebensmitteln ernähren und den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel verbieten. Dadurch erhalten etwa Kinder aus muslimischen Familien kein Schweinefleisch und müssen beim gemeinsamen Mittagessen im Kindergarten nicht selten zurückstecken oder sich sogar selber Essen von zu Hause mitbringen.

Unterschwellige Diskriminierung

Durch die Gruppenbildung in Kindergärten fühlen sich viele Kinder aus Einwanderfamilien oft schon in jungem Alter einer gewissen Art von Diskriminierung ausgesetzt. Kinder sagen häufig diskriminierende Dinge, ohne den wirklichen Sinn dahinter zu verstehen oder es böse zu meinen. Zwar geschieht das in den meisten Fällen nicht aus Absicht, wird aber von den Eltern nicht selten so verstanden und als böswillig empfunden. Daher kommt es auf Seiten der Eltern auch schnell zu Frust, und der Integrationswille wird nur noch geschwächt. Die Erzieher müssen dem in ausführlichen Gesprächen vorsorgen, um eine angenehme Atmosphäre zu behalten und zu zeigen, dass der Wille der Aufnahme da ist. Auch bei Sprachbarrieren kann man den Eltern ein besseres Gefühl geben, in dem sie man etwa mit anderen Eltern des gleichen Kulturhintergrunds bekannt macht.

Gemeinsame Sprachförderung

Frühzeitige Sprachförderung im Kindergarten wird immer wichtiger. Nicht nur für deutsche Kinder, besonders für Kinder ausländischer Herkunft ist es sinnvoll, auf spielerische Art und Weise die Sprachkenntnisse zu fördern. Häufig ist es den Eltern nicht bewusst, wie wichtig die deutsche Sprache im zukünftigen Leben des Kindes sein wird. Daher sollten Eltern darauf hingewiesen und auch Informationen zu Sprachkursen außerhalb des Kindergartens angeboten werden. Auch zu Hause sollte eine Konfrontation mit der deutschen Sprache stattfinden, etwa durch Bilderbücher oder kindgerechte Fernsehsendungen. Dabei sollte beachtet werden, dass die Heimatsprache akzeptiert und nicht entwertet wird sowie auch weiterhin gesprochen werden kann – Bilingualität ist ein großer Vorteil in der heutigen Zeit und sollte gefördert werden.

Autor seit 5 Jahren
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