Historienfilm "Ironclad"

Historienfilme, die im Mittelalter spielen, haben Hochsaison. Und dies, obwohl keiner davon zu einem echten Blockbuster wurde. Selbst Ridley Scotts Kreuzritterepos "Königreich der Himmel" schrammte knapp am finanziellen Flop davon. Auch seine etwas eigenwillige Robin-Hood-Variante mit Russel Crowe in der Hauptrolle vermochte 2010 an den Kinokassen nicht zu überzeugen. Ausgerechnet im Fahrwasser dieser Beinahe-Flops versucht Jonathan English mit seinem auf wahren Begebenheiten basierenden Actiondrama "Ironclad" zu reüssieren. Ein ehrgeiziges Unterfangen für einen Regisseur und Produzenten, der bislang nur durch Trash-Movies wie "Minotaurus" in Erscheinung trat.

 

Alte Bekannte aus "Der 13. Krieger" & Co

Neben den überraschend hohen Schauwerten stechen vor allem die Schauspieler sofort ins Auge des Cineasten. Neben Haudegen wie Brian Cox wären dies beispielsweise der ausnahmsweise einen der "Guten" verkörpernde Charles Dance, Kate Mara ("127 Hours") oder Vladimir Kulich ("Der 13. Krieger"). Die Leistungen der Darsteller schwanken zwischen herrlich übertrieben - Paul Giamatti verkörpert einen völlig überdrehten König am Rande des Wahnsinns - und gnadenlos unterfordert (Charles Dance).

 

Trotzdem weiß der zwei Stunden lange Streifen zu unterhalten, obwohl der Plot nicht nur auf Grund der historischen Fakten, auf denen er in groben Zügen beruht, vorhersehbar ist. Eine Gruppe tapferer Männer stellt sich im Kampf für die Freiheit einem abscheulichen Tyrannen. Irgendwo dazwischen findet sich noch Platz für das obligatorische Love Interest (hier: Kate Mara) sowie heldenhaftes Ableben.

 

Dreckiger Realismus in "Ironclad"

Wie seit einigen Jahren üblich, hält auch "Ironclad" Respektabstand vor gediegenen Historienschinken, in denen ein geschöntes Bild des Mittelalters gezeichnet wurde. Nicht nur die Krieger, selbst die Frauen starren oft vor Dreck, allerorts herrschen Elend und Wohnzustände, die sogar einem Ossi unerträglich vorkämen. Für ein Budget von nur 25 Millionen Dollar, was der Gage eines Hollywood-Superstars entspräche, schuf Jonathan English ein ruppiges Schlachtengemälde, das selbst vor überraschend drastischen Effekten nicht zurückschreckt.

 

Auf CGI wurde größtenteils verzichtet, sodass die meisten Szenen realistisch rüberkommen. Über die moderne "Wackelkamera", die mitunter Kopfschmerzen verursacht, muss man geflissentlich hinwegsehen. Sie ist ein Zugeständnis an den Kinostandard der epileptisch herumzuckenden Handkamera.

 

Ganz vorzüglich ist der Soundtrack von Lorne Balfe geraten, der für atmosphärische Stimmung sorgt, ohne - wie es in so vielen ähnlichen Produktionen geschieht -  allzu aufdringlich den Zuschauer zu nerven beginnt.

 

Fazit: "Ironclad" ist kein Blockbusterfilm, sondern solides Actionkino mit sehr guten Darstellern und überraschend hohen Schauwerten. Nicht unbedingt ein Film, den man im Kino gesehen haben muss. Dafür sollte er für einen launigen DVD-Abend zu Hause sorgen.

Originaltitel: "Ironclad"

Regie: Jonathan English

Produktionsland und -jahr: USA, Gb, D 2011

Filmlänge: ca. 121 Minuten

Verleih: Warner Home Video

Deutscher Kinostart: -

FSK: Freigegeben ab 15 Jahren

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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