Die Stadtgründung

Schon die Griechen erkannten die Bedeutung dieser Meerenge, des Bosporus, als Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Wer sie kontrollierte, kontrollierte auch die Seeverbindung vom Mittelmeer ins Schwarze Meer. Schon im 7. Jahrhundert vor Christus gab es eine erste griechische Siedlung auf der asiatischen Seite, doch der thrakische König Byzas gilt als eigentlicher Gründer der Stadt 660 v. Chr. auf der europäischen Seite. Sie erhielt den Namen Byzanz (Byzantion) und der Ort wurde der Legende nach auf den Rat des Orakels von Delphi hin "gegenüber den Blinden" gewählt. Die "Blinden" waren die ersten Siedler auf der asiatischen Seite, da sie die viel günstigere Lage auf dem europäischen Teil offensichtlich nicht erkannten.

In den darauf folgenden Jahrhunderten war die Stadt Spielball verschiedener Mächte, sie wurde kurzzeitig von den Persern erobert und schließlich Mitglied einer griechischen Allianz, dem Attischen Seenbund.

Die Galatabrücke überspannt das ...

Die Galatabrücke überspannt das Goldene Horn (Bild: ozguriks/Pixabay)

Das Römische Reich

Der römische Kaiser Vespasian gliederte sie schließlich in das römische Reich ein. Doch die Stadt kam nicht zur Ruhe, sowohl die Römer im Jahre 196 als auch die Goten im Jahre 258 belagerten und zerstörten Byzanz. Erst unter Kaiser Konstantin wurde die Stadt als Hauptstadt des Römischen Reiches, als "Neues Rom", wieder errichtet und erhielt im Jahre 330 den Namen Konstantinopel. Die Stadt wurde wie das Vorbild auf sieben Hügeln errichtet, sie erhielt ein Kapitol, ein Forum und ein Hippodrom. Nach der Teilung in ein westliches und ein östliches römisches Reich im Jahre 395 konnte sich der Ostteil mit Konstantinopel als Hauptstadt noch weitere 1000 Jahre behaupten, während die Westhälfte kurz nach der Teilung unterging.

Die Stadt erlebte eine Blütezeit, viele Bauwerke, wie zum Beispiel die Hagia Sofia und die noch heute in Teilen erhaltene Stadtmauer, gehen auf diese Zeit zurück. Die Stadt wuchs und mit Ihr die Bevölkerung, im Jahre 600 n.Chr. waren es schon an die 500.000 Menschen. Konstantinopel war eine Weltstadt, auch wenn sie immer wieder von Angriffen, Belagerungen, Pest, Erdbeben und Hungersnöten heimgesucht wurde.

Im 11. Jahrhundert kamen die Venezianer, die damals den Fernhandel dominierten. und erhielten eigene Stadtviertel, kurz darauf gefolgt von den Pisanern und Genuesen. Nach dem Ausbruch von Streitigkeiten und regelrechten Massakern an der venezianischen Bevölkerung durch die byzantinischen Herrscher eroberte ein Kreuzfahrerheer unter venezianischer Führung die Stadt. 1261 wurde die Stadt zurück erobert und das byzantinische Reich wieder hergestellt, allerdings bedeutend kleiner und mit weitaus geringerer Bedeutung als früher.

Die Hagia Sofia, im 6, Jahrhundert ...

Die Hagia Sofia, im 6, Jahrhundert als Kirche erbaut war Moschee unter den Osmanen und ist heute ein Museum (Bild: niekverlaan/Pixabay)

Die Osmanen

Ein kleiner türkischer Stamm begann um 1320 mit der Eroberung einiger Gebiete im Umland von Byzanz, konnte sich aber unter der Führung Osman I. schnell ausbreiten und beherrschte bald große Teile von Anatolien und der Küstenregion. Die Stadt war plötzlich umzingelt von einer neuen Macht, den Osmanen. 1453 schließlich wurde auch Byzanz von Sultan Mehmet II erobert und in Istanbul umbenannt. Über 1000 Jahre oströmisches Reich und Zentrum des Christentums war damit beendet, die Stadt wurde moslemisch und Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Das Osmanische Reich wuchs und damit die Bedeutung ihrer Hauptstadt Istanbul.

Dieser Epoche verdankt sie ei­ne Reihe von Bauwerken. Prunk und Größenwahn der osmanischen Sultane kommt aber am bestem in dem gigantischen Palastkom­plex Topkapi Serail zum Ausdruck. Palast ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für diese Stadt in der Stadt. In drei Höfe gegliedert, der Innerste durfte nur mehr vom Sultan und seinen engsten Vertrauten betreten werden, ist die gesamte Anlage ver­schwenderisch mit Parks, Blumenbeeten, Springbrunnen und kleinen Pavillons ausgestattet. Wertvolle Porzellansammlungen, Reichtü­mer aus den Schatzkam­mern des Sultans, Waffen, kostbare Kleider aus der längst vergangenen Zeit locken tagtäglich tausende von Besuchern an. Der schon immer die Phantasie der Abendländer anregende Harem, damals von bis zu 4000 Frauen bewohnt, bewacht von schwarzen Eunuchen, hat auch heute nichts von seiner Faszina­tion verloren. Nur ein kleiner Teil der 300 Räume des Palastkomplexes können besichtigt werden, doch man gewinnt einen guten Eindruck von der Lebens­weise, dem Glanz und Reichtum der osmanische Sultane, die Herrscher über einen Großteil der damals bekannten Welt waren.

Das Osmanischer Reich war über viele Jahrhunderte eine Weltmacht, die erst der erste Weltkrieg beendete. Es wurde von den Siegermächten aufgeteilt, und Istanbul wurde besetzt. Die Griechen stellten wieder Ansprüche an die Stadt und begannen einem Feldzug.

Die Sultanahmed Moschee, auch ...

Die Sultanahmed Moschee, auch bekannt als blaue Moschee, erbaut 1609 (Bild: nelsondsouza/Pixabay)

Das moderne Istanbul

Mustafa Kemal, der sich später Atatürk, Vater der Türken nannte, erscheint auf der Bildfläche. Er organisierte einen Befreiungskrieg gegen Griechen und alliierte Siegermächte und gründet 1923 die türkische Republik. Istanbul verliert seinen Status als Hauptstadt an das weiter in Anatolien liegende Ankara. Die neugegründete Türkei schafft die arabische Schrift ab und orientiert sich an den westlichen Werten, Idealen und Bildungssystemen.

Obwohl Istanbul nicht die Hauptstadt der Türkei ist, ist sie die größte türkische Stadt mit inzwischen fast 15 Millionen Einwohnern und sowohl wirtschaftliches als auch kulturelles Zentrum der Türkei.

Istanbul ist eine Stadt der Gegensätze. Europa und Asien, Orient und Okzident, Armut und Reichtum, westliche Offenheit und strenggläubige Muslime, all das findet sich in dieser faszinierenden und aufregenden Stadt. Mehr als 10 Millionen Besucher pro Jahr machen Istanbul zur Nummer sechs der meist besuchten Städte weltweit. Touristische Attraktionen wie die Hagia Sofia, die Blaue Moschee, der Bazar oder einfach die spektakuläre Lage am Goldenen Horn suchen Ihresgleichen.

Aber auch Probleme verschonen Istanbul nicht. Der Kurs der aktuellen türkischen Regierung Erdogans, die stark konservativ wieder islamische Werte hochhält, gefällt vielen modernen Türken nicht. Es kommt zu Protesten in der Stadt, die Teils gewaltsam niedergeschlagen werden. Viele Istanbuler sehen sich als Teil Europas doch eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU scheint ferner denn je.

Dazu kommt noch die aktuelle Situation mit dem Bürgerkrieg in Nachbarland Syrien. Millionen von Flüchtlingen verlassen das Land und viele davon kommen in die Türkei. Inzwischen sind sie Teil des Stadtbilds Istanbuls. Sie versuchen, sich einen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen, vielen können aber nur durch Betteln überleben. Die Gegensätze und sozialen Spannungen werden dadurch noch vergrößert.

Die wechselvolle Geschichte Istanbuls kommt auch nach 3000 Jahren scheinbar nicht zur Ruhe.

Der überdeckte Basar in Istanbul gehört zu den größten des Orients (Bild: niekverlaan/Pixabay)

Im Basar von Istanbul finden sich eine Vielzahl von orientalischen Süssigkeiten und Gewürzen (Bild: reveur59/Pixabay)

Fakten:

  • Istanbul ist die einzige Stadt, die sich auf zwei Kontinente erstreckt
  • Istanbul war 2010 Kulturhauptstadt Europas
  • Aufgrund seiner Geschichte zählt Istanbul zum UNESCO Weltkulturerbe
  • Istanbul ist die 11. größte Stadt der Erde
  • Istanbul hat nach London die zweitälteste U-Bahn der Welt aus dem Jahr 1875. Sie heißt Tünel
  • Die Cevahir Shopping Mall in Istanbul ist Europas zweitgrößtes Einkaufszentrum
  • In Istanbul gibt es über 3000 Moscheen
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