Die Herkunft des Täufers

Als Verwandter von Jesus Christus wird Johannes in der Bibel erwähnt. Seine Eltern, Zacharias und Elisabeth, entstammen einem ehrwürdigen Geschlecht. In den Berichten über die Geburt des Johannes gibt es unübersehbare Parallelen zu denen über Jesus.

  • Die bis dahin unfruchtbare und bereits hochbetagte Elisabeth wird unerwartet schwanger.
  • Zacharias, ein Priester, bekommt dies zuvor durch einen Engel mitgeteilt, glaubt es aber zunächst nicht.
  • Ebenso wie bei Jesus wird bei Johannes der Name durch Gott selbst festgelegt.
  • Am Ende der Berichte über die Geburt wird bei beiden Kindern angemerkt, dass sie offenbar unter der besonderen Fürsorge Gottes standen.

Bei Johannes haben diese Geschehnisse noch eine weitere Parallele. Abraham und Sara, die Ureltern des Volkes der Israeliten, hatten das Problem der Unfruchtbarkeit ebenfalls. Auch diese beiden waren hochbetagt und reagierten auf die göttliche Ankündigung eines Nachkommen ungläubig.

Johannes der Täufer: Wirken und Wirkung

Nahezu übergangslos berichtet die Bibel schließlich davon, wie Johannes in der Wüste sein Wirken begann. Er scheint nur ein einziges Thema zu kennen: Ändert euer Leben, verzichtet auf Gewalt und teilt euer Vermögen mit den Armen! Diese so genannte Bußpredigt des Johannes wird von allen vier Evangelien des Neuen Testaments wiedergegeben. Johannes verwendet dabei offenbar harsche Worte. Dennoch hat er zahlreiche Zuhörer aus fast allen Volksschichten. Selbst die geistliche Elite des Landes hörte ihm zu. Erstaunlich daran: Die Menschen kamen zu Johannes. Er musste sie nicht erst in ihren Wohnorten aufsuchen. Warum eigentlich, wo es doch überall Wanderprediger gab und Johannes mit seinen Zuhörern nicht gerade zimperlich umging?

Das Interesse an Johannes hat mit seinem äußerlichen Auftreten, seiner Botschaft und dem Ort seiner Verkündigung zu tun. In diesen drei Punkten ähnelte er dem alttestamentlichen Propheten Elia, welcher als einer der größten Gottesmänner Israels galt. Johannes trug die gleiche Kleidung, predigte Buße und wirkte an einem symbolträchtigen Ort: Das Wüstengebiet am unteren Jordan. Hier hatten einst die Israeliten zur Eroberung des Landes Kanaan angesetzt, und hier soll der Überlieferung nach Elia zum Himmel aufgefahren sein. Kein Wunder also, dass die Menschen Johannes eines Tages direkt fragten: Bist du Elia?

Doch Johannes predigte nicht nur, er taufte auch. Die Taufe wird hier erstmals in der Bibel erwähnt. Vermutlich resultiert sie aus rituellen Waschungen der Juden. Bekehrte sich ein Heide zum Judentum, dann musste er sich dabei ganz untertauchen. Indem Johannes also seine Nachfolger (unter ihnen immerhin auch Theologen) völlig untertauchte, symbolisierte er: Ihr alle braucht völlige Erneuerung. Herkunft und theologisches Wissen nützen gar nichts, wenn es um die geistliche Errettung geht. Vielleicht aus diesem Grund weigerte sich Johannes auch zunächst, seinen Vetter Jesus zu taufen, den er so viel höher als sich selbst achtete.

Leiden und Sterben des Täufers

Mit seiner klaren Botschaft machte sich Johannes natürlich nicht nur Freunde. Gefährlich wurde es für ihn, als seine Kritik den regionalen Herrscher Herodes Antipas traf. Dieser heiratete eine gewisse Herodias, die Frau seines Halbbruders. Dazu trennte sich der Herrscher von seiner ersten Frau, einer nabatäischen Prinzessin. Deren Vater allerdings nahm die Sache ziemlich übel. Ein Krieg drohte (der einige Jahre später tatsächlich ausbrach und zur Niederlage des Herodes führte).

Johannes kritisierte in dieser politisch brisanten Situation offenbar den willkürlichen Ehebruch des Herodes Antipas. Das hätte den Herrscher nicht stören müssen, wäre da nicht die Anhängerschaft des Johannes gewesen. Zu dieser zählten auch Zollbeamte und Soldaten, also die Stützen seiner Regierung. Dem Historiker Josephus zufolge glaubte Herodes Antipas offenbar an eine gegen ihn gerichtete Volksbewegung, was bei einem bevorstehenden Krieg natürlich ganz besonders ungünstig war. Der Herrscher setzte Johannes also in der Festung Machärus gefangen. Um die Volksbewegung ruhig zu halten, ließ er ihn aber zunächst, vermutlich in einer Art Geiselhaft, am Leben (Matth. 14,5). Nach biblischem Bericht genügte dies der von Johannes mit kritisierten Frau Herodias aber offenbar nicht. Sie forderte seinen Kopf und bekam ihn auch.

Johannes der Täufer in der Nachwelt

Vor allem in Südeuropa ist Johannes der Täufer nach wie vor ungeheuer populär, was vielleicht auch am jahrhundertelangen Wirken des Johanniterordens im Mittelmeerraum liegt. Besonders der Tod des Täufers hat die Menschen offenbar immer wieder beeindruckt. Beispielsweise beherbergt der Topkapi-Palast in Istanbul Arm- und Schädelknochen, die von Johannes dem Täufer stammen sollen.

Valletta, die Hauptstadt des einstigen Johanniter- Staates Malta wiederum kann mit einem ergreifenden GemSt. John Co-Cathedral in Vallettaälde aufwarten, welches die Hinrichtung des Johannes darstellt. Eine Co-Kathedrale der Stadt ist zudem nach Johannes benannt (siehe nebenstehendes Bild). Unzählige weitere Skulpturen, Reliquien, Gemälde und andere Kunstwerke auf der ganzen Welt beziehen sich auf den Mann, der einst in zotteliger Kleidung durch die Wüsten des Heiligen Landes zog. Was er wohl heute dazu sagen würde?

Autor seit 5 Jahren
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