Perseus wider die Götter

Unleash the Kraken

Kampf der Titanen (2010) - Cover der DVDEin ganz besonderer Fang geht dem untadeligen Fischer Spyros (Pete Postlethwaite) ins Netz: Eine Truhe, in der sich eine Frauenleiche sowie ein quicklebendiges Baby befinden. Ohne zu zögern nimmt sich der alte Mann des ungewöhnlichen Findelkinds an und behandelt dieses wie seinen leiblichen Sohn. Im Laufe der Jahre wächst das Baby zum stattlichen Perseus (Sam Worthington) heran, der seinem Vater brav zur Hand geht und für die Familie sorgt.

 

Derweil braut sich über der Stadt Argos Unheil zusammen. Deren Einwohner haben genug davon, den Göttern bedingungslos zu gehorchen. Also zerstören sie Tempeln und Statuen, womit sie natürlich den geballten Zorn der Götter, allen voran Zeus, zuziehen. Dieser beschließt, den Bewohnern von Argos eine Lektion zu erteilen und straft sie mit einem Seebeben, dem Perseus' Adoptiveltern zum Opfer fallen.

 

Im Olymp fordert Hades (Ralph Fiennes) seinen Bruder Zeus (Liam Neeson) auf, die Abtrünnigen noch härter zu bestrafen: Zeus möge den schrecklichen Kraken auf die Stadt Argos hetzen! Nur ein Menschenopfer in Form der schönen Andromeda (Alexa Davalos) könnte den Kraken besänftigen.

 

Perseus, der von der göttlichen Racheaktion erfahren hat, denkt gar nicht daran, sich deren Willen zu unterwerfen und sammelt eine kleine Schar Krieger um sich, die ihn bei der Umsetzung eines kühnen Planes unterstützen soll: Das Haupt der grauenhaft entstellten Medusa (Model Natalia Vodianova) könnte den Kraken besiegen. Freilich: Auf dem Weg zu Medusa lauern allerlei Gefahren, ganz zu schweigen davon, dass das Schlangenwesen schier unbesiegbar ist. Zum Glück erhält Perseus Hilfe von unerwarteter Seite: Halbgöttin Io (Gemma Arterton) steht dem Feschak bei – freilich nicht ganz uneigennützig … 

Deutscher Trailer "Kampf der Titanen (2010)"

Kampf der Titanen: Pimp my Fantasy-Remake!

Seelenloses Remake mit Gemma Arterton

Recycling ist in – ganz besonders in Hollywood, wo man mittlerweile vor gar nichts mehr zurückschreckt. Vielmehr verwunderte es, dass es drei Jahrzehnte lang dauerte, bis der Kultklassiker "Kampf der Titanen" von 1981 in einem Remake verwurstet wurde. Trumpften damals noch Stars wie Laurence Olivier oder Burgess Meredith auf, so heißen die Hauptdarsteller im Remake von 2010 Sam Worthington ("Avatar") bzw. Gemma Arterton ("Ein Quantum Trost").

 

Während die Britin Gemma Arterton hübsch anzusehen ist und 2008 mit der Enthüllung verblüffte, dass sie mit sechs Fingern an jeder Hand geboren wurde (Polydaktylie), ist Sam Worthington ein Ausbund an Talent- und Farblosigkeit. Dies stellt er auch in "Kampf der Titanen" eindrucksvoll unter Beweis. Dieser kompletten Fehlbesetzung stehen die schwer vernachlässigten Stars Ralph Fiennes und Liam Neeson gegenüber, wobei sich Neeson auch noch in einem albern glitzernden Disco-Kostüm blamieren muss.

 

"Kampf der Titanen (2010)": Platter Plot

Was dem von Louis Leterriers ("Transporter", "Der unheimliche Hulk") inszenierten Fantasy-Remake am Schlimmsten zusetzt, ist der völlig uninspirierte Plot. Gewiss: Einige der spektakulärsten Elemente des Originals wurden beibehalten und feiern ein Comeback, wie etwa der Krake, die Riesenskorpione und natürlich die grauenhafte Medusa. Doch trotz des gigantischen Aufwands versprühen all diese Ausgeburten morbider Phantasien und, in diesem Fall, leistungsstarker Computer keinerlei Charme.

 

Die vom legendären Trickspezialisten Harry Harryhausen für die 1981er-Version von "Kampf der Titanen" entworfenen Monster flößen ungleich mehr Respekt ein. Seiner Medusa und vor allem dem Kraken haftete etwas surreal Dunkles an, das man im aalglatten Remake schmerzlich vermisst. Da hilft selbst die skurrile Idee wenig, der Medusa das Gesicht von Model Natalia Vodianova zu verpassen.

 

Zwei Stunden lang wird der dünne Plot ausgewalzt, ohne jemals auch nur ansatzweise Spannung zu erzeugen. Stattdessen werden Spezialeffekte noch und nöcher auf die Leinwand geklatscht, die den Zuschauer längst nicht mehr beeindrucken können. Selbst die vielgepriesene 3-D-Technik enttäuscht auf Grund der fehlenden Tiefe völlig. Wenig verwunderlich, wurde "Kampf der Titanen" doch in herkömmlichem 2-D gedreht und erst auf Grund des gigantischen Erfolges von "Avatar" noch rasch auf 3-D getrimmt. Vergebens, wie das dürftige Ergebnis beweist.

 

Glatte MTV-Ästhetik

Den letzten Rest Charme des Originals beseitigt die glatte MTV-Ästhetik zwischen Glitzerwelt und unsäglicher Langeweile. Die wenigen potenziellen Spannungspunkte werden durch die hektische Schnitttechnik entschärft und auf Fernsehniveau zurechtgestutzt.

 

Was nach zwei Stunden bunter Bilderstürme aus dem Computer bleibt, ist die Erkenntnis, dass Tricktechnik eine halbwegs interessante Geschichte, sympathische Charaktere, Spannung und hörenswerte Dialoge nicht ersetzen kann. Darüber täuschen weder die hübsche Gemma Arterton, noch Liam Neeson hinweg. Diese gepimpte MTV-Version von "Kampf der Titanen" ist eine der ganz großen Kinoenttäuschungen des Jahres 2010, und das will durchaus etwas heißen im Jahr von "Resident Evil: Afterlife" …

Originaltitel: "Clash Of The Titans"

Regie: Louis Leterrier

Produktionsland und -jahr: USA 2010

Filmlänge: ca. 117 Minuten

Verleih: Warner

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Deutscher Kinostart: 8.4.2010

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