Cover von Stephen Kings "Kinder des Zorns"Ein sonniger Tag in Gatlin endet für die Erwachsenen höchst unerfreulich: Die Kinder und Jugendlichen der kleinen Stadt haben beschlossen, alle Einwohner über 19 Jahren zu ermorden, da es ihnen der charismatische Kultführer Isaac (John Franklin) befohlen hat. Einige Jahre nach dem Massaker ist das Pärchen Burt (Peter Horton) und Vicky (Linda Hamilton) in Nebraska unterwegs. Ihr Weg führt sie ausgerechnet nahe Gatlin, wo plötzlich ein Junge vor den Wagen läuft, von diesem erfasst und getötet wird.

 

Geschockt packen die beiden den Leichnam in den Kofferraum, um ihn zur Polizei zu bringen und ihre Aussage zu tätigen. In Gatlin finden sie aber keine Erwachsenen mehr vor. Stattdessen begegnen sie den Kindern Job und Sarah, die völlig alleine das Haus ihrer ermordeten Eltern bewohnen. Ehe sie so recht verstehen, was in der verödeten Stadt vor sich geht, wird Vicky entführt, um "Ihm, der hinter den Reihen geht" geopfert zu werden...

Trailer "Kinder des Zorns" - Offizieller US-Trailer - Es gibt Mais, Baby!

Ein King, sie zu knechten

Eine der frühesten Stephen-King-Verfilmungen zählt mittlerweile zu den berüchtigtsten. Die Rede ist natürlich von Fritz Kierschs "Kinder des Zorns" aus dem Jahr 1984, die mittlerweile eine ganze Reihe von Sequels und sogar ein Remake nach sich zog, deren Qualitäten jeweils in überschaubaren Grenzen verblieben. Zumindest der erste Teil erfreut sich eines Kultstatus, wenngleich er seinerzeit gnadenlos verrissen wurde. Nicht ganz zu Unrecht, wie ein kritischer Blick mit abgesetzter Nostalgie-Brille offenbart.

 

Enger an der Vorlage als Rawhead Rex

Denn "Stephen Kings Kinder des Zorns" entpuppt sich als streckenweise enorm langweiliger 1980er-Jahre-Slasher, dessen großartiges Potenzial leider verschenkt wurde. Wie so viele Verfilmungen von Kurzgeschichten leidet auch diese insbesondere an einem spezifischen Problem: Um als Kinofilm durchzugehen, muss die Laufzeit knapp eineinhalb Stunden betragen. Somit verbleibt den Produzenten nur die Wahl, entweder die Vorlage komplett umzukrempeln (wie geschehen bei Cliver Barkers "Rawhead Rex") oder sie mit allerlei Subplots und unnötigen Nebenschauplätzen zu füllen. Fritz Kiersch entschied sich für die zweite Variante.

 

Kenner der 1977 im illustrierten Literaturmagazin "Penthouse" veröffentlichten Kurzgeschichte "Kinder des Zorns" werden viele Namen und einige Handlungsstränge wieder erkennen. Freilich: Die auf Deutsch in der Erzählsammlung "Nachtschicht" enthaltene Story wurde mit fortschreitender Handlung weitgehend verstümmelt auf Zelluloid gebannt. Aus dem bei King heillos zerstrittenen, vor der Scheidung stehenden Ehepaar wird ein frisch verliebtes Pärchen, die im Film mit übersinnlichen Fähigkeiten gesegnete Sarah kommt in der literarischen Vorlage überhaupt nicht vor, ebenso wenig wie Burts Kampf gegen den nicht besonders furchterregenden Maisdämon. Überhaupt erweist sich einmal mehr eine alte Binsenweisheit: Was lediglich angedeutet und umschrieben wird sorgt für weitaus mehr Schrecken, als die unverhohlene Bebilderung dessen, die in den meisten Fällen enttäuscht. Vom düsteren Ende der Vorlage blieb in er Verfilmung so gut wie gar nichts mehr übrig.

 

Hilflose Sarah Connor

Durchaus gelungen sind die auf Grund des knapp bemessenen Budgets verödeten Schauplätze, die sich sehr gut ins zentrale Motiv des abgelegenen Ortes integrieren. Aus diesem Umstand schlagen die Produzenten aber kein Kapital und pumpen die uninspirierte Handlung mit heißer Luft auf, anstatt aus der Not eine Tugend zu machen und die unheimliche Atmosphäre für ihre Zwecke zu nutzen.

 

Interessant ist neben den Stephen-King-Bezügen einzig die Besetzung der Hauptrolle mit Linda Hamilton, die im selben Jahr als Sarah Connor in "Terminator" Berühmtheit erlangen sollte. Von der knallharten Kultfigur in James Camerons Actionmeisterwerken ist Hamilton in "Kinder des Zorns" weit entfernt und muss gemäß der klassischen Rollenverteilung vom männlichen Helden gerettet werden.

 

Fazit: Warum dieser Film einerseits zum Kassenerfolg wurde, andererseits zum Kultfilm avancierte, ist nicht nachvollziehbar. Von Kings grandioser Vorlage blieb kaum etwas übrig, die Tricktechnik ist, gelinde gesagt, nicht ganz auf der Höhe ihrer Zeit und Spannung kommt an keiner Stelle auf. Das größte Mysterium stellt jedoch immer noch die Frage dar, weshalb "Children of the corn" auf Deutsch zu "Kinder des Zorns" geriet.

Originaltitel: "Children of the Corn"

Regie: Fritz Kiersch

Produktionsland und -jahr: USA 1984

Filmlänge: ca. 85 Minuten

Verleih: Koch Media GmbH

Deutscher Kinostart: 26. Mai 1984

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

 

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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