Die römisch-katholische Kirche und ihr Anspruch auf Interpretationshoheit - Kirche und ihr Kampf gegen Homosexualität

Die Lebensweise von Homosexuellen ist der römisch-katholischen Kirche ein Dorn im Auge. Deshalb versucht sie mit allen Mitteln, Schwulen, Lesben und Transgendern ein schlechtes Gewissen einzureden. Die Kirche argumentiert dabei vor allem mit der Bibel, ihrer Morallehre und dem Naturrecht.

Die Bibel und ihre Zeitgebundenheit

Die römisch-katholische Kirche zitiert immer wieder Verse der Bibel, um die Widernatürlichkeit von Homosexualität zu belegen. Allerdings vergisst sie dabei die Tatsache, dass die Bibel in einer bestimmten Zeit und damit im Rahmen bestimmter, gesellschaftlicher Gegebenheiten verfasst wurde, die heute längst überholt sind. Dem Umstand, dass die Texte der Heiligen Schrift von fehlbaren Menschen niedergeschrieben wurden und gesellschaftliche Normen und Werte einem natürlichen Wandel unterliegen und sich verändern, wird keinerlei Beachtung geschenkt. Weder bei der Problematik Geschiedener und Wiederverheirateter, noch beim Thema Homosexualität ist die Kirche bereit, auf die Betroffenen zuzugehen und ihre bisherige Haltung zum Wohl der Menschen zu überdenken.

Gott offenbart sich heute nicht mehr?

Für die römisch-katholische Kirche sind die biblischen Inhalte die verschriftlichte Offenbarung Gottes an den Menschen. Praktischerweise gilt die Offenbarung Gottes nach katholischer Lehre als abgeschlossen, so dass nichts Neues mehr hinzugeschrieben werden kann. Wieder waren es fehlbare Menschen, die sie für vollendet erklärt haben, so dass die Frage erlaubt ist, woher Menschen die Vollmacht nehmen, Gott zu beschneiden und zu bestimmen, ob er sich weiterhin offenbart oder nicht.

Gott offenbart sich in der Liebe!

Lediglich aufgrund veralteter Texte spricht die Kirche homosexuellen Menschen die Fähigkeit zur Liebe ab, weil sie nicht in ihr Weltbild passen. Sie versucht, Homosexuellen ein schlechtes Gewissen einzureden, erklärt sie zu sündigen und "ungeordnet empfindenden" Menschen und verlangt von ihnen ein enthaltsames Leben. In solche einem Verhalten offenbart sich nicht die Größe und Liebe Gottes, sondern vielmehr die Beschränktheit katholischer Eiferer. Gott ist zum Glück größer als der Mensch und die katholische Kirche. Auch wenn es die katholische Kirche nicht wahrhaben möchte, offenbart er sich trotzdem, nämlich in der Liebe, die Menschen füreinander empfinden, und zwar unabhängig davon, ob es sich um heterosexuelle oder homosexuelle Menschen handelt. Wenn man ernst nimmt, dass Gott die Liebe ist und dort zugegen ist, wo Liebe empfunden wird, dann gilt das für alle und nicht nur für eine von der Kirche bestimmte Gruppe.

Mittelalterliche Morallehre der römisch-katholischen Kirche

Wenn es um die Homosexualität geht, beruft sich die katholische Kirche allzu gerne auf die geltende Morallehre. Diese Lehre wiederum gründet auf den Aussagen der Bibel, die aber vor über zwei Jahrtausenden, in ganz bestimmten gesellschaftlichen Kontexten entstand. Seither hat zwar unsere Gesellschaft einen enormen Wandel durchgemacht, Werte haben sich verändert und der Mensch ist sehr viel aufgeklärter als früher. Einzig die Morallehre der Kirche ist stehengeblieben und die Kirchenoberen haben es versäumt, auf die Veränderungen zu reagieren. Ergebnis dieser Verweigerung ist, dass die große Mehrheit der Gesellschaft sich um die Morallehre der Kirche kaum noch schert und sie als vollkommen veraltet und realitätsfern wahrnimmt. Die Wahrnehmung der Kirche als einer überalterten, realitätsfremden und unglaubwürdigen Institution spiegelt sich in der rückläufigen Zahl an vor allem jungen Gemeindemitgliedern, schwindendem Gottesdienstbesuch sowie einer massiv schrumpfenden Zahl von engagierten Christen wider. Viele junge und auch alte Katholiken sind enttäuscht von ihrer Kirche und wünschen sich mehr Offenheit.

Das Naturrecht im Wandel der Zeit

Die Berufung der katholischen Kirche auf das Naturrecht ist heute mehr als problematisch. Zur zeit des Theologen Thomas von Aquin (1224-1274) war es aufgrund der Unwissenheit vieler Menschen einfach, diese zu beeinflussen und ihnen die katholische Kirche als einzig rechtmäßige Hüterin der so genannten höheren Gesetze zu präsentieren bzw. sie zur alleinigen Auslegerin dieser Gesetze zu erheben. Ganz im Stil von Thomas von Aquin ist in der katholischen Kirche auch heute noch die Auffassung zu finden, dass die katholische Kirche die einzig richtige Interpretation der Natur bzw. den Schöpfungsplan Gottes vertritt. Dieses Anrecht hat sie aber durch die Reformation, die Aufklärung sowie die Erkenntnisse der Naturwissenschaften längst eingebüßt. Deshalb kann es nur als Anmaßung empfunden werden, dass sich die katholische Kirche noch immer als die einzig rechtmäßige Interpretin der Welt und der Natur versteht.

Bibel, Morallehre und Naturrecht als Instrumente der Unterdrückung

Keine andere Gruppe innerhalb der katholischen Kirche hat so unter der überholten Morallehre zu leiden, wie die Homosexuellen und Transgender. Die katholische Kirche benutzt die Bibel, die Morallehre und das Naturrecht als Instrumente der Unterdrückung und ihr ist fast jedes Mittel recht, um Homosexuellen zu zeigen, dass sie in der Kirche nicht erwünscht sind. Einem Großteil der Homosexuellen ist es inzwischen egal, was die Kirche sagt, denn sie haben sich von dieser zutiefst homophoben Institution längst innerlich und auch offiziell, d.h. durch ihren Kirchenaustritt verabschiedet. Vielen Schwulen und Lesben ist aber ihr Glaubensleben wichtig. Gleichzeitig erleben sie aber am eigenen Leib mit, wie sie von ihrer Kirche diskriminiert und ausgegrenzt werden. Hier muss die Frage erlaubt sein, wie lange sich diese Betroffenen noch mit Füßen treten lassen wollen und ob es nicht sinnvoller ist, sich aus diesen Strukturen der Unterdrückung zu befreien.

Laden ...
Fehler!