Kleine Dinge, große Wirkung

Der berühmte Lorenz-Schmetterling, der gemäß der Chaostheorie angeblich durch seinen bloßen Flügelschlag am anderen Ende der Welt einen Wirbelsturm auslösen kann, bestätigt das alte Sprichwort: Kleine Dinge – große Wirkung. Auch geringer Einsatz kann sich durchaus lohnen, wenn er an der richtigen Stelle einsetzt bzw. ansetzt.

Barbara Berckhan, Autorin des Buches Schluss mit der Anstrengung!: Ein Reiseführer in die Mühelosigkeit, nennt das den "Knackpunkt" (siehe unten). Gerade in unserer hochkomplizierten Welt sind es oft die kleinsten Dinge, von denen alles andere abhängt.

Nehmen wir als bekanntes Beispiel den Computer. Nur ein winziger Fehler kann den ganzen Prozess lahmlegen – wir haben es vermutlich alle schon mehr als einmal erlebt.

Mit "Kinderschritten" zum Ziel

Kleine Veränderungen können also oft sehr viel bewirken. Wer mit kleinen Schritten auf sein Ziel zugeht, der kommt auch irgendwann dort an. Zugegeben, es mag etwas länger dauern, doch überhaupt anzukommen ist allemal besser als in der Mitte des Weges schlappzumachen, so wie es häufig auch mit Neujahrsvorsätzen geschieht.

Die Strategie der "kleinen Schritte", oft auch als "baby steps" bezeichnet, ist eigentlich unsere natürlichste Art zu lernen. So haben wir auch als Kleinkinder das Sprechen oder das Laufen gelernt – Schritt für Schritt.

Und vor dem Laufen kam erst einmal das Krabbeln: Wir haben also ganz klein angefangen und uns langsam, aber unermüdlich "nach oben gearbeitet". Schritt für Schritt.

Wo ist der Knackpunkt?

Oft sind es wirklich nur Kleinigkeiten, die geändert werden müssen, um das "Erfolgsrad" in Gang zu setzen. Wie beim Domino-Effekt muss häufig nur ein einziger Stein angestoßen werden, um eine Ereigniskette auszulösen. Verändern wir diese Kleinigkeit, ergeben sich die oft so komplizierten Einzelheiten plötzlich ganz von selbst ein.

Seminarleiterin und Autorin Barbara Berckhan rät, genau diesen "Knackpunkt" zu suchen: "Finden Sie bei großen Aufgaben heraus, worauf es im Kern ankommt. Gehen Sie bei Ihrer Planung von diesem Kern aus. (…) Fragen Sie sich: Was ist hier der entscheidende Punkt, der mir Zeit, Kosten und Mühe spart?"

Steter Tropfen höhlt den Stein

Auch wenn es darum geht, mit alten Gewohnheiten zu brechen, ist es klug, das alte Sprichwort zu beherzigen: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Selbst eine winzige Veränderung, die konsequent und beharrlich durchgeführt wird, kann zum "Dominosteinchen" werden, das die Erfolgslawine auslöst. Besonders hilfreich ist, diese kleinen Erfolge zu registrieren – am besten schriftlich. Ein Erfolgstagebuch tut hier gute Dienste.

Selbst kleine Erfolge stärken unser Vertrauen in uns selbst und unsere Leistungsfähigkeit. Je mehr kleine Erfolge wir verbuchen können, desto eher wagen wir uns auch an größere Herausforderungen heran.

Dabei überzeugen wir einen ganz besonders hartnäckigen Teil von uns - unser Unterbewusstsein. Selbst kleine Fortschritte signalisieren: Erfolg. So beginnt das Unterbewusstsein sich langsam, aber stetig, auch in anderen Gebieten immer mehr auf Erfolg auszurichten.

Die bekannte amerikanische Autorin Julia Cameron empfiehlt die Technik der "Kinderschritte" speziell Menschen, die unter Kreativitätsblockaden leiden: "Ob Sie nun an ein Theaterstück, an Klavierstunden, einen Jobwechsel oder einen Roman, an ein Fernsehspiel oder an eine Karriere als Bildhauerin denken: Kinderschritte sind das Mittel der Wahl. Mit ihnen kommen Sie weiter, als Sie es sich je hätten träumen lassen."

Bitte tiefstapeln!

Es gibt Situationen, da erscheint einem auch der kleinste Schritt noch viel zu groß. Selbst bei Vorhaben, die wenig Energie und Mühe erfordern, sabotieren wir uns selbst. Hier hilft oft nur eines: Nach einem kleinen, einem winzigen Anknüpfungspunkt suchen.

Barbara Sher, die u.a. mit ihrem Buch Wishcraft unzähligen Menschen dabei geholfen hat, ihre Ziele zu verwirklichen, nennt das die "smallest unit" ("kleinste Einheit"). Die "kleinste Einheit", so die Autorin, ist der erste winzige Schritt, den wir gehen können, ohne dass sich unser Widerstand meldet und unser Vorhaben zum Scheitern bringt.

Vielleicht liegt unsere "kleinste Einheit" ja darin, die Nummer der Person zu notieren, die wir anrufen möchten. Oder sie liegt darin, unsere Zeichenutensilien bereit zu legen. Die Joggingschuhe zu putzen. Unser Ziel zu notieren. Einfach nur über ein Vorhaben nachzudenken, selbst das kann eine "kleinste Einheit" sein.

Die Schlüsselfrage lautet nicht: "Was muss ich schaffen?" sondern: "Was kann ich schaffen? Wozu fühle ich mich momentan bereit?"

Tipp

Wer sich gar nicht aufraffen kann, etwas für seine Vorsätze bzw. Ziele zu tun, der kann es mit dieser Strategie probieren: Sich ganz bewusst unterfordern.

Ja, richtig gehört! Sich einen kleinen Schritt vornehmen, der so harmlos, so einfach ist, dass man ihn ganz leicht ausführen kann.

Normalerweise geschieht dann folgendes: Bewältigt man eine "Herausforderung" spielend leicht, stärkt uns dieses kleine Erfolgserlebnis nicht nur, sondern weckt auch unseren Ehrgeiz – "Das kann ich besser! Da setze ich noch eins drauf."

Mein persönlicher Lesetipp:

Kaizen, so nennen die Japaner das Prinzip der kleinen Schritte. Robert Maurer beschreibt diese Strategie auf besonders anschauliche, gut verständliche und praktische Weise. Sein Ratgeber ist absolut empfehlenswert für jeden, der mit weniger Kampf und Anstrengung endlich mehr Erfolg haben möchte. 

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