Die Anfänge der Zeitmessung

Aus der Beobachtung des nächtlichen Himmels konstruierte man eine Aufteilung in 16, später 12 Abschnitte der Nacht. Das wurde auf den Tag übertragen und auch der Tag in 12 Abschnitte eingeteilt. Mit Tag und Stunde war es dann auch nicht mehr weit zu Monat und Jahr. Das Ganze wurde Grundlage für die ersten Kalender.

Die Ägypter beschäftigten sich seit dem 5. vorchristlichen Jahrtausend mit Kalendern und Zeitrechnung. Die Maya hatten eine Zeitrechnung, die mit dem 11. August 3114 v. Chr. begann. Vom chinesischen Kaiser Huangdi heisst es, er habe den chinesischen Kalender 2637 v. Chr. erfunden. Auch Sumerer und in ihrem Gefolge die Babylonier starteten um diese Zeit die Entwicklung ihrer Kalendarien.

Aus dem Beobachten zeitlicher Abläufe konnten allmählich immer genauere Vorhersagen getroffen werden. Die waren für Aussaat und Ernte von grosser Bedeutung.

Von der Sonnenuhr bis zum "Nürnberger Ei

Die Sonnenuhren wurden ergänzt durch Wasseruhren, die den Vorteil hatten, dass sie auch dann funktionierten, wenn die Sonne nicht schien. Uhren übten eine grosse Faszination auf geschickte Handwerker aus, die über die Jahrhunderte ihre Fertigkeiten und ihren Witz an ihnen abarbeiteten. Es gab Obelisken, die als Sonnenuhren dienten und Sonnenuhren, die man auf die Reise mitnehmen konnte.

Ein gewisser Andronikos aus Kyrrhos erbaute in Athen einen "Turm der Winde", der mehrere Sonnenuhren an den Aussenwänden aufwies und eine Wasseruhr im Inneren. 

Uhren waren beliebte Geschenke zwischen den Promis der Welt. Harun al Raschid verehrte Karl dem Grossen eine Wasseruhr aus Messing. In der fielen alle volle Stunde Kügelchen in ein Becken und erzeugten einen wunderschönen Klang. Zugleich öffneten sich zwölf Fenster, aus denen Reiter hervortraten. 

Sanduhren kamen in Mode. Kerzenuhren. Räderuhren. Turmuhren.

In Köln gab es seit dem 13. Jahrhundert eine Urlugingasse, eine Strasse der Uhrmacher. 

In Nürnberg wurden im 15. Jahrhundert Taschenuhren entwickelt, sogenannte "Aeurlin", die verballhornt zum "Nürnberger Ei" eine gewisse Berühmtheit erlangten.

Die Zeitmessung wird auf die Spitze getrieben

Kugellaufuhren wurden patentiert. Galilei entwickelte eine Pendeluhr. Die tragbaren Uhren wurden mit einer Weckfunktion versehen. Wanduhren gehörten bald zum Standardinventar des bürgerlichen Haushaltes. Die Repetitionsuhr wurde patentiert. 

Kuckucksuhren tauchten auf. Schiffsuhren. Die Armbanduhr. Das Tourbillon, das die Ganggenauigkeit durch die Schwerkraft verbesserte.

1815 gelang es dem Breslauer Heinrich Klingert, die erste elektrische Uhr zum Laufen zu bringen. Ende des 19. Jahrhunderts war die Uhrenfertigung soweit fortgeschritten, dass die Gebrüder Ingersoll Uhren für 1 Dollar anboten, von denen sie pro Jahr 1 Million Stück verkauften.

Die Uhren wurden automatisch. Quarzuhren trieben die Genauigkeit auf die Spitze. Die Uhren wurden wasserdicht.

Das Nonplusultra der Zeitmessung was schliesslich die Atomuhr. Eine in Boulder gebaute optische Atomuhr erreichte im August 2013 eine Präzision von 9 x 10 hoch minus 18. Ein Rekord, der nur noch den Fachleuten etwas sagt. Erreicht wurde er mittels spinpolarisierten Strontium 87-Atomen, die man in einem Gitter aus Laserlicht gefangen hatte. Die Menschheit kann ihre Uhren nun per Funk mit Atomuhren in aller Welt synchronisieren. Computer und mobile Geräte machen das inzwischen selbständig.

Theoretisch verfügt damit jeder über die gleiche Zeit. Wären da nicht die Zeitzonen. Die lassen die schöne Theorie wieder ergrauen.

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