Die sechziger Jahre

DM-Zeiten (Bild: jill111 / Pixabay)

Gelegentlich fallen mir die Kirchenbesuche meiner Familie am Morgen der Sonntage ein. Bevor es losging verstauten alle ihre als Spende bestimmten Geldstücke sorgfältig in den Hosentaschen. Aus guten Gründen gab das Familienoberhaupt 1 DM, die Kinder je 10 Pfennig. Wir waren arm und das musste genügen. In Wirklichkeit sei die Kirche reich, sagte mein Vater. Das wusste er von seinem Vater, dieser las es wahrscheinlich in jungen Jahren in der Zeitung. Uns Kindern war es recht. Zu besonderen Anlässen gaben wir ohnehin mehr als 10 Pfennig und hofften dadurch ein Kind vor dem Hungertod zu retten.

 

Euro-Zeiten

Jetzt - in modernen Zeiten - wird das Spenden von kleinen Beträgen von der Kirchenleitung nicht gern gesehen. Genervte Geber greifen deshalb schon einmal auf kleine Tricks zurück. Sie lassen Spielgeld, Hunde-Trockenfutter oder Büroklammern im Sammel-Behälter zurück. Doch die Zukunft hält Besseres bereit. In den USA und Schweden macht der elektronische Klingelbeutel bereits Karriere. Dort wird die Kirchen-Kollekte per Kreditkarte oder Lesegerät vorgenommen. Eine Transaktionsgebühr ist zusätzlich fällig. Ersatz-Almosen akzeptiert der Automat nicht. Schlechte Zeiten für uns Drückeberger und den Klingelbeutel. Wird er überleben?

Könige und Kommerz

Immerhin blickt er auf eine lange Geschichte zurück. Ihn gab es bereits zur Zeit des Tauschhandels. Erste schriftliche Belege finden wir im Alten Testament im 2. Buch der Könige, Vers 12,7-12. Dort erfahren wir vom aktuell regierenden König Joas. Er war sehr betrübt, denn bisher hatten alle Priester seine Anweisungen nicht befolgt. Sie verwendeten de Spenden der Gläubigen nicht für den Aufbau des maroden Tempels in Jerusalem. Sie verbrauchten die Gaben für ihren eigenen Lebensunterhalt. Der Priester Jojoda half dem König. Eine Kiste mit Einwurf-Loch für Opfergaben direkt neben dem Tempel war die entscheidende Idee. Das Vorhaben gelang. Die Gläubigen spendeten reichlich. Alle Einnahmen flossen jetzt in den Aufbau des Gotteshauses . Eine gelungene Zusammenarbeit aus vorchristlicher Zeit.

Am besten mit Humor

Wie bei anderen Gegenständen des Alltags- und Kulturlebens gibt es über den Klingelbeutel gute Witze. Lachen ist zum Schluss erlaubt.

Die Hunds-Taufe

Ein Mann geht zum Pfarrer und will seinen Hund taufen lassen.

Pfarrer: "Das ist unmöglich!"

Mann: "Der Hund ist wie ein Familienmitglied, und ich lege auch 10.000 Euro in den Klingelbeutel."

Pfarrer: "Na gut, aber nur wenn sie es für sich behalten."

Der Hund wird getauft, aber der Mann muss es natürlich jedem erzählen - so erfährt es auch der Bischof.

Der lässt den Pfarrer kommen: "Ja, sind Sie denn wahnsinnig, einen Hund zu taufen?"

Pfarrer: "Der Mann hat 10.000 Euro in den Klingelbeutel getan."

Sagt der Bischof: "Und wann ist die Firmung?"

(Quelle: http://www.kreudenstein-online.de/Helauluja/Helauluja.htm)

 

 

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