Offener Brief vom 16.03.2014

Offener Brief an Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz
Bezugnehmend auf den Hirtenbrief zu Aschermittwoch 2014

Lieber Kardinal Lehmann, Bruder im Herrn Jesus Christus,

durch die Barmherzigkeit Gottes bist du zum Sprecher der Gläubigen erwählt. Auf dein Hirtenwort hört die gottesfürchtige Gemeinde. Dir ist der Schlüssel anvertraut, das Tor Seiner
Kirche zu öffnen.

Mich armen Sünder hat unser Bruder und Herr, Jesus Christus, durch die Wüste geführt. Er liebt die Verirrten, die Gedemütigten und treuen Menschen. Er hat mich gedrängt, Dir zu schreiben, Bruder Karl.

Der Weg zu Christus führt jeden Menschen zu sich selbst, da sind Irrwege durchaus normal. Gerade in einer Zeit, in der die Liebe durch Besitztumsdenken geprägt ist, muss der Richter, der selbst nicht frei ist von Schuld Gnade walten lassen. Was aber tut die katholische Kirche?
Sie urteilt über Schuld, verliert sich in Definitionen über den Ehebruch. Wäre es nicht ihre Pflicht, das Buss-Sakrament wieder achten zu lernen? Stattdessen verwaisen Beichtstühle mehr und mehr.
Die Glaubwürdigkeit verliert eine Gemeinschaft, wenn sie ihre eigenen Gesetze unterwandert. Dem in der Hierarchie ranghöheren Angestellten gestattet sie eine Eheannulierung aus niederen Beweggründen, den einfachen Arbeiter nötigt sie zur Eheschliessung. Oder sie entlässt Menschen, deren erster Liebesweg in der Sackgasse endet.

Hat Jesus Christus nicht öfter als fünfmal auf die Fehlbarkeit des Menschen hingewiesen? Und hat Er nicht Wege aufgezeigt, wie damit umzugehen ist? "Wer Ohren hat, der höre"

"Im Anfang war das Wort, und das Wort ist Fleisch geworden"
Die Liebe entsteht durch das Wort. Dankenswerterweise hat Papst Franziskus hier ein Zeichen gesetzt mit seiner Befragung. Er reicht die Hand, warum fällt es den Bischöfen so schwer, dies weiterzutragen? Ein gewisser Widerwillen in der Umsetzung der Bestandsaufnahme christlicher Werte in den Gemeinden ist deutlich erkennbar.

Unser Bruder und Herr, Jesus Christus verwandelt Wasser zu Wein, wie bei der Hochzeit zu Kanaan. Er segnet die Verbindung von Mann und Frau, durch ihn entsteht ein Leib. Sein Segen erweckt Leben, Er schafft die Spannung, öffnet Augen und Ohren. Nur mit Ihm lebt die wahre Liebe, die aus sich selbst genährt ist. Dies zu vermitteln ist die Aufgabe der Jünger Jesu, nicht das Urteilen.

Leben im Sinne Jesu Christi ist doch bewusstes Wahrnehmen – der Umwelt, der eigenen Gedanken und deren Gefühle. Der Zugang zum Leben kann nur erfolgen, wenn wir den Gedanken und Gefühlen nicht nachgeben. Es reicht, sie wahrzunehmen und sich dann ganz der Liebe zuzuwenden. Dieser tiefe Frieden in allen Geschöpfen, er ist es, der Christus in uns leben lässt.

Darum ist es nicht der Groll mancher Handlungsweise, die mich heute diesen Brief schreiben lässt. Längst verziehen sind die Verwundungen, die meine Familie durch das Bistum Mainz ertragen müssen. Doch Du selbst, Bruder Karl, hast in Deinem Hirtenbrief ein Zitat aus Dives in misericordia von Papst Johannes Paul II. angeführt. Die Barmherzigkeit Gottes hat den Schmerz der Wunden genommen, die das Bistum Mainz meiner Familie und mir zugefügt hat.

Nicht die Erpressung des Ehesakramentes hat meine Frau und mich verzweifeln lassen. Auch die Gier der Benediktinerinnen nicht. Gewankt hat unsere Familie erst mit der Klage gegen unsere unschuldigen Kinder durch eine Einrichtung des Bistums. Dem Geist Gottes danke ich für die Führung. Er lässt uns den Judaslohn ohne Zorn abführen, gibt uns die Kraft zum Kämpfen für die Herrlichkeit des Herrn. Wenn die Stigmata heute leuchten von einem hohen Berg, dann ist es die Liebe zu den Menschen und Warnung vor den Pharisäern, die sich im Namen Jesu Christi sonnen.

All die Kraft, die in mir wirkt, drängt mich zur Warnung. Kehrt um!
Seht das aufkommende Unheil und kümmert euch nicht um Recht und Unrecht. Denn sie sind Werkzeuge des Todes.

Seht euer Sakrament der Niederlage und nehmt es an.

Baut Schulgärten und gebt den Kindern Nahrung. Sie werden es sein, die euch vor der Hungersnot retten!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen.

@Pontifex @BistumMainz
bischof.lehmann@bistum-mainz.de

Autor seit 6 Jahren
28 Seiten
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