Verzicht kann auch Gewinn sein (Bild: © penywise - morgueFile)

Auf was könnt ihr verzichten?

Inspiriert ist diese Frage von Leo Babauta, dem "Guru des einfachen Lebens" wie ich ihn nenne bzw. "minimalist blogger" wie er sich selbst nennt.

Ich stimme Leo Babauta zwar nicht in allem zu, lese seine Beiträge aber immer wieder gerne und wurde schon oft von seinen Ideen inspiriert.

Leos Ziel ist es nicht nur sein Leben zu vereinfachen, er strebt das "Minimale" an - wobei schon diese Formulierung, "Leos Ziel", eigentlich falsch ist - denn Leo setzt sich keine Ziele mehr. Ohne Ziele lebt es sich nämlich einfacher, sagt er. Auch hier ist er ganz konsequent Minimalist.

Vor ein paar Wochen erst stellte Leo in seinem Blog eben diese Frage:

"Can you live without?"

Auf was könnt ihr verzichten?

Auf was wollt ihr überhaupt verzichten?

Könntet ihr leben ohne...

  • Kabelfernsehen?

  • Handy?

  • Internet-Verbindung?

  • Eine Couch?

  • Mehr als ein Paar Schuhe?

  • Mehr als ein paar Shirts oder Hosen?

  • Eine Mikrowelle?

  • Ein Auto?

  • Süßigkeiten?

  • Mehr als ein paar Bücher (zur gleichen Zeit)?

  • Makeup?

  • Haare?

  • Erinnerungsstücke?

(Als Blogger verzichtet Leo übrigens noch auf andere Dinge: Das Copyright für seine Texte. Bilder, Werbung und Kommentare in seinen beiden Blogs. Nicht vollständig, aber zum großen Teil verzichtet er auf Social Media und E-Mail-Kommunikation.)

Verzicht kann tatsächlich bereichernd sein

  • Im Deutschen hat das Wort "Verzicht" eher einen negativen Beigeschmack. Es bedeutet "aufgeben" = "weniger haben". Oft wird es als "verzichten müssen" gebraucht: Ich hätte gerne mehr, habe ich aber nicht.

  • Aber: Dinge aufgeben kann nicht nur ärmer, sondern auch reicher machen.

  • Es gibt sogar kaum einen Verzicht, der nicht gleichzeitig auch irgendeine Bereicherung darstellt: Meistens gewinnt man etwas anderes dazu, auch wenn es "nur" Freiheit, mehr Flexibilität oder Zeit ist.

  • Erstaunlich ist, dass manchmal sogar der erzwungene Verzicht bereichern kann.

  • Denn was Verzicht auch bewirkt: Er schärft unseren Fokus für das, was wesentlich ist. Das wirklich Wichtige - das, worauf es (uns) ankommt.

  • Und umgekehrt: Wer gewinnt, verzichtet oft automatisch. Auch wer sich Träume erfüllt oder Ziele erreicht, muss in der Regel dafür auf irgend etwas verzichten. Vielleicht Zeit, vielleicht Geld, Freiheit, den Status Quo, Sicherheit, Flexibilität,...

  • Verzicht bedeutet vor allem auch Mut: Mut, den eigenen Weg zu gehen - egal, was die anderen tun oder haben oder denken.

  • Müssen wir automatisch alle Dinge haben, die "jeder andere" hat: ein Auto? ein festes Einkommen? ein Handy? einen Fernseher? Kleidung einer bestimmten Marke? ein Facebook-Profil?... Sind wir sicher, dass wir das selbst auch wirklich wollen?

Verzicht kann glücklicher machen

Auch Matthieu Ricard, buddhistischer Mönch, promovierter Molekularbiologe, Fotograf und Schriftsteller schreibt in seinem sehr empfehlenswerten Buch "Glück", dass die "Vereinfachung seines Lebens bis auf den wesentlichen Kern" eine der bereicherndsten Erfahrungen gewesen sei, die er gemacht habe:

"Es geht nicht darum, etwas aufzugeben, was wirklich wohltuend ist. Es geht darum, herauszufinden, was wirklich zählt."

Für Matthieu Ricard sind seine Besitztümer nur Hilfsmittel. Ohne Laptop, so Matthieu Ricard, würde er vielleicht nicht mehr schreiben. Ohne Kamera keine Fotografien mehr machen:

"... aber die Qualität auch nur eines einzigen Augenblicks in meinem Leben würde dadurch in keiner Weise beeinträchtigt." ("Glück", S. 372)

Matthieu Ricard rät, sich immer wieder diese sehr einfache, doch wichtige Frage zu stellen:

"Wird mich das wirklich glücklicher machen?"

Verzichten, loslassen und entrümpeln

Für viele Menschen ist das Loslassen von altem Ballast, das sogenannte Entrümpeln, ein sehr befreiender und sogar heilsamer Prozess: Man fühlt sich seelisch und körperlich besser, gewinnt neue Freiheit und auch neue Möglichkeiten.

In der Zeitschrift "Natur & Heilen" vom Januar 2005 beschreibt Autorin Christina Lütgen wie man durch Entrümpeln auf sanfte Weise zu sich selbst finden kann:

Sie erzählt die beeindruckende Geschichte einer Frau, die angefangen mit dem "Ausmisten" ihres Kleiderschrankes nach und nach ihr ganzes Leben umkrempeln konnte. Denn, so die Autorin: Entrümpeln entfaltet eine Eigendynamik, die sich auch auf andere Lebensbereiche ausdehnt.

Mehr Lesestoff zum Thema "Minimalismus" ("minimalism")

Noch vor ein paar Wochen hatte ich mehrere "minimalist blogger" in meinem Blog-Reader gespeichert, aber auch ich bin inzwischen bei der Auswahl meiner täglichen Blog-Lektüre etwas "minimalistischer" geworden.:)

  • Beibehalten habe ich Leo Babautas Blogs Zen Habits und mnmlist, die ich beide sehr bereichernd finde. Von Leo habe ich schon viele praktische Tipps und Anregungen "mitgenommen", speziell in Bezug auf meine Arbeitsgewohnheiten, Organisation oder "online habits".

Nicht mehr regelmäßig, aber hin und wieder lese ich auch noch bei:

  • Tammy Strobl von Rowdy Kittens: Sie schreibt über "social change through simple living" und ist gerade gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten dabei, sich ein winzigkleines Haus zu bauen.
  • Miss Minimalists Motto: "living a beautiful life with less stuff". Miss Minimalist, Francine Jay, hat ein Buch zum Thema "simple living" verfasst und gibt Anregungen für jeden Lebensbereich. Mir haben hier besonders die Empfehlungen in und vor allem auch die zahlreichen Leser-Kommentare zu ihren Beiträgen über eine "minimalistische Garderobe" gut gefallen.
  • Dawn Michelle steht hinter Minimalist Beauty und schreibt zum Thema "simple organic beauty with style". Auch hier findet ihr richtig gute Anregungen, z.B. Tipps für eine klassisch-elegante Garderobe oder Anleitungen wie ihr einfache natürliche Kosmetikprodukte selbst herstellen könnt.
  • Rachel Jonat ist The Minimalist Mom und schreibt darüber wie man auch mit Familie bzw. Kind ein einfaches Leben führen kann: "a rich life with less stuff".

Ich kenne das Thema "minimalism" vor allem aus den USA/Großbritannien, deshalb sind hier auch nur englischsprachige Blogs aufgeführt.

Ist die "Minimalisten"-Bewegung schon in Deutschland angekommen – wird sie noch ankommen? Ich weiß es nicht. Was meint ihr?

Sandras sehr empfehlenswerten Blog ganz ich selbst habe ich gerade erst entdeckt:

Freuberufler sein! - Sandra möchte Menschen dabei unterstützen "zu erkunden, wie sie ihr Leben wirklich leben wollen" und hilft ihren Lesern dabei, diesen Traum auch tatkräftig im Alltag umzusetzen.

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