(Bild: Kolomanistein in Eisgarn copyright by Brigitte77)

Das Waldviertel ist eine wahrhaft mystische Gegend in Österreich. Es liegt im Bundesland Niederösterreich hoch oben im Norden. Während des kalten Krieges war es zur tschechischen Grenze hin schwer befestigt. Das Klima gilt als rau und die Menschen werden oft als verschlossen empfunden. Doch schon über einige Jahrzehnte hinweg hat sich das Gebiet zu einer recht lebendigen Ecke entwickelt. Durchaus innovative Betriebe wurden gegründet. Zudem siedelten sich viele Künstler an, die von der mystischen Landschaft (und auch den günstigen Häuserpreisen) angezogen wurden. Viel wurde in den letzten Jahren über Kulte und "vergessenes" Kräuter- und Pflanzenwissen geforscht. Als Ausflugsziel ist die Gegend bei Esoterikern und Mystik-Fans sehr beliebt. 

Es gibt zahlreiche Restlinge in der Gegend, denen man besondere energetische Eigenschaften nachsagt. Wünschlrutengeher, Erforscher der sogenannten Geomantie und aber auch Archäologen spürten in den vergangen Jahren den Geheimnissen dieser Plätze nach. Tatsächlich ist der Besuch dieser Orte ein Erlebnis.

Toll ist beispielsweise der Kolomanistein nahe Eisgarn. Eine fast zwei Meter hohe Granitsteinformation tut sich da weithin sichtbar auf. Man vermutet, dass es sich dabei um eine heidnische Kultstätte handelte. Denn auf der Formation, die über heute über eine Steintreppe erreichbar ist, liegt ein großer ausgeformter Schalenstein. Sieht man genau hin, kann man sogar noch eine Rinne erkennen. Manche nehmen an, dass es sich dabei um eine "Blutrinne" handelt, wo das Blut von Opfertieren abfloss.

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Wie auch immer. Bis heute ist der Stein immer mit Wasser gefüllt. Das ist erstaunlich, denn es gibt keinen natürlichen Zufluss von Wasser von einem Bach o.ä.. Egal ob bei Trockenheit oder feuchtem Wetter: Die Schale trocknet nicht aus. Der offensichtlich in grauer Vorzeit von Menschen bearbeitete Schalenstein ist nie leer. Die Katholiken räumten allerdings gründlich mit den alten Kulten auf. So errichtete ein Probst des naheliegenden Klosters direkt auf der Schale eine Heiligenstatue (fast eine kleine Kapelle), welche die Steinschale fast gänzlich verdeckt. Gewidmet wurde der Stein dem Heiligen Koloman. Man sagt er sei ein irischer Königssohn gewesen und hätte auf einem Pilgerzug nach Jerusalem das Waldviertel bereist. In der Eisgarner Steinschale hätte er Rast gemacht und seine Füße gewaschen. Auf seinem weiteren Weg wurde er allerdings für einen Spion gehalten und 1012 hingerichtet. Als sein Leichnam nach geraumer Zeit noch immer nicht verwest war, wurde er schließlich heilig gesprochen, zumal sich auch einige "Wunder" ereignet hätten. Das führte schließlich zu seiner Überführung von Stockerau nach Melk, ein Gebiet das damals den Babenbergern unterstellt war. In Melk gibt es ein wunderschönes Benedektinerkloster.

Nach den "Wundern" etablierte sich in dem Gebiet ein Kolomani-Kult. Doch zurück zu Eisgarn. Bis heute gibt es in der Waldviertler Bevölkerung die Legende, dass Frauen die sich zu Vollmond das Gesicht dort waschen zu Schönheit gelangen. Auch wird dem Wasser Heilkraft nachgesagt. Und wer sich einen Mann wünscht, sagt: "Heiliger Koloman, bitte schick mir einen guten Mann". (Wenn das so einfach wäre, verlören heute viele Partnerbörsen ihr Geschäft ;-) - Wie auch immer, ein Besuch der Stätte lohnt. Tagsüber wird man mit einem tollen Ausblick über die Felder und Wälder belohnt und man sieht direkt auf die Marienkirche in Eisgarn.

Der Fotograf Robert Bouchal und die Autorin Gabriele Lukacs haben in dem wunderschönen Bildband "Kraftorte im Waldviertel: Energieplätze – Landschaftstempel – Heilige Bezirke" über dreißig Kraftorte im Waldviertel genau beschrieben und die Legenden und energetischen Besonderheiten ausgelotet. Die geprüfte Fremden- und Wanderführerin kennt sich auch in den Gefilden der Esoterik aus. Sie beschreibt Energien bestimmter Plätze in sogenannten Bovis-Einheiten. Ob man nun daran glaubt oder nicht, manche Orte scheinen eine besondere Schwingung zu haben oder eine besondere Kraft. Auch wenn man das mit naturwissenschaftlichen Methoden heute nicht nachweisen kann, gehen viele Menschen davon aus, dass es solche besonderen Orte gibt. Auch Kirchen wurden früher auf "heidnischen Kultplätzen" gebaut und haben häufig ganz spezifische Ausrichtungen. Aberglaube oder nicht, wer mag das endgültig entscheiden. Was Lukacs speziell an Eisgarn auffiel, ist, dass sich eine sogenannte Leyline (Kraftline) schnurgerade und direkt von Kolomanistein in Eisgarn bis nach Stift Melk ziehen lässt. Und die anderen Kraftorte ließen sich auf ein Pentagramm (ein altes Schutzsymbol) reihen und in ein Fünfeck (platonischer Körper) spannen. - Ein wirklich faszinierendes Buch für alle Natur- und Energie-Fans!

Weitere Kraftplätze in der Nähe:

 

  • Die fünf Brüder (nur wenige hundert Meter vom Kolomanistein entfernt: eine Steingruppe aus fünf großen Monolithen. Auch hier sind vor allem weibliche Kulte überliefert. Auch scheint sich ein "Gebärstein" darunter zu finden)

  • Tumulus, Dolmen, "Grafenhäusl" (in Schrems, etwa 30 Autominuten von Eisgarn entfernt)

  • Große Basilika - Eine Art Stonehenge der Neuzeit: Steinreihen aus 97 Waldviertler Granit-Restlingen, gestaltet von dem Waldviertler Steinkünstler Franz Xaver Ölzant (in Waidhofen an der Thaya, etwa 35 Autominuten von Eisgarn entfernt)

 

(Ende)

 

 

 

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