Über der Donau – in der Wachau
In der Nähe von Spitz

In der Nähe von Spitz (Bild: © sämtliche Fotos: johannes flörsch)

Wachau: überschaubar, aber weltberühmt

Die Wachau galt lange Zeit als etwas verarmter Landstrich. Das mag vielleicht noch immer einer Wirklichkeit entsprechen (außer der Weinwirtschaft ist hier wenig Wohlstand zu erkennen), vor Ort aber hat man es längst mitbekommen, dass die Menschen gerne hierher kommen. Diese Situation wird nachdrücklich genutzt. Nicht immer zum Vorteil des Gastes.

Vor nicht wenigen Jahren noch bekam der Gast in den Buschenschanken sein Achtel Wein für unter einem Euro. Heute lassen sich die Wachauer ihr Produkt gut bezahlen, und der herbeigeeilte Tourist schluckt (Wein und Preis) und dünkt sich noch immer inmitten eines Geheimnisses. Doch diese Zeiten sind vorüber.

Tief, sehr tief gräbt er sich in die Erde, der Weinstock, von wo er sich sein Wasser holt.

Die Marille im Frühjahr, sommers die Radfahrer, der Wein im Herbst und Zen im Winter

Zu jeder Jahreszeit trägt die Wachau ein anderes Kleid. Im Frühjahr bedecken sich die Felder mit weißem und lilafarbenem Tuch: Die Blüte der Marille gehört zu den zauberhaftesten Verwandlungen, die man sich vorstellen kann.

Ab jetzt tauchen die ersten Besucher auf, gar nicht mal so wenige wählen die gemütliche Vaiante einer Flusskreuzfahrt, die meisten aber kommen mit dem Rad. Der sanfte Donauradweg lässt sich spielerisch bewältigen, das Erlebnis der Radltour durch die Weinberge und Obstgärten ist überwältigend.

Ende September wird es ruhiger in der Wachau, die Einheimischen sind wieder weitgehend unter sich. Es geht in die Weinberge, der richtige Zeitpunkt für die Lese darf nicht verpasst werden. Dann, Anfang Oktober, ist es soweit: Die Trauben kommen vom Stock! Und wieder stellen sich die Gäste ein: Bei der Weinlese macht jeder gerne mit.

Ob für ein paar Stunden oder Tage spielt dabei keine Rolle: Der Winzer ist froh über jede Hand, die eine Gartenschere führt – und die Erntehelfer freuen sich auf eine kräftige Jause an der frischen Luft und auf den Abend in einer der gemütlichen Buschenschanken!

Wenn das Laub von den Bäumen gefallen ist, zeigt die Wachau ein karges Gesicht. Die Bataillone aus Rebstöcken, akkurat gezogene Striche in den Hügeln, sehen aus wie japanische Tuschezeichnungen. Die Stille der Natur trägt den Eindruck von Zen.

 

Durchs Kleinklima begünstigt: der Weinanbau in der Wachau

Überwiegend an den Nordufern der Donau wird Wein angebaut, der sich gierig dreier Quellen bedient: des warmen, aus dem Osten kommenden pannonischen Klimas, der kühleren Luftströme aus dem Waldviertel im Norden und schließlich der Donau, die das alles reguliert.

Der Wechsel aus heißen Tagen und kühlen Nächten treibt die Aromen aus dem Löss in die Traube des Grünen Veltliners. Ihm gilt weit über die Hälfte des Weißweinanbaus, 84 % – abgeschlagen auf der Strecke bleiben Müller-Thurgau, Riesling, Weißburgunder und Chardonnay. Bei den Roten dominiert der Zweigelt, ein wenig Merlot hängt hier und da an den Stöcken und Blauburgunder.

Die Menschen in der Wachau wissen, was sie dem Wein verdanken. Und so feiern sie ihn in Kellergassenfesten, beim Heurigen und in der grandiosen Inszenierung des Loisiums in Langenlois oder in der Sandgrube 13 in Krems an der Donau!

Kellergassenfest in Krems-Thallern

Berühmte Namen in der Wachau: Dürnstein, Weißenkirchen, Spitz und Melk

Die Region selbst ist (anders vielleicht als das im Süden angrenzende Mostviertel) überschaubar, haben wir gesagt. Schier unüberschaubar scheint das Angebot für den Besucher der Wachau.

Berühmte Städtchen, ach, eher Ortschaften begleiten die Donau durch die Wachau: Dürnstein mit seiner Ruine, auf der einst Richard Löwenherz festgesetzt war. Weißenkirchen mit der trutzigen Wehrkirche; Spitz mit seiner scheckigen Kirchturmbedeckung und dem Einstieg zu einem Abschnitt des faszinierenden Wanderwegs Welterbesteig! Sie liegen am Nordufer, das stärker noch frequentiert scheint als das gegenüberliegende Südufer der Donau.

Hier windet sich die Straße durch manchmal engste Stellen, an der nur mit Mühe und Millimeterarbeit zwei Autos aneinander vorbeikommen. Mautern, Bergern, Rossatz und schließlich Melk, die Prächtige, heißen die Stationen, und jeder Ort wartet mit eigenem Versprechen seinen Besuchern auf …

jofl, am 13.07.2015
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Bildquelle:
Idyll Genuss in Österreichs Mostviertel (Mostviertel, Österreich: Urlaub bei Birnenmost und Apfelmost)
Johannes Flörsch (Urlaub mit der Familie in Frankreich: Bretagne)

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