Jeans mit Nieten (Bild: Ibefisch)

Nach dem Tod des Vaters geriet Familie Strauss in wirtschaftliche Not

Die nächste Enttäuschung ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Was man an einem Tag harter Arbeit an Gold aus dem steinigen Boden herausgeholt hatte, reichte meistens noch nicht einmal für ein anständiges Essen. Große Nuggets, die viele Dollars brachten, blieben eher die Ausnahme. Sobald die Männer ihren Goldstaub in Bargeld umgetauscht hatten, verprassten sie es in der Regel für Frauen und Whisky. Innerhalb kürzester Zeit wurden Städte aus dem Boden gestampft, die nicht mehr waren, als eine Ansammlung schiefer Bretterbuden. Zudem verging kaum ein Tag ohne Schlägerei oder Schießerei. Reich wurden während des großen Goldrausches nur wenige, arm und unglücklich hingegen viele. Manche Männer, die unbeirrbar an den großen Goldfund ihres Lebens glaubten, wurden alt und starben schließlich, ohne dass sich ihr Traum erfüllt hatte.

Auch Levi Strauss war in den Westen gekommen, um durch Goldfunde reich zu werden. Reich wurde er schließlich auch, allerdings nicht durch Gold. Seine Geschichte begann am 26. Februar 1829, und zwar in Deutschland, genauer gesagt: im fränkischen Buttenheim. Als Jüngstes von sieben Kindern einer sehr armen Familie erblickte Levi (eigentlich Löb Strauß) das Licht der Welt. Wie so viele arme Menschen auf dem europäischen Kontinent träumte auch Familie Strauss von einem besseren Leben in Amerika, dem sogenannten "Gelobten Land". Angeblich konnte man dort über Nacht reich werden. Man musste nur in Kalifornien eine Goldader finden und ausbeuten.

Als Levi 16 Jahre alt war, starb sein Vater Hirsch Strauß, ein armer Hausierer, an Tuberkulose. Die vielköpfige Familie geriet in wirtschaftliche Not. Zwei Jahre später reiste Rebecca Strauß mit Levi und zwei seiner Schwestern nach Amerika. Rund drei Jahre nach seiner Ankunft versuchte sich Levi als Goldwäscher. Doch in seinen Sieben fand er nur Sand und Steine.

Amerikanische Soldaten brachten die Jeans nach Europa

Als ob das nicht schon schlimm genug war, musste er auch noch ständig seine Hosen flicken oder am besten gleich neue kaufen, weil sie bei der harten Arbeit sehr schnell kaputt gingen. Levi bemerkte allerdings, dass die anderen Goldgräber genau das gleiche Problem hatten. Also machte er sich Gedanken, wie eine Hose beschaffen sein müsste, um solche Strapazen zu überstehen. So entstand eine aus Zeltplanen und Leinwand zusammengenähte Hose, deren Nähte mit Nieten verstärkt waren. Die Goldgräber rissen ihm seine Erfindung fast aus den Händen, und innerhalb weniger Jahre war Levi Strauss ein reicher Mann. Anfangs waren die Hosen noch ockerfarben. Als das Segeltuch ausging, führte Strauss einen noch haltbareren Baumwollstoff aus der Manufaktur Nimes (in Frankreich) ein. Daher kommt die Bezeichnung "Denim". Der Faden des Denim wurde blau eingefärbt (Blue Denim).

Doch bis die Hose zum meistverkauften Kleidungsstück der Welt wurde, war es noch ein weiter Weg. Erst nach dem 2. Weltkrieg hielt die Jeans Einzug in die europäischen Kleiderschränke. Die amerikanischen Soldaten trugen sie, als sie sich in Europa aufhielten. Die Europäer fanden die amerikanische Lebensweise aufregend und wollten so viel wie möglich davon nachahmen, also auch die Mode. Von diesem Zeitpunkt an hatte es die Hose von Levi Strauss geschafft: Ob Junge oder Mädchen, Mann oder Frau - alle wollten sie plötzlich tragen. Heute gibt es sie in vielen verschiedenen Farben, aber am häufigsten sieht man sie immer noch in Blau durch die Gegend marschieren. Levi Strauss starb am 26. September 1902 in San Francisco.

BerndT, am 23.04.2013
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Bildquelle:
State Library of Queensland (Goldrausch im Wilden Westen)
PublicDomainPictures (Alkohol im Wilden Westen)

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