Einst war Bantamgewichtler Pedro Alindato (Kampfname: Durango Kid) in den Boxranglisten auf dem Weg nach oben. Er trainierte in New York zusammen mit Boxlegende Mike Tyson. Zwischen 1982 und 1984 blieb er in zehn Fights hintereinander ungeschlagen und sollte bald um eine Meisterschaft boxen. Doch der Kampf gegen sein Gewicht, gegen Magersucht und Bulimie zerstörte seine aussichtsreiche Karriere.

Bulimie und Magersucht im Boxen - Wenn das Gewichtmachen krank macht

Der Gang zur Waage ist für viele Boxer ein wahrer Albtraum. Der spindeldürre Pedro Alindato war da keine Ausnahme. Bereits als blutjunger Amateur verdonnerte ihn der Trainer des Nationalteams zum "Gewichtmachen", um so die Gewinnaussichten der gesamten Mannschaft besser variieren zu können. Doch das Training war hart, das "Abkochen" kostete viel Energie, und Alindato wurde zunehmend von Heißhungerattacken überfallen, meist abends, wenn er allein und zu müde war, um noch Freunde zu treffen oder auszugehen. So war der Puertoricaner relativ früh in seiner Boxkarriere zu stundenlangen Saunagängen mit Seilspringen, zu Waldläufen in Schwitzanzügen oder dauernden Sitzungen auf der Toilette gezwungen.

Boxer gegen Gewicht und Gegner - Die Geschichte des Durango Kind

Durango Kids Pfunde purzelten, doch irgendwann nicht mehr schnell genug. Alindatos große Schwäche war die mangelnde Selbstbeherrschung und die ständige Lust auf Süßes. Als die Rosskuren keinen Erfolg mehr brachten, entdeckte "Durango Kid" eine weitere Möglichkeit, um Gewicht loszuwerden. Er fing an, sich absichtlich solange zu übergeben, bis nichts mehr aus ihm heraus kam. Mit diesen Brechaktionen konnte Alindato weiterhin im Bantamgewicht antreten, obwohl er eigentlich ein ausgewachsenes Federgewicht war. Das Boxgeschäft verlangte es so, und er glaubte in dieser Klasse körperliche Vorteile gegenüber seinen Gegnern zu besitzen. Aber physische Überlegenheit blieb nicht der einzige Grund. Alindato nahm diese Tortur auch auf sich, um unbequemen oder stärkeren Gegnern im Federgewicht aus dem Weg gehen zu können.

Magersucht und Bulimie machen den Boxer krank

Allmählich forderte die Bulimie ihren Tribut. Mit der Zeit fühlte Alindato sich im Seilgeviert immer schwächer und ausgelaugter. Es gab Kämpfe, da hatte er seinen Widersacher schwer angeschlagen, doch aus diesen Vorteilen konnte er kein Kapital ziehen. Oft fehlte zum vorzeitigen Sieg das letzte Quäntchen Kraft, und er musste sich mit einem Punktesieg begnügen. Oder schlimmer: "Durango Kid" steckte bittere Niederlagen ein. Wie gegen den späteren Weltmeister Wilfredo Vasquez. Gegen Vazquez war für Alindato der Abbruchssieg zum Greifen nah, das blutige Gesicht von Vazquez mit schweren Cuts gezeichnet. In der vierten Runde aber schwanden Alindatos Kräfte wegen seiner Magersucht. Er konnte nicht mehr richtig atmen, ihm wurde schwarz vor Augen, er kassierte schwere Treffer und Vazquez bekam den vorzeitigen Sieg zugesprochen.

Die Geschichte des Durango Kid: Krank durch Missbrauch

Trotz dieser Rückschlage konnte niemand Alindato davon überzeugen, dass er in der falschen Gewichtsklasse kämpfte. Das "Gewichtbringen" und ständige Abnehmen vermittelte ihm eine Art Macht über seinen Körper. Als Jugendlicher war Pedro Alindato von zwei Männern missbraucht worden. Er war hilflos gewesen, hatte keine Kontrolle über das, was mit ihm geschah. Die Bulimie, die Magersucht, gab ihm später das trügerische Gefühl, etwas in seinem Leben lenken und selbst bestimmen zu können. Dieses seelische Ungleichgewicht und das ungesunde "Gewichtmachen" führten schließlich zum körperlichen Chaos und Alindatos Absturz. Der magersüchtige Alindato fühlte sich nur noch gut, wenn er alles in sich hineinstopfen konnte. Kapitulieren wäre ein Zeichen von Schwäche gewesen. Gleichzeitig schwor er sich immer, mit dem ungezügelten Essen aufzuhören. Aber vorher musste sich "Durango Kid" immer wieder für ein letztes Mal so richtig quälen. Er wurde hasserfüllter und aggressiver. Zerstörung war sein Ziel. Sobald der Magen anfing zu verdauen, fühlte er sich verloren, besiegt vom Leben.

Magersucht und Bulimie im Boxen führen zu einem Teufelskreis

Der junge Boxer trainierte, aß, trank, erbrach sich, trainierte, aß, trank und erbrach sich, ein Wettlauf, er wusste nicht um was. Wie die Vergewaltigung als Kind blieb die Bulimie jahrelang Alindatos dunkles Geheimnis. Niemand erwischte ihn je bei seinen Brechanfällen. Nicht einmal die Trainer und Boxkollegen. Alindantos Krankheit blieb unentdeckt. Erst die umstrittenen Punktentscheide 1984 gegen Kenny Mitchell und die Geburt seines Sohnes bewirkten allmählich eine Veränderung in seinem Verhalten und seiner Einstellung. Er konzentrierte sich mehr darauf, ein guter Vater zu werden, als ein erfolgreicher Boxer. Mit Therapien und psychologischer Hilfe bekam er die Bulimie am Ende in den Griff und kämpfte nun als Federgewichtler, jedoch mit mäßigem Erfolg. Sein Körper hatte zuviel Substanz verloren, war geschwächt und der Stoffwechsel völlig durcheinander. 1990 hängte er die Boxhandschuhe endgültig an den Nagel. Der "Durango Kid" hatte seine Wahl getroffen und sich entschieden, ausschließlich für seine Familie da zu sein. Das war der Schlussgong in seinem jahrelangen Kampf als Boxer gegen die Bulimie. Und aus dieser qualvollen und wichtigsten Auseinandersetzung seines Lebens war er letztendlich als Sieger hervorgegangen.

Quelle: Krank durch Bulimie und Magersucht: Wenn Abnehmen zur Qual wird: Ein Boxer kämpft gegen sein Gewicht



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