Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser alles am obigen Text verstanden? Nein? Keine Sorge! Den Belegschaften unzähliger Unternehmen ist es bisher vermutlich nicht anders ergangen. Immer dann, wenn eine Betriebsleitung unangenehme Nachrichten zu verkünden hat oder wenn superschlaue Manager mit ihrem Latein schlichtweg am Ende sind, flüchten sie sprachlich in ein Gewirr aus englischen Phrasen und betriebswirtschaftlichem Fachvokabular.

Wir lernen daraus: Dummschwätzen und Klugschwätzen sind zwei Seiten der gleichen Medaille namens Ahnungslosigkeit. Allerdings lernen wir auch, dass Geschwafel wie im obigen Text durchaus zu beruflichem Erfolg, Ansehen und Reichtum führen kann. Die nicht gerade kleine Kaste der so genannten Spitzenverdiener ist der lebende Beweis für diese These!

Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, folgt jetzt ein kleiner Sprachkurs, damit auch Sie künftig erfolgreich den größten Unfug von sich geben können, um dafür von Unwissenden hinreichend bestaunt zu werden.

Kleines Phrasen-Lexikon

Best Practice: Ersatzweise eingeführter, verschwurbelt hochtrabender Begriff. Früher sagte man dazu einfach "Erfolgsmethode". Das klang wahrscheinlich irgendwann nicht mehr sexy genug.

 Economy of scale: so genannte Größenkostenersparnis. Im einfachsten Sinne beispielsweise anhand der Formel "Die Masse macht‘s" darstellbar. Häufig die Basis für Unternehmenskonzentrationen.

 Empowerment: Bevollmächtigung, Übertragung von Verantwortung. Wird es von Managern gegenüber den Arbeitnehmern verwendet, heißt das: Ihr seid jetzt verantwortlich dafür, den von mir verursachten Schaden zu beseitigen.

 Humanressourcen: abwertendes Synonym für Personal, gelegentlich auch als Humankapital bezeichnet.

 Investitionshemmnis: angeblicher Hinderungsgrund für wirtschaftlichen Erfolg, gern im Sinne klassischer Schuldverschiebung verwendet. Beispiele sind hohe Sozialabgaben, die Lohnentwicklung, begrenzte Fördermittel oder eben ganz allgemein die Politik.

 Leverage-Effekt: Betriebs- und finanzwirtschaftlicher Begriff für ein Szenario, in dem man für geliehenes Kapital weniger Zins zahlen muss, als man selbst damit erwirtschaftet.

 Minuswachstum: Sprachlich gesehen ein Oxymoron, weil sich dieses Wort selbst widerspricht. Es klingt aber eben besser als "Verlust".

 (Das ist kein) nine-to-five-job: Macht gefälligst viele unbezahlte Überstunden!

 Outside the box denken: Synonym für "Ich bin völlig ahnungslos. Am besten machen wir irgendwas."

 Payback period: Zeitraum, in dem investierte Gelder komplett zurückgeflossen sind. Es besteht also nicht nur ein operativer Gewinn, sondern alle für ein Projekt eingesetzten Mittel wurden durch dieses vollständig wieder erwirtschaftet.

 Probleme sind auch Chancen: Synonym für "Ich habe die Firma an den Rand der Pleite gebracht. Ihr dürft es jetzt ausbaden. Strengt euch an und lasst euch was einfallen."

 Senior Consulting Manager: Angehöriger der berüchtigten Berufsgruppe der Unternehmensberater. Durch perfektioniertes Dumm- und Klugschwätzen hat er in der Unternehmensberatung eine gehobene Position erlangt.

 Shareholder: Gesellschafter, Aktionäre oder anderweitige finanzielle Teilhaber des Unternehmens.

 Stakeholder: schwammiger Begriff für Unterstützer bzw. im weitesten Sinne Abhängige eines Unternehmens, z. B. Aktionäre, Lieferanten, Mitarbeiter, Kommune, Staat…

 Synergieeffekte: Kostenersparnis, die durch Zusammenarbeit oder Fusionen entsteht, weil doppelt vorhandene Strukturen entfallen. Beispielsweise benötigen zwei fusionierende Unternehmen künftig nur noch eine Buchhaltung, einen Einkauf und eine Marketingabteilung… (seltener auch nur noch ein Chefgehalt…)

 Trainee: In systematischer Ausbildung befindliche Nachwuchs-Führungskraft. Sozusagen ein künftiger Klugschwätzer. Er kostet aktuell noch nicht so viel wie ein voll ausgewachsener Unternehmensberater, kann aber eben so viel Unfug anstellen, frei nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist!

Jetzt mal im Klartext

Haben Sie die obigen Vokabeln und Phrasen vollständig erlernt? Dann sollten Sie bei der Übersetzung des Eingangstextes jetzt keine Probleme mehr haben. Die korrekte Lösung lautet:

 "Im letzten Jahr haben wir zwar aufgrund fehlender Fördermittel sowie zu hoher Löhne und Sozialabgaben ordentlich Verlust gemacht. Ich habe dabei die Firma an den Rand der Pleite gebracht. Ihr dürft es jetzt ausbaden. Strengt euch also an und lasst euch was einfallen. Ich bin nämlich gerade völlig ahnungslos – also so wie eigentlich immer. Am besten machen wir irgendwas.

Unsere Geldgeber schauen sich das ganze Theater nicht mehr lange an, weshalb ihr jetzt eigenverantwortlich noch mehr ranklotzen müsst. Ich erwarte also viele kostenlose Überstunden. Weil Kommune und Finanzamt Angst haben, dass wir bald keine Steuern mehr zahlen können, gibt es außerdem haufenweise Subventionen. Diese eigentlich für das Unternehmen gedachte Kohle lege ich aber lieber gewinnbringend in der Schweiz an.

Durch Stellenabbau und Zusammenlegungen sparen wir außerdem eine Menge Kosten, so dass sich das investierte Geld der Firmeninhaber noch schneller rentiert. Deshalb können wir uns auch einen echt teuren Unternehmensberater leisten. Er ist genauso unfähig wie sein Praktikant, meint aber, dies sei eine unschlagbare Erfolgsmethode!"

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