Fleischverzehr im Laufe der Jahrhunderte

In Deutschland lag der Fleischkonsum pro Kopf/Jahr im Spätmittelalter bei über 100 Kilogramm am höchsten. In den folgenden Jahrhunderten ging er immer weiter zurück und erreichte im 19. Jahrhundert den niedrigsten Wert von durchschnittlich 14 Kilogramm. Zwischen 1961 und 2011 stieg er von etwa 64 kg auf 90 Kilogramm. 2012 und 2013 war er - nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie - mit 88,9 Kilogramm und 88,2 kg wieder leicht rückläufig (Quelle: Wikipedia).
Etwa 60 Kilogramm Fleisch verzehrte ein deutscher Bundesbürger im Jahr 2017, davon allein 39 Kilogramm Schweinefleisch. Der gigantische Fleischhunger kostet 55 Millionen Schweine jährlich das Leben. Ein Drittel von ihnen hätte nicht sterben müssen, sie landen letztendlich im Müll. Produziert wird die gewaltige Menge aber nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für den Export, der sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht hat.

Den leichten Rückgang könnte man zunächst positiv deuten, aber - im Vergleich zum Fleischkonsum des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, als die Menschen körperlich weit mehr gefordert waren als heute - hat er sich aber vervierfacht!
Gut ist diese Entwicklung nicht - weder für die Menschen noch für die Tiere und ebenfalls nicht für die Umwelt durch hohe Gülle-Belastung auf den Feldern, Nitrate im Wasser, Luftverschmutzung durch Gase, Fäkaliengestank.
Was die wenigsten Menschen wissen ist die Tatsache, dass Großbetriebe seit Jahren zwar staatlich beziehungsweise durch die EU großzügig gefördert werden, dass die steigenden Kosten für die später notwendige Wasseraufbereitung des verunreinigten Wassers in der Regel die Gemeinden beziehungsweise die Steuerzahler tragen. Das zunächst so billig gekaufte Fleisch oder die Milchprodukte sind letztlich dann doch nicht mehr so billig, wenn plötzlich das Wassergeld teurer wird. Diejenigen, die aber die Verursacher der Umweltbelastung sind, kommen ohne Kosten davon.

Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass zur Produktion von 1 Kilogramms Fleisch das 3-7-fache an Futtermitteln benötigt wird (zum Beispiel Soja, Weizen, Mais), die vorwiegend von der EU aus Ländern Nord-und Südamerikas importiert werden. In riesigen Monokulturen werden meist Gen-Pflanzen angebaut, die vielfach gedüngt und gespritzt werden und große Mengen Wasser benötigen - wertvolle Ressourcen, die der Bevölkerung dort fehlen.

Nord-und Ostdeutschlands Mega-Mastbetriebe und ihre Folgen

Es waren und sind immer wieder Ankündigungen wie:" Neuer Riesen-Schlachthof bei Celle, Mega-Mastanlagen im Emsland oder in Alt Tellin (Mecklenburg-Vorpommern)", Geflügelmastbetrieb in Eschelbach darf auf 144.000 Tiere erweitert werden.....", die mehr und mehr Menschen in der jeweiligen Region auf die Barrikaden gehen lassen, denn bereits heute leben allein in Norddeutschland mehr Schweine als Menschen. Meist wird eine erhöhte Belastung für die Umwelt und Gesundheit durch Geruchs- oder Keimemissionen, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, überdüngte Böden oder der Wertverlust der eigenen Immobilie befürchtet. Das Tierwohl steht dabei zunächst weniger im Fokus.

Mehr als tausend Hallen für Geflügel oder Schweine wurden und werden in Nord-und Ostdeutschland geplant oder gebaut für 40.000 bis 80.000 Hühner (eine Anlage sogar bis zu 400.000 Masthühner) oder 10.000 bis 85.000 Schweine.
Angaben des TV-Magazins ''Faszination Wissen'' des Bayrischen Rundfunks aus dem Jahr 2013 zufolge, kommen alleine durch Gülle in Niedersachsen jährlich cirka 240.000 Tonnen überschüssigen Stickstoffs auf die Böden. Deutschland ist durch die gewaltigen Mengen an Gülle aus Mastbetrieben Europas größter Emittent von Lachgas.

In den Niederlanden haben die vielen Mega-Mastbetriebe und das hohe Gülle-Aufkommen zu überdüngten Feldern geführt. Strengere Umweltbestimmungen und sogar Prämien für Massentierhalter, die Mastplätze abbauen, haben einige Großzüchter, wie zum Beispiel Adriaan Straathof, dazu veranlasst, ihre Aktivitäten nach Nord- oder Ostdeutschland zu verlagern. Hier schlugen sie gleich 3 Fliegen mit einer Klappe: Prämien zum Abbau der Anlage in den Niederlanden, EU-Zuschüsse für Massentierzucht-Betrieb in Deutschland und preiswerte Arbeitskräfte in Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit.
Eine erfreuliche Information des NDR vom 5.12.2017:
Die drei Schweinezuchtanlagen in Alt Tellin, Medow und Fahrbinde, die ehemals dem umstrittenen Unternehmer Adriaan Straathof gehörten, stehen zum Verkauf: Im Jahr 2018 soll er über die Bühne gehen. Ziel sei, die Anlagen an den insgesamt elf Standorten im Paket zu verkaufen. Straathof erhielt zudem in Deutschland Tierhaltungsverbot.

Durch immer mehr riesige Schweinezucht-Betriebe musste in Deutschland in den letzten 10 Jahren jeder zweite Schweinehalter aufgeben. 2012 lebten mehr als zwei Drittel aller Schweine in Ställen mit mehr als 1000 Tieren. Laut Eckehard Niemand, dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gehört ein Drittel der Schweineställe bereits Kapitalgebern und Gläubigern aus der Futtermittel- oder Tierarztbranche.

Erbärmliche Aufzucht-Bedingungen

Die Aufzucht und Mast erfolgen meist unter grausamen Bedingungen. Nach oftmals betäubungsloser Kastration der Ferkel und Kupierung der Schwänze stehen die Tiere dicht gedrängt tagein, tagaus auf rutschigen Holzspalten- oder Betonböden, sind mit Exkrementen verschmiert und leiden unter enormem Dauerstress, der häufig zu gegenseitigen Verletzungen führt.
Säue werden in engen Abferkelbuchten zu Bewegungslosigkeit gezwungen. Tageslicht oder Weidegang für die Tiere sind in diesen Mega-Fabriken nicht vorgesehen. Als artgerecht kann diese Tierhaltung nicht bezeichnet werden. Überleben können das die Tiere nur, weil sie meist systematisch, wenn auch verboten, Antibiotika erhalten. Ein zu hoher Antibiotika-Einsatz führt aber dazu, dass immer mehr Keime im Stall resistent werden. Dass sich unter diesen Bedingungen Krankheitserreger oder Seuchen über die Gülle oder die Abluft der Ställe ausbreiten, verwundert nicht.

Enormer Futtermittel-Verbrauch - Import aus ärmeren Ländern

Um schnell das Schlachtgewicht von 115 Kilogramm zu erreichen, werden Schweine mit einem Kraftfuttergemisch gemästet, das im Durchschnitt etwa 15 Prozent Sojaschrot enthält. Für jedes Kilo Schweinefleisch werden 540 Gramm Soja-Schrot verfüttert = 62 Kilogramm pro Schwein. Bei 55 Millionen Schweinen alleine in Deutschland, kommt hier ein gigantischer Soja-Verbrauch zusammen.
Von deutschen Äckern stammen die Sojabohnen aber nicht, da ihnen das hiesige kühle Klima nicht bekommt. Etwa 33 Millionen Tonnen Soja wurden 2017 von der EU aus Südamerika (vorwiegend Brasilien, Argentinien und Paraguay) importiert, allein für Deutschland rund 3,5 Millionen Sojabohnen und die gleiche Menge Sojaschrot. Auf einer Fläche von 45 Millionen Hektar, was etwa der Fläche von Deutschland und den Niederlanden zusammen entspricht, sieht man in den Produktionsländern fast nur Soja-Monokulturen, für die Regenwälder und tropische Savannen abgebrannt und die einheimische Bevölkerung vertrieben wurden. Eine einzigartige und unwiederbringliche pflanzliche Artenvielfalt, aber auch Tiere wie Aras, Brüllaffen oder Tapire fielen und fallen den Brandrodungen zum Opfer.

Foto: Uschi Dreiucker/Pixelio.de

Drei Viertel des dort angebauten Sojas ist genetisch verändert (GEN-Soja) und stammt vom US-Agrarkonzern Monsanto (ab 2018 nun BAYER), der mit patentiertem Saatgut, seinen unseriösen Verkaufsstrategien und seinem Totalherbizid Roundup ® weltweit stark in der Kritik steht. Auf den riesigen Monokultur-Flächen wird Roundup in großen Mengen versprüht, was zu Missbildungen, Fehlgeburten, Nierenversagen und Krebs bei der dort arbeitenden oder lebenden Bevölkerung geführt hat und führt.

Genmanipuliertes Soja in Lebensmitteln ist in Deutschland und der EU zwar verboten, nicht jedoch im Futtermittel für das Vieh. Dass sich Rückstände des Totalherbizids Glyphosat in mysteriös verendeten Rinderkörpern und sogar im menschlichen Urin fanden, konnten Forscher der Universität Leipzig im Jahr 2012 nachweisen.

Dass es auch anders geht, beweisen ökologisch orientierte Landwirtschaftsbetriebe und Verbände wie Bioland, Demeter, Naturland. Doch davon sind Massentierzuchtbetriebe weit entfernt. Hier geht es nur um schnellen Profit.

Demo gegen Massentierzucht in Berlin "Wir haben es satt"

Seit 2011 findet jedes Jahr im Januar in Berlin die Demo "Wir haben es satt" statt.
Bauern-, Umwelt- und Verbraucherorganisationen demonstrieren auf Plätzen, vor dem Bundestag und durch einen friedlichen Marsch durch die Stadt gegen Gentechnik, Pestizide, Tierfabriken und Dumping-Exporte und für eine gerechtere Verteilung der EU-Subventionen. Im Jahr 2011 waren es bereits 15.000 Teilnehmer, 2018 schon über 33.000 Teilnehmer sowie 160 Bäuerinnen und Bauern aus ganz Deutschland.

Die Demo fordert unter anderem von der Politik seit Jahren eine entscheidende Weichenstellung, dass nämlich die EU die kleinbäuerliche Landwirtschaft großzügiger unterstützen soll und nicht weiterhin circa 60 Milliarden Euro jährlich an Subventionen vorwiegend an die Agrarindustrie fließen.

Eine Änderung der jetzigen Entwicklung, wie sie von immer mehr Menschen gewünscht wird, ist sicher nur realisierbar, wenn weltweit in den nächsten Jahren der Fleischverbrauch weiter drastisch reduziert wird. Diese Tendenz ist derzeit noch nicht erkennbar, da Länder wie China, Indien in den letzten Jahren auf den Fleischgemschmack gekommen sind.

Vielleicht wird es ja der Klimawandel sein, der durch zu heisse Sommer und somit weniger Getreide-und Futtermittel-Ernten, weniger verfügbarem Trinkwasser, ausgetrockneten Wiesen, Produktionsrückgängen und Tierverendungen die Menschen zu einem Umdenken veranlasst, wenn sie es freiwillig nicht tun.

Weitere Links:

Meine-landwirtschaft.de

Regenwald-Report (4/12)

Schrot&Korn

Albert-Schweitzer-Stiftung

Peta

Weltagrarbericht

Autor seit 6 Jahren
99 Seiten
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