Was sind die Beweggründe für BIO?

Die Beweggründe sind vielfältig: Zum einen möchte man mehr für die Gesundheit und einen genussvolleren Lebensstil tun, zum anderen aber auch mehr für eine ökologischere Landwirtschaft und für den aktiven Umwelt-und Klimaschutz. Eine immer größer werdende Zahl von Verbrauchern lehnt zudem die Ausbeutung der Tiere in der Massentierhaltung ab. D

Die Autorin Rosa Wolff beschreibt in ihrem Buch "Arm aber Bio!", dass man sich auch mit etwa
4,35 € am Tag (entspricht in etwa dem Tagesbudget eines Hartz IV-Empfängers für Nahrungsmittel) biologisch ernähren kann. Nicht einfach, aber mit Erfahrung im Kochen und in der Zubereitung, Zeit und Disziplin, durchaus möglich. Das wurde von ihr im Selbstversuch erprobt.

Fand man Bioprodukte bis vor einigen Jahren fast nur im Naturkostladen, in Hofläden, auf Märkten oder in Reformhäusern, so findet man sie inzwischen in großer Auswahl bei fast allen Discountern und Supermärkten. Insgesamt konnte die Bio-Branche in den letzten Jahren kontinuierlich zulegen, auch wenn der Bio-Anteil weltweit lediglich etwa 6 Prozent ausmacht - jedoch mit steigender Tendenz. Der Bio-Anteil in den verschiedenen Ländern ist allerdings unterschiedlich hoch ist. Deutschland gehört in der EU zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Bio-Produkten. Die Nachfrage ist inzwischen sogar höher als das Flächenangebot für den Bio-Anbau, so dass ein Großteil der Bio-Produkte aus anderen Ländern importiert werden muss.

Konventionelle, denaturierte und raffinierte Produkte, die in den Industrieländern die Regale und Einkaufskörbe der Verbraucher füllen, haben mit Gesundheit oft wenig zu tun. Als reine Sattmacher sind sie meist arm an Vitalstoffen, dafür aber reich an tierischen Fetten, Zucker, Weißmehl, Aromen, Konservierungs- und Farbstoffen, Emulgatoren, Verdickungsmitteln und anderen.

Die Zahl der ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten ( Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und andere) steigt trotz vielseitigem Informations-Angebot weiterhin an und deren Behandlungskosten verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen. Oft werden die Verbraucher auch zu Großeinkäufen gelockt – Mengen, die möglicherweise gar nicht verzehrt werden und daher auf dem Müll landen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Umweltschäden, die durch die industrielle Agrarwirtschaft und die Massentierhaltung verursacht werden, die die jetzige Generation noch nicht auf dem Preisschild findet, wofür aber die nachfolgenden Generationen bezahlen werden.

 

(Bild: AnonymousTraveller / Pixabay)

Was ist im Bio-Branche anders als in der konventionellen Landwirtschaft?

Auf einen knappen Nenner gebracht: Die ökologische Landwirtschaft garantiert einen schonenden und nachhaltigen Umgang mit Natur, Tieren und Pflanzen.

Generell kann man feststellen:

  • Bio-Gemüse ist nitratärmer und die Pestizid-Belastung ist wesentlich geringer. Biobauern verzichten ganz oder weitestgehend auf mineralische Düngung ihrer Böden, sondern setzen Stallmist, Kompost oder Erntereste als Dünger ein.

  • Im Biofleisch finden sich weniger Arzneimittelrückstände.

  • Bioobst und -gemüse enthalten mehr Inhaltsstoffe (sekundäre Pflanzenstoffe, wie Phenole, Flavonoide, Lycopene) und Vitamin C, Getreide und Hülsenfrüchte mehr essentielle Aminosäuren.

  • Zur Aromatisierung von Biolebensmitteln sind nur natürliche Aromen und Aromaextrakte zulässig.

  • Die EU erlaubt in der Lebensmittelverarbeitung 316 Zusatzstoffe, für Bioerzeugnisse sind es nur 47 Stoffe.

  • Riskante, umstrittene Technologien, wie Gentechnik oder ionisierende Bestrahlung sind verboten.

  • Biobäcker und Biometzger verwenden keine industriellen Fertigmischungen, sondern alte Rezepturen, handwertkliche Techniken und regionale Besonderheiten sorgen für Vielfalt.

  • Biobauern schützen die Landschaft durch Feldraine, Hecken, Gräben, Buntbrachen, wechselnde Fruchtfolgen und fördern die Humusbildung und das Bodenleben. Blüten-und artenreiche Pflanzenbestände können entstehen und geben Nützlingen, Feldvögeln, Insekten ein Zuhause.

  • Biobauern verzichten ganz oder weitestgehend auf mineralische Düngung ihrer Böden, sondern setzen Stallmist, Kompost oder Erntereste als Dünger ein.

  • Biobauern vermarkten ihre Erzeugnisse häufig direkt oder durch Lieferservice und unterstützen somit den regionalen Produktvertrieb und reduzieren Umweltbelastungen durch lange Transporte.

  • Der Bioanbau reduziert den Ausstoß von klimaschädigenden Gasen (durch geringeren Viehbesatz (insbesondere Methangas durch Rinder).

  • Biobauern pflegen einen völlig anderen, artgerechteren Umgang mit ihren Tieren und füttern weniger mit proteinhaltigem Kraftfutter.

 

(Bild: eloneo / Pixabay)

Die deutschen Bio-Verbände im Überblick

Bio-Produkte sind heute fast überall erhältlich. Doch nicht jedes Bio-Produkte ist von gleicher Qualität. Innerhalb der Bio-Branche unterscheidet man streng zwischen EU-Bio (nach EU-Ökoverordnung) und Verbands-Bio.
Die Qualitätsstandards der Bio-Verbände liegen dabei weit über denen der EU-Öko-Mindeststandards.1992 begann die EU, den Bio-Landbau einheitlich zu regeln und griff auf die damals schon existierenden Verbandsrichtlinien zurück. Die neu geschaffene EU-Öko-Verordnung legt seither die Mindeststandards für den ökologischen Anbau fest. Bio-Verbände dürfen jedoch in ihren Richtlinien strengere Anforderungen stellen und das mit eigenem Logo bewerben.

2011 gab es in Deutschland insgesamt etwa 22.000 Bio-Bauern, wovon 11.500 Mitglied in einem Bio-Verband sind. Heute sind es insgesamt 24.736 Betriebe. Eine Aufsplittung nach Verbänden:

  • Biokreis – seit 1979, regionale Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft in Ostbayern, aber inzwischen auch in anderen Bundesländern tätig - 1000 Landwirte

  • Bioland - seit 1971, mitgliederstärkster Verein mit Ableger in Südtirol, Mitglieder sind auch viele Verarbeiter, insbesondere Bäcker - 6.235 Landwirte

  • Biopark – seit 1991, in Mecklenburg-Vorpommern gegründet, beliefen vorwiegend den Lebensmittel-Einzelhandel, arbeiten eng mit Naturschutzverbänden zusammen - 579 Landwirte

  • Demeter – 1924 gegründet, international tätig, wirtschaften nach biologisch-dynamischer Methode, deren Richtlinien als die strengsten in der Bio-Branche gelten, 1.468 Landwirte

  • Ecovin – 1985 gegründet, die meisten deutschen Bio-Winzer gehören ihm an, haben strenge Keltereiregeln, 235 Winzer

  • Ecoland - 1997 gegründet in der Region Hohenlohe, 41 Landwirte
  • Gäa – 1989 in Sachsen gegründet, Schwerpunkt noch in den neuen Bundesländern, 367 Landwirte

  • Naturland – 1982 gegründet, an Mitgliedern zweitstärkster Bio-Verband. Zertifiziert auch Zuchtfisch, Holz und Naturkosmetik, ist international und im fairen Handel engagiert - 2.914 Landwirte

2016 stellten durchschnittlich 5 Betriebe pro Tag ihre Landwirtschaft auf Bio um und jeder 10. Betrieb ist ein BIO-Betrieb

Demeter-Betriebe im Portrait

Die Unterschiede zwischen EU- und Verbands-Bio (hier abgekürzt: VB / EUB)

Dass es schon erhebliche Unterschiede zwischen EU und Verbands-Biobetrieben gibt, sei anhand einiger Beispiele dargestellt:

Betriebsumstellung

VB: Beim Verbands-Bio muss der gesamte Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umgestellt werden.
EUB: Die EU-Öko-Verordnung erlaubt Bauern, ihren Hof nur teilweise auf ökologischen Landbau umzustellen und einen Teil der Flächen weiterhin konventionell zu bewirtschaften. Beide Produktionsformen müssen allerdings deutlich voneinander getrennt sein

Dünger

VB: maximal 112 kg organischen Stickstoff je ha und Jahr
EUB: 170 kg Stickstoff je ha und Jahr aus Tierhaltung; unbegrenzt weiterer organischer Stickstoff

Futter vom Hof

VB: Mindestens die Hälfte muss vom eigenen Hof stammen (Gras, Klee, Maissilage, Ackerbohnen und Futtergetreide); Ausnahmen für kleinere Tierbestände. Zugekauft werden muss vorrangig von Verbandskollegen, danach von anderen Anbauverbänden und sollte nichts mehr am Markt sein, darf normales EU-Biofutter verfüttert werden.
EUB: 50 Prozent-Regel gilt nur für Wiederkäuer, nicht für Schweine und Geflügel

Einsatz konventioneller Dünger

VB: nur Festmist; keine Gülle, keine Jauche und kein Geflügelkot aus konventioneller Haltung
EUB: Gülle, Jauche, Geflügelkot aus konventioneller Haltung möglich, aber nicht aus industrieller.

Gärreste aus Biogasanlagen

VB: Reste aus Anlagen, die nur konventionelle Substrate vergären, sind nicht als Dünger zu verwenden
EUB: nicht geregelt

Maximale Anzahl Tiere pro Hektar Fläche

VB: 140 Legehennen, 280 Hähnchen oder 10 Mastschweine
EUB: 230 Hennen, 580 Hähnchen oder 14 Mastschweine

Pflanzenschutz

Hier gibt es zwischen Verbands-Bio und EU-Bio große Unterschiede. So werden beim Verbands-Bio wesentlich weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Beide Bereiche lehnen GVO-Pflanzen (gentechnisch veränderte Organismen) ab, was im übrigen auch der überwiegende Teil der konventionell arbeitenden Landwirte macht.

Ein Verbands-Biohof versteht sich immer als individueller Organismus und organisch-biologische Bauern, wie zum Beispiel die von Demeter und Bioland, streben möglichst geschlossene Stoffkreisläufe an. Die vielseitige, wechselnde Fruchtfolge fördert das natürliche Bodenleben. Gezielt werden Stickstoff fixierende Pflanzen angebaut, die den Einsatz von chemisch-synthetisch hergestellten Düngern und Pflanzenschutzmitteln überflüssig machen. Besonderen Wert legt man auf die artgerechte Haltung der Tiere mit Zugang zu Auslaufflächen oder Weidegang.

Krankheit der Tiere

Die Tiere werden bevorzugt naturheilkundlich behandelt. Antibiotika und Hormone als Leistungsförderer sind tabu. Hohe Verbands-Standards erfordern einen höheren Aufwand und dementsprechend haben die Produkte auch einen höheren Preis. Insbesondere bei tierischen Produkten klaffen die Preise zwischen EU-und Verbands-Bio stark auseinander.
Ein Bio-Ei vom Discounter zum Beispiel kostet cirka 26 Cent, ein Verbands-Bio Ei dagegen etwa 35 Cent.

Verbraucher, denen sowohl ihre Gesundheit als auch das Wohl der landwirtschaftlichen Bio-Nutztiere ein großes Anliegen ist, zahlen bewußt den höheren Preis.

 

Doku "Zwischen Wahn und Sinn"

Die Bio-Tierhaltung nach den strengen Richtlinien der Verbände Demeter und Bioland

Bio-Verbände, wie Demeter, Bioland, Naturland und andere haben schon vor vielen Jahren - zusätzlich zu den Richtlinien der EU-Öko-Verordnung - eigene Richtlinien erstellt, nach denen Tiere gehalten, gefüttert, gezüchtet und geschlachtet werden. Nach eigenen Aussagen kann man beim Kauf von Produkten aus diesen Betrieben demnach sicher sein, dass die Tiere gesund und artgerecht gelebt haben.

Tiere sind beseelte Wesen und als Haustiere besonders auf die menschliche Obhut angewiesen. Leitbild des Handels der Verbands-Biobetriebe ist es, ihnen die nötige Fürsorge zukommen zu lassen und ihnen gleichzeitig spezifische, wesensgemäße Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Doch auch Biobauern halten ihre Tiere in größeren Herden und setzen rationelle Arbeitstechniken ein. Schließlich müssen sie von ihren Tieren leben können.

BIO Milchkühe

Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Wertschöpfung erzielen Biobauern mit der Milcherzeugung. Biokühe liefern heute jährlich etwa 6.000 – 9.000 Liter Milch, etwa dreimal so viel wie vor hundert Jahren. Jeder Bauer ist darauf bedacht, die Leistung seiner Tiere lange zu erhalten, ohne sie zu überfordern. Basis dafür ist gute Grundfutter-Versorgung mit Gras, Klee, Mais und Ganzpflanzensilage, ergänzt durch Bio-Kraftfutter in Form von Getreide, Lupinen, Erbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen und/oder Ölkuchen sowie Mineralstoffen.

Anders als Kälber in der konventionellen Massentierhaltung werden die Bio-Kälber der Verbände die ersten zwölf Wochen mit Milch, vorzugsweise Muttermilch sowie mit Heu, Gras und Kraftfutter versorgt. Milchaustauscher sind nicht erlaubt, da sie Fremdbestandteile wie Fett enthalten und energieintensiv hergestellt werden.

Kühe haben entweder Weidegang oder zumindest Auslauf im Laufhof, was zur Stärkung ihres Immunsystems beiträgt. Für die Liegeflächen ist Einstreu (Stroh, Spelzen oder Sägemehl) vorgeschrieben. Jede Kuh hat Anspruch auf cirka 6 Quadratmeter Stallfläche und einen eigenen Fressplatz. Stress und Rangkämpfe werden so vermieden.

BIO-Mastrinder

Rindfleisch stammt von Kühen, Bullen, Färsen (weibliche Jungrinder) und Ochsen. Bio-Bullen erhalten Futter in Form von Kleegras und Getreideschrot. Bullen aus konventioneller Haltung dagegen meist Maissilage und Sojaschrot.

Kälber dürfen cirka 9 Monate bei ihrer Mutter bleiben und werden von ihr aufgezogen und laufen in der Herde mit. Danach werden sie entweder geschlachtet oder als Bulle weiter gemästet. Weibliche Kälber treten meist in die "Fußstapfen" ihrer Mütter.

Von April bis September sind die Tiere auf der Weide, im Winter in einem großzügig bemessenen Laufstall mit Stroheinstreu, wobei jedem Tier etwa 5 Quadratmeter Platz zusteht. Demeter lehnt das Enthornen der Rinder ab, da Hörner zur Ganzheit des Rinderwesens gehören. Die Hörner der Tiere hätten zudem eine Bedeutung für den Aufbau der Lebenskräfte und für intensivere Verdauungs-und Stoffwechselvorgänge. Bioland erlaubt noch das weniger schmerzhafte Enthornen mit dem Brennstab.

BIO-Schweine

bewegen sich gerne, sind reinlich und sehr neugierig, daher steht ihnen eine Stallfläche von 1,1 bis 1,3 Quadratmeter zur Verfügung und zusätzliche 0,8 bis 1 Quadratmeter Auslauffläche (in der konventionellen Schweinehaltung sind nur 0,65 bis 1 Quadratmeter vorgeschrieben; Auslauf gibt es hier nicht). Manche Bio-Schweine sind ganzjährig auf der Weide, wo ihnen zum Schutz vor Regen und Kälte und zum Abferkeln Hütten gebaut werden.

Wie bei den Rindern gibt es auf dem Stallboden Stroheinstreu, das die Ferkel zum Spielen und die Muttersauen zum Nestbau und Wühlen nutzen. Liege- und Kotplätze sind in den Ställen getrennt. Vollspaltenböden sind nicht erlaubt, außer im Kotbereich.

Auch die säugenden Säue mit Ferkeln haben es mit 7,5 Quadratmetern und 2,5 Quadratmetern Auslauffläche besser als ihre Schwestern im konventionellen Stall, wo nur 4 Quadratmeter vorgeschrieben sind. Sauen werden in Gruppen gehalten. Anbinden der Sauen und das Kupieren des Schwanzes sind nicht zulässig, Abkneifen und Abschleifen der Zähne bei Ferkeln nur im Notfall.

Ferkel bekommen mindestens 40 Tage natürliche Milch von der Muttersau. Für Mast-und Zuchtschweine ist Raufutter (Stroh, Heu oder frisches Gras) vorgeschrieben.

BIO-Masthühner

leben entweder in festen Ställen, Mobilställen oder Folienställen mit verschieden hohen Sitzstangen und Sandbad, genügend Tageslicht, gutem Stallklima und geringer Staubbelastung. Um den Tieren das Scharren zu ermöglichen, muss mindestens ein Drittel der Fläche eingestreut sein. Ihnen steht im Vergleich zu ihren konventionell gehaltenen Artgenossen alleine im Stall doppelt soviel Platz zu, wobei der Grünauslauf (ca. 4 Quadratmeter pro Tier) noch nicht berücksichtigt ist. Bioland und Demeter bieten ihren Hühnern sogar noch zusätzlich einen Wintergarten (AKB-Außenklimabereich), wo sie auch bei schlechtem Wetter im Sand nach Körnern picken oder ihr Gefieder im Staubbad pflegen können. Die Tiere lieben es, draußen an der frischen Luft zu sein, was ihre Abwehrkräfte natürlich stärkt.

In Bio-Mastbetrieben werden maximal 4.800 Tiere (bioland) pro Stall gehalten. In der konventionellen Haltung gibt es keine Herdenobergrenze. Hier sind 20.000 bis 30.000 Tiere pro Stall üblich.Schnäbel dürfen nicht beschnitten oder touchiert werden.Der Lichttag der Hühner darf nicht mit Kunstlicht über 16 Stunden verlängert werden.

Bio-Hühner erhalten neben guter Betreuung auch Futter in Top-Bioqualität. Futter mit Wachstumsförderern, gentechnisch veränderte Futtermittel, künstliche Aminosäuren und Fischmehl sind verboten.

Masthühnern in Biobetrieben lässt man Zeit zum Wachsen: cirka 70 bis 90 Tage, in konventionellen Mastbetrieben meist nur 35 Tage!

BIO-Legehennen

Auch bei den Legehennen ist der Besatz mit max. 3.000 Tieren pro Stall (im Vergleich zu 20.000 Tieren in konventioneller Haltung) niedrig. 6 Tieren steht etwa 1 Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung sowie ein Wintergarten, wie bei den Masthühnern. Auch hier muss mindestens ein Drittel der Stallfläche als eingestreuter Scharrraum angeboten werden, verschieden erhöhte Sitzstangen, Familien- oder Einzelnester sowie Futter und Wasser auf verschiedenen Ebenen in genügender Menge. Alle Tiere müssen gleichzeitig fressen können. Bei Bioland sind 5 Prozent der Stallgrundfläche als Fensterfläche vorgeschrieben. In der konventionellen Haltung gibt es für Altställe keine Vorschrift, für Gebäude ab Baujahr 2002 sind 3 Prozent vorgeschrieben.

Im Gegensatz zur konventionellen Legehennen-Haltung sind in der Bio-Haltung synthetische Dotterfarbstoffe nicht zugelassen. Biobauern erreichen die etwas hellere, aber natürlichere Dotterfarbe nur durch das Karotin im Grünfutter.

Ein Wermutstropfen

bleibt aber leider auch bei der Bio-Tierhaltung: Es gibt nur noch recht wenige BIO-Schlachthöfe in den Regionen, so dass die Tiere konventionell geschlachtet und vermarktet werden müssen.

Weiterführende Informationen zu obigen und anderen BIO-Tieren finden sich in der Broschüre "Biotiere – Fakten, Wissenswertes, Vergleiche" vom Bioland-Verband, aber auch direkt bei Bioland (Biotiere) sowie in den Demeter-Richtlinien.

Kontrolle der BIO-Betriebe

Mindestens einmal im Jahr werden alle Bio-Betriebe durch eine unabhängige, staatliche zugelassene Öko-Kontrollstelle inspiziert. Bei den Verbands-Biobauern wird bei der Gelegenheit auch geprüft, ob die zusätzlichen Verbandsstandards eingehalten werden. Auch unangekündigte Stichprobenkontrollen werden gelegentlich durchgeführt. Die Meldung darüber geht an den jeweiligen Verband, der über die Anerkennung entscheidet.

Die IFOAM (Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegung)

Bereits seit 1972 gibt es die IFOAM, die ihre Zentrale in Bonn hat. Inzwischen gehören ihr 750 Mitglieds-Organisationen aus 115 Ländern an. Deren Ziel ist es den ökologischen Landbau weltweit weiter voran zu bringen von heute etwa 5 Prozent auf 10 oder sogar 20 Prozent und die regional unterschiedlichen Regelungen zur Produktion von Bio-Produkten unter einen Hut zu bringen. Im Gegensatz zu Deutschland und anderen Ländern der EG, in denen sich das Bio-Siegel seit langem etabliert hat, gibt es so etwas in ärmeren Ländern noch nicht. Um bei Exporten einen Mindeststandard gewährleisten und Vertrauen aufbauen zu können, hat man für diese Länder das IFOAM-Logo kreiert ("IFOAM -Organic Guarantee System - OGS").

Landwirtschaft auf dem Prüfstand

Alle Jahre wieder werden die Weichen für die EU-Agrarpolitik neu gestellt, zuletzt im Jahr 2013.

2017 - mit neu zu bildender Regierung und sehr unterschiedlichen Vorstellungen über die Landwirtschaft der Zukunft - dürfte das zu einer besonderen Herausforderung werden.
Laut Tagesschau vom 15.11.17 hat man sich in den schwierigen "Jamaika"- Verhandlungen - neben den emotionalen Schwerpunktthemen Klima, Verkehr, Migration - inzwischen auch auf Investitionen in die Landwirtschaft geeinigt: in die Stallgröße, das Tierwohl, in ein Label für Haltungsbedingungen und eine klimagerechte Agrarpolitk.

Der von der Bundesregierung im Jahr 2001 ins Leben gerufene Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) empfahl seinerzeit, die ökologische Landwirtschaft in Deutschland von 6 auf 20 Prozent auszuweiten. Eine berechtigte Forderung, denn die Nachfrage übersteigt schon längst das Angebot.

Die Initiative "Meine Landwirtschaft – unsere Wahl", die sich seit langem gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft einsetzt, unterstützt diese Entwicklung. Getragen wird sie von 40 Organisationen aus der Agrarwirtschaft, Ernährung, dem Umwelt-und Tier- und Verbraucherschutz und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Deutschland, so Jochen Fritz von "MeineLandwirtschaft" nähme immer noch eine Bremser-Position ein. Vorgabe der Regierung war bisher, alles beim Alten zu belassen, womit sie sich zum Lobbyisten der Agrarindustrie macht.

Dass die Ernährung der Weltbevölkerung auch alleine mit ökologischer Landwirtschaft möglich ist, darauf weisen sowohl der Weltagrarbericht als auch führende Wissenschaftler, wie Vandana Shiva oder der bekannte Globalisierungskritiker und Bestsellerautor, Jean Ziegler, und die aktuelle FiBL-Studie hin. Es sind unter anderem der steigende Fleisch- und Milchkonsum, der enorme Mengen an pflanzlichen Lebensmitteln zur Fütterung der Tiere erforderlich macht - Nahrung, die in den armen Regionen der Welt als Grundnahrungsmittel fehlt.

Es sind aber nicht nur die Politik, Agrar-Organisationen, Verbraucher-und Umweltverbände wie Foodwatch und Greenpeace, die gefordert sind, sondern es sind in erster Linie die Verbraucher, die darüber entscheiden, was produziert werden soll. Eigene Information über verschiedene Medien, Beteiligung an Demonstrationen, Petitionen (wie zum Beispiel die von Campact), sind wichtige Maßnahmen, die biologische Landwirtschaft weiter zu fördern.

Doku "Bio auf dem Prüfstand"
Autor seit 4 Jahren
55 Seiten
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