Definition Migräne

Unter Migräne versteht man attackenweise auftretende und in gewissen Zeitabständen wiederkehrende, meist pulsierende und pochende Kopfschmerzen, die im allgemeinen einseitig, gelegentlich aber auch beidseitig auftreten. Häufig wechselt die Seite der Kopfschmerzen von einem Migräneanfall zum anderen oder innerhalb einer Attacke. Typische Begleitsymptome eines Anfalls sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Geruchsüberempfindlichkeit.

Einige Formen der Migräne

  • Migräne ohne Aura
  • Migräne mit Aura
  • Komplizierte Migräne

Migräneattacken

  • Dauer einer Attacke
  • Ort der Schmerzen
  • Schmerzcharakter
  • Begleiterscheinungen 

Auslösende Faktoren

  • Hormone
  • Stress
  • Schlaf
  • Essen und Trinken

Nichtmedikamentöse Therapie der Migräne

Eine Ursache für das Entstehen der Migräne ist bis heute noch nicht gefunden. Das bedeutet aber nicht, dass man gegen diese Erkrankung nichts tun kann. Man kann das Leiden zwar nicht wegzaubern, aber es gibt effektive Möglichkeiten, die Intensität und die Häufigkeit einer Attacke zu verringern. Die optimale Behandlungsmethode ist deshalb, persönliche Auslösefaktoren zu finden und möglichst zu vermeiden. Da man nur Dinge finden kann, nach denen man sucht, sollte man damit beginnen, regelmäßig ein Migräne-Tagebuch zu führen, in dem Auslösefaktoren identifiziert und protokolliert werden.

Verhaltensmedizinische Techniken

Hierbei handelt es sich um Verfahren, die eigentlich für die Indikation Angst entwickelt wurden, später aber auch für das Anwendungsgebiet Schmerz, insbesondere Kopfschmerz eingesetzt wurden. Verhaltensmedizinische Verfahren basieren auf der Erkenntnis, dass eine enge Verknüpfung zwischen Stress und Migräne besteht. Sie sollen deswegen den Patienten in die Lage versetzen, möglichst effektive stresshafte Situationen zu bewältigen. Dabei muss unbedingt berücksichtigt werden, dass Stress nicht nur durch äußere Situationen entsteht, sondern auch durch inadäquate Verhaltensweisen und durch individuelle kognitive Fehlbewertung einer Situationen, die mit entsprechenden psychischen und physischen Erregungszuständen einhergehen.

Im Folgenden sollen einige Möglichkeiten vorgestellt werden, die dazu im Einzelnen zur Verfügung stehen.

  • Entspannungsverfahren

Die bekanntesten Verfahren sind das autogene Training und die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Letzteres Verfahren wird insbesondere bei Kopfschmerzen favorisiert, da es am leichtesten erlernbar ist und sich auch am effektivsten bewährt hat. Es basiert auf der aktiven Wahrnehmung von Anspannung und Entspannung in den Muskeln und befähigt dazu, aktiv eine möglichst tiefe Entspannung im Körper aber auch im Erleben herbeizuführen. Man konzentriert sich dabei besonders auf den Unterschied zwischen beiden Phasen, erlebt den Zustand der Anspannung und kann dann direkt darauf einwirken.

  • Biofeedbackverfahren

Bei der Biofeedbacktherapie (eng. "feed back" = zurückleiten) handelt es sich um eine Möglichkeit zur Selbstkontrolle von Körperfunktionen. Das Ziel ist, dass der Patient lernt, wie er bestimmte körperliche Funktionsabläufe beeinflussen kann, die normalerweise unwillkürlich ablaufen. Danach soll er Möglichkeiten zur Selbstregulation trainieren. Bei Kopfschmerzerkrankungen wird meistens die Kopfmuskelaktivität oder der Pulsschlag gemessen dann das Ergebnis auf einem Bildschirm oder Messgerät angezeigt. Ändert sich die Körperfunktion, ändert sich auch die Anzeige. Durch diese Rückmeldung kann der Patient direkt sehen, ob seine Muskeln entspannt sind, sein Puls regelmäßig schlägt oder sein Blutfluss zu- bzw. abnimmt. Im weiteren Verlauf lernt er dann, diese Körperfunktionen direkt und gezielt willentlich zu beeinflussen.

  • Stressbewältigungstraining

Durch dieses Training sollen die Pat. in die Lage versetzt werden, die internen und externen stressauslösenden Bedingungen wahrzunehmen und mit entsprechenden Verhaltensmaßnahmen darauf zu reagieren. Es sollen Bewältigungstechniken vermittelt werden, um eigenständig mit Stresssituationen fertig werden zu können. Der erste Schritt ist daher eine Stressanalyse. Zusammen mit einem Therapeuten wird eine Liste stressauslösender Faktoren erstellt und diese dann in eine Rangreihe gebracht. Stress hat auf bestimmten Verhaltensebenen verschiedene Auswirkungen. Auf emotionaler Ebene führt er möglicherweise zu Angst, auf motorischer zu einer Fluchtreaktion und auf physiologischer Ebene zu veränderten vegetativen Funktionen wie erhöhter Herzfrequenz oder feuchten Händen.

Nach der Stressanalyse sollen diese Hinweiszeichen Aufforderungscharakter für bestimmte Verhaltensweisen bekommen. Dazu werden Selbstbeobachtungsverfahren wie Stresstagebücher eingesetzt, um im Alltag wahrgenommene Stresssituationen zu protokollieren. Nach der Wahrnehmung der Situationen kann der Patient bestimmte Verhaltensweisen erlernen, sie zum Beispiel in einer Gruppentherapie einüben und im Alltag trainieren.

  • Selbstsicherheitstraining

Dieses Training soll den Patienten in die Lage versetzen, für seine persönlichen Rechte einzustehen, seine Gedanken, Gefühle und Einstellungen auszudrücken. Selbstsicherheit und soziale Kompetenz können dazu führen, dass man sein Leben mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe leben kann. In Trainingssituationen werden verschiedene Aufgaben gestellt, die entweder im Rollenspiel oder als Hausaufgabe im Alltag zu bewältigen sind. Die Inhalte zielen darauf ab, ein selbstsicheres und sozialkompetenteres Verhalten aufzubauen. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit "nein" sagen zu können, jemanden um einen Gefallen bitten zu können oder einen Wunsch äußern zu können. Die Fähigkeit, sowohl positive als auch negative Gefühle situationsgerecht ausdrücken zu können und die Fähigkeit allgemeine Unterhaltungen beginnen, aufrecht erhalten und wenn gewünscht beenden zu können.

  • Konkordanztherapie

Diese Technik wurde eigens zur Migränetherapie entwickelt. Ziel ist, eine Übereinstimmung zwischen Gedanken, Empfinden und Verhalten zu ermöglichen. Sie versucht, folgende Lernziele beim Patienten zu erreichen:

  • das Erlernen der Körperwahrnehmung in Belastungssituationen
  • aktive Steuerung von Körperprozessen
  • Zusammenhang zwischen Gedanken und Körperprozessen erkennen können
  • Fähigkeit Gedanken zu verändern
  • Erlernen von Verhaltensstrategien zur Beeinflussung von Körperprozessen
  • Erlernen der Übereinstimmung von Gedanken, Körperprozessen und Verhalten

Kopfschmerzen sind häufig nicht das einzige Problem, unter dem ein Patient leidet. Aus diesem Grund ist es erforderlich, dass auch andere Störungsbereiche in einem Diagnosegespräch Beachtung finden. Dazu gehören das Vorliegen beruflicher, familiärer oder privater Probleme, das Verhalten gegenüber Angehörigen oder Berufskollegen bei akuten Migräneattacken. Kopfschmerzen können zudem auch Symptom psychischer Erkrankungen sein, zum Beispiel bei Depressionen oder Panikattacken.

 

Autor seit 4 Jahren
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