Mississippi-Dampfer in New Orleans (Bild: OSU Special Collections & Archives)

Kapitäne stellten einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen auf

Der Mississippi wurde zur wirtschaftlichen Lebensader des mittleren Westens. Viele Siedler ließen sich in der Region nieder. St. Louis entwickelte sich zu einem bedeutenden Knotenpunkt. Zum einen, weil die wichtigsten Siedlerrouten gen Westen hier ihren Ausgangspunkt hatten, zum anderen, weil der Fluss nördlich der Stadt nicht mehr für die großen Frachtschiffe befahrbar war. Die meisten Dampfer verkehrten zwischen New Orleans und Louisville. Sie transportierten vor allem Baumwolle. Viele von ihnen waren aber auch luxuriös ausgestattete Vergnügungsdampfer für die reichen Pflanzer, die das Land an den Ufern entlang bewirtschafteten.

Mit Samt ausgeschlagene Salons, silberne Leuchter und Marmor-Skulpturen gehörten ebenso zur normalen Ausstattung wie ein Heer von Stewards, die - wie beispielsweise auf der "Eclipse", einem dieser Prunkkähne - allein 13 Sorten Nachtisch servierten. Trotzdem kam es oft genug vor, dass die Heiterkeit unter den Passagieren in helle Panik umschlug. Grund dafür war die Unsitte der Kapitäne, einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen aufstellen zu wollen. Dann ließen sie alle Sicherheitsvorschriften außer Acht, was wiederum dazu führte, dass die meisten Schiffe schon kurz nach ihrer Fertigstellung zerstört wurden und nicht selten in den Fluten des Mississippi untergingen.

Im Wasser lauerten Mississippi-Alligatoren

Hauptursache waren Kessel-Explosionen, Zusammenstöße oder weil sie in den Untiefen des versandeten Flusses aufgelaufen waren. Nun begann für die Passagiere ein Kampf ums Überleben. Denn im Wasser lauerten Mississippi-Alligatoren. Sie sind die größten Kriechtiere Nordamerikas, werden bis zu sechs Meter lang und haben eine kurze, breite abgerundete Schnauze. Ihr dunkelgrünes oder bräunliches Schuppenkleid ist auf der Unterseite gelblich. Sie leben nicht nur im Mississippi, früher waren sie in allen Flüssen der südöstlichen Staaten zu finden. Heute sind die Alligatoren selten geworden und stehen unter Schutz. Sie sind die einzigen Reptilien mit einer kräftigen Stimme. Das Brüllen, das sie im Frühling vor allem nachts ausstoßen, ist noch in 1,5 km Entfernung zu hören. Auch ihre Beute jagen sie nachts.

Die meisten Mississippi-Kapitäne waren wilde Kerle. Sie fürchteten weder Tod noch Teufel, noch den Untergang ihres eigenen Schiffes. Aber sie hatten auch erstaunliche Fähigkeiten. Man weiß zum Beispiel, dass sie sogar bei dichtem Nebel die Position ihres Dampfers präzise bestimmen konnten, weil sie das Kläffen der Farmer-Hunde am Ufer haargenau zu unterscheiden vermochten. Und über den Mississippi sagten sie, sein Wasser sei "zu dick, um es zu trinken und zu dünn, um es zu pflügen!"

BerndT, am 15.03.2014
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Bildquelle:
The National Archives UK (Sklavenhandel in Amerika)
Archbob (Mississippianer im Wilden Westen)

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