Haben Milchkühe kein Recht auf Mutterliebe?

Was ist das, eine Milchkuh?

Von einer Milchkuh spricht man dann, wenn deren Aufgabe vor allem darin besteht, Milch zu produzieren. Doch diese Milch der Milchkuh gehört nicht, wie von der Natur eigentlich vorgesehen, dem Kalb, das die Kuh geboren hat. Die Milch der Milchkuh beansprucht der Mensch für sich. 

Naturgemäß ist das nicht, denn keine Spezies ernährt sich über das Säuglingsalter hinaus von Milch. Und keine Spezies ernährt sich von der "Säuglingsmilch" einer anderen Spezies. 

Damit eine Milchkuh Milch geben kann, muss sie ein Kalb auf die Welt bringen. Doch die Milch, die eigentlich für das Kalb bestimmt ist, gibt die Kuh an den Menschen ab.

Weil sie ihr eigenes Kalb nicht mehr ernähren kann, wird dieses in den meisten Fällen sofort von der Mutter getrennt und separat aufgezogen: Oft alleine in Einzelboxen und in engen Verschlägen eingesperrt sieht dieses Kalb seine Mutter nie wieder. Man nennt das die "mutterlose Aufzucht".

Statt Muttermilch werden die Kälber mit einem Milchaustauscher ernährt, sie bekommen ein Gemisch, das u.a. aus Magermilchpulver und/oder Molkepulver besteht.

Nach der Geburt bleibt vielen Mutterkühen nicht einmal die Gelegenheit, ihre neugeborenen Kälber zu beschnuppern oder abzulecken, wie Kühe das üblicherweise tun. Kein Wunder, dass Kälber wochen- und monatelang verstört reagieren können, nachdem sie von ihrer Mutter getrennt wurden.

Auch nach der Mutterkuh und ihren Gefühlen fragt niemand. Kühe bauen eine innige Bindung zu ihren Kälbern auf und verteidigen den Nachwuchs resolut gegen vermeintliche Feinde. In der Natur säugen Kälber oft noch bis zu 10 Monaten am Euter der Mutter.

… und was wird eigentlich aus den Kälbern der Milchkuh?

Die weiblichen Kälber erleben meist ein ähnliches Schicksal wie das ihrer Mütter, auch sie enden in vielen Fällen als Milchkuh.

Männlichen Kälbern droht oft ein kurzes und isoliertes Leben in der Kälbermast oder ein etwas längeres Leben in der Rindermast.

Die moderne Hochleistungskuh: Nur noch eine "Milchmaschine"?

Die moderne Milchkuh ist eine Hochleistungskuh, die auf Wirtschaftlichkeit gezüchtet wurde. Liest man in aktuellen Broschüren, die Landwirten als Informationsmaterial für die Kälberaufzucht dienen, findet man vor allem Begriffe wie "ertragreich", "hohe Milchleistung", "Rentabilität", "Effizienzsteigerung", "Fruchtbarkeit", etc.

Während eine Kuh normalerweise ca. 6-8 Liter Milch pro Tag für ihr Kalb benötigt, geben Kühe der Hochleistungsrassen sogar bis zu 50 Liter Milch pro Tag an den Menschen ab. Eine Hochleistungskuh gibt nach dem Kalben also so viel Milch, dass sie vier Kälber davon ernähren könnte.

Da Kühe wie andere Säugetiere nur dann Milch geben, wenn sie Nachwuchs geboren haben, muss die moderne Milchkuh ein Kalb pro Jahr "produzieren", damit auch eine konstante Milchversorgung gewährleistet ist. Kurze Zeit nach der Geburt wird die Kuh wieder künstlich befruchtet.

Milchkühe sind oft überbelastet, ausgezehrt und krank. Nach nur wenigen Jahren werden sie geschlachtet.

Auch Kühe spüren Liebe und Leid

Kühe können fühlen, sie können Freude empfinden, aber auch Schmerz und Leid. Kühe bauen Freundschaften und Beziehungen untereinander auf und Kühe lieben ihren Nachwuchs, so wie wir Menschen es tun.

Kühe sind Lebewesen, die Platz, Freiheit und artgerechte Ernährung brauchen, auf deren Bedürfnisse Rücksicht genommen werden sollte.

Kühe haben es verdient, respektiert und gewürdigt zu werden.

Der Mensch jedoch hat die Kuh zur Milchkuh bzw. zur Milchmaschine gemacht. Das stimmt nachdenklich: Woher nehmen wir Menschen das Recht, auf diese Weise in die Natur einzugreifen? Was ist mit unserer Verantwortung für die Lebewesen, die diese Erde mit uns teilen? Ist es tatsächlich vertretbar, was wir den Milchkühen zumuten und gibt es Alternativen?

Ein faires Leben für Kuh und Kalb – die Alternativen zur Mutter-Kalb-Trennung

Ja, es gibt Alternativen: Die muttergebundene Kälberaufzucht oder die Ammenkuhhaltung.

Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht hat das Kalb eingeschränkten oder uneingeschränkten Zugang zur Mutter oder zu einer Ammenkuh.

Einige vereinzelte Höfe in Deutschland haben sich auf diese Art von Kälberaufzucht spezialisiert, sie nehmen auch Kälber anderer Höfe bei sich auf und lassen diese durch eine Ammenkuh versorgen.

Hofliste: Höfe mit mutter- oder ammengebundener Kälberaufzucht (PDF)

Eine Ammenkuh kann anstelle der Mutter ein fremdes Kalb (oder sogar mehrere fremde Kälber) säugen und aufziehen, entweder gemeinsam mit ihrem eigenen Kalb oder wenn sie ihr eigenes Kalb verloren hat. Da Kühe eine besondere Beziehung zu ihren Kälbern aufbauen, nimmt nicht jede Kuh automatisch ein fremdes Kalb an, die Ammenkuhhaltung ist also nicht ganz problemlos und bietet auch den Landwirten nur wenig wirtschaftlichen Gewinn.

Genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass die tierfreundliche Ammenkuhhaltung von den Verbrauchern unterstützt wird. Wie? - Vor allem durch die Bereitschaft, für fair und ökologisch produzierte Milchprodukte auch entsprechende Preise zu zahlen.

Ein Herz für Kühe? - So kann man helfen

Was kann man noch tun, um Kühen ein artgerechtes Leben und Kälbern ein Recht auf Mutterliebe zu ermöglichen?

Bewusst kaufen und konsumieren: Dass Milch tatsächlich so "gesund" ist wie jahrelang angenommen, wird übrigens immer häufiger von Experten bestritten. Bei vielen Erkrankungen, u.a. Krebs oder entzündlichen Hauterkrankungen, empfehlen Alternativmediziner, vollständig auf Milchprodukte zu verzichten.

Milch ist gesund! Oder etwa doch nicht?

Ob Hafermilch oder Sojamilch, Reismilch oder Mandelmilch: Mit der Vielzahl an Pflanzenmilchprodukten auf dem Markt gibt es jede Menge leckerer Alternativen zur Kuhmilch. (Übrigens: Offiziell dürfen Pflanzen"milch"produkte im Gegensatz zur tierischen Milch nicht als "Milch" bezeichnet werden. Man spricht deshalb von Pflanzendrinks.)

Wer ein Herz für Kühe hat und findet, dass auch Milchkühe ein besseres Leben verdient haben, der kann die Projekte der Welttierschutzgesellschaft unterstützen: Sich informieren, weitersagen, das eigene Verhalten überdenken, spenden. 

Kuh + Du: Eine Kampagne der Welttierschutzgesellschaft

Auch kleine Schritte in die richtige Richtung können helfen, Kühen und ihren Kälbern ein faires und artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Denn wie heißt es bei uns Menschen so schön: Eigentlich sollte doch jeder Tag des Jahres "Muttertag" sein, richtig? Auch Kühe haben nicht weniger als das verdient.

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