Halluzinationen auf dem Mond

Guter Mond, du gehst so stille

Moon - Neu auf DVDIrgendwann in der Zukunft: Jegliche Energieprobleme wurden durch die auf dem Mond abgebauten Helium-3-Vorkommen gelöst. Der Abbau des kostbaren Elements geschieht zwar vollautomatisch, muss aber von einem Menschen überwacht werden. Ein Job, den seit drei Jahren der Astronaut Sam Bell (Sam Rockwell) innehält. Ganz alleine bemannt er die Mondstation, einzig von der künstlichen Intelligenz GERTY (Originalstimme: Kevin Spacey) unterstützt, während seine Frau Tess (Dominique McElligott) und die gemeinsame Tochter Eve (Kaya Scodelario) auf der Erde seine Rückkehr erwarten.

 

Nur noch wenige Tage verbleiben, bis Sam den Vertrag erfüllt hat und endlich nach Hause zurückkehren darf. Ausgerechnet jetzt stürzt er in psychische Krisen, halluziniert und fürchtet, allmählich komplett durchzudrehen. Seltsamerweise verhält sich auch GERTY äußerst abweisend. Verliert Sam tatsächlich den Verstand oder steckt hinter seinen Wahnvorstellungen mehr, als ihm selbst bewusst ist?

Halluzinationen auf dem Mond

Was "Moon" mit David Bowie verbindet

"Moon": Beeindruckendes Debütwerk

Gleich mit seinem Debütwerk "Moon" liefert Duncan Jones einen kleinen Geniestreich des Science-Fiction-Genres ab. Die Faszination für den Weltraum scheint in der Familie zu liegen, ist doch sein Vater niemand Geringerer als David Bowie, der seinerzeit mit "Space Oddity" einen Riesenhit landete. Mit dem berühmten Namen seines Vaters ging Duncan Jones jedoch nicht hausieren, im Gegenteil: Er vermied es weitgehend, diesen ins Spiel zu bringen.

 

Nötig hätte es der britische Regisseur ohnehin nicht. "Moon" erweist sich als feinsinniges Drama mit Science-Fiction-Hintergrund, das keine prominente Unterstützung erfordert. Zuviel über den in nur 33 Drehtagen produzierten Film zu verraten, käme einem Sakrileg gleich. Dabei gelingt es Duncan, über den bereits früh enthüllten Plottwist hinaus die Spannung aufrecht zu erhalten und einen intelligenten Film mit ernsthaften Themen zu füllen, ohne ihn zu überfrachten.

 

Im Geiste von Philip K. Dick

Erstaunlicherweise fallen bei den meist positiven Kritiken zu "Moon" zwar jede Menge Filmtitel wie "2001: Odyssee im Weltraum" oder "Blade Runner", kaum jedoch der Name jenes Science-Fiction-Visionärs, der diesem Streifen ganz offensichtlich den geistigen Stempel aufdrückte: Philip K. Dick! Der Schöpfer von hunderten Romanen und Kurzgeschichten, von denen einige höchst erfolgreich ("Total Recall") verfilmt wurden, nahm die prägendsten Plotthemen von "Moon" vorweg.

 

Im Zentrum der Überlegungen steht die Frage, was einen Menschen mit all seinen Werten eigentlich ausmacht. Schließlich wird Sam lediglich als "Ressource" verwendet, die abseits der Zivilisation auf Gedeih und Verderb den Produkten eines anonymen Unternehmens ausgeliefert ist. Und ebenso wichtig: Was ist Realität? Gerade mit dieser faszinierenden Frage setzte sich Philip K. Dick zahlreiche Male auseinander und fand mal mehr, mal weniger zufriedenstellende Antworten, die auch in diesen Film einfließen.

 

Grandioser Sam Rockwell

Sams einziger Kommunikationspartner ist ausgerechnet ein Computer. Dabei darf GERTY nicht mit HAL aus "2001: Odyssee im Weltraum"in einen Topf geworfen werden, was verführerisch nahe läge. Denn anders als HAL treiben GERTY nicht durchwegs pragmatische Überlegungen zu mitunter nicht vorhersehbaren Handlungsweisen. Im Laufe des Filmes soll sich die künstliche Intelligenz beinahe schon als der "bessere Mensch" erweisen.

 

Freilich: Ein FIlm wie "Moon" kann nur so gut sein wie seine Darsteller, welche die Figuren verkörpern. Sam Rockwells Verkörperung des vor Einsamkeit und Heimweh in den Wahnsinn (?) abgleitenden Astronauten Sam Bell darf ohne Übertreibung als grandios bezeichnet werden. Obwohl er den Film quasi ganz alleine bestreitet, vermag er mit seinem fein nuancierten Schauspiel das Interesse des Zuschauers an der komplexen Figur aufrecht zu erhalten. Keine leichte Aufgabe, die Rockwell unaufdringlich meistert.

 

Neu auf DVD: Meisterwerk "Moon"

Klingt nach langweiligem Selbstfindungstrip? Mitnichten! Wer sich ein "Star Wars"-Szenario erhofft, wird bereits unmittelbar zu Beginn die Geduld verlieren. Duncan Jones wollte aber gar kein typisches Science-Fiction-Werk schaffen, sondern ein berührendes, nachdenklich stimmendes Drama ohne übertriebenen Pathos.Ein Ansinnen, das ihm vollends gelungen ist. "Moon" spielt auf einer ganz anderen Ebene wie "Star Wars" oder "Terminator".

 

trotzdem darf man ihn in die Nähe dieser Blockbuster rücken, besitzt er doch etwas, das leider vielen Genrestreifen fehlt: Eine Seele! Die großen und imposanten Szenen mögen fehlen. "Moon" gleicht dies durch den großartigen Sam Rockwell, einen ungemein interessanten und anspruchsvollen Plot sowie eine einzigartige Atmosphäre wieder aus. Vielleicht werden Sie nach der Rezeption von "Moon", der neu auf DVD erschienen ist, unseren Trabanten mit ganz anderen Augen sehen...

Originaltitel: "Moon"

Regie:  Duncan Jones

Produktionsland und -jahr: GB, 2009

Filmlänge: ca. 96 Minuten

Verleih: Koch Media GmbH

FSK: Ab 12 Jahren freigegeben

Deutscher Kinostart: 15.7.2010

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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