Habt Angst - die will nicht nur spielen! Psychothriller "Orphan - Das Waisenkind"

Kinder treiben nicht nur ihren eigenen Eltern oft den Angstschweiß auf die Stirn. Auch in Horrorfilmen und Psychothrillern erschrecken sie uns mit schöner Regelmäßigkeit. Sei es der wahrhaftige Satansbraten "Damien" aus den "Omen"-Filmen, Stephen Kings fanatische "Kinder des Zorns" oder die unschuldig wirkende Esther aus "Orphan - Das Waisenkind": Manche Jungen und Mädchen haben es faustdick hinter den Ohren!

Traue keinem über 30? Von wegen! Traue keinem unter 12!

Habt Angst - die will nicht nur spielen! Psychothriller

"Orphan - Das Waisenkind": Leg dich nicht mit Esther an!

Braves Mädchen?

Hinter der makellosen scheinenden Fassade der Colemans kriselt es gewaltig: Nachdem die hübsche Kate (Vera Farmiga) eine Fehlgeburt erlitten hat, sucht sie jenen Trost, den ihr Ehemann John (Peter Sarsgaard) nicht geben kann, im Alkohol. Als sie wieder trocken ist überrumpelt sie John mit dem Wunsch, ein Waisenkind zu adoptieren. Dieser stimmt zu und fährt mit ihr zum örtlichen Waisenhaus.

 

Augenblicklich sind die Colemans von der ebenso schüchternen, wie reif wirkenden Esther (Isabelle Fuhrman) regelrecht verzaubert. Das wohlartikuliert, wenngleich mit russischem Akzent sprechende Mädchen verblüfft mit ihrer Intelligenz, Sinn für Ordnung und einem malerischen Talent. Überglücklich nimmt sie das Angebot an, von Kate und John adoptiert zu werden.

 

Anfangs scheint das Familienglück perfekt zu sein: Mit Max, der taubstummen Tochter der Colemans, versteht sie sich blendend und baut ein inniges Verhältnis zu dem beeinflussbaren Mädchen auf. Aber plötzlich beginnen sich unerklärliche Unfälle zu häufen, die allesamt mit Esther in Verbindung stehen. Kate beginnt, ihre Adoptivtochter für diese Unfälle verantwortlich zu machen, was John allerdings lächerlich findet und sich erneut von ihr abwendet. Nun liegt es an der attraktiven Frau zu beweisen, dass Esther keineswegs der Unschuldsengel ist, als der sie sich ausgibt. Damit schafft sie sich aber einen mächtigen Feind: Die verschlagene Esther selbst …

Raffinierter Psychothriller

Kein "Omen"-Abklatsch

Neu auf DVD: Psychothriller "Orphan - Das Waisenkind"Der Verdacht liegt nahe, dass sich "Orphan - Das Waisenkind" als moderner Abklatsch der Horrorreihe "Das Omen" erweisen würde. Tatsächlich aber gibt es zwischen dem Richard-Donner-Meisterwerk von 1976 und dem 2008 inszenierten Psychothriller kaum Berührungspunkte. Dank des raffinierten Drehbuchs bleibt der Streifen bis zum Schluss spannend und schüttelt im Showdown sogar einen gewagten, aber keineswegs unmöglichen Plot-Twist aus dem Ärmel.

 

Umso überraschender wenn man bedenkt, dass der spanische Regisseur Jaume Collet-Serra bis dato gerade einmal mit dem halbherzigen Horror-Remake "House Of Wax" in Erscheinung getreten war. Dafür liefert er mit "Orphan - Das Waisenkind" einen der besten Psychothriller der letzten Jahre ab, der neu auf DVD und blu-ray erschienen ist.

 

Zerbrechende Familienidylle

Anders als in diversen Genrewerken schildert Collet-Serra nicht das Eindringen des puren Bösen in ein funktionierendes Familienidyll, sondern schildert als Ausgangspunkt eine im Zerbrechen begriffene Ehe, die mittels Adoption gekittet werden soll. Dummerweise geht dieser Schuss nach hinten los. Denn die verschlagene Esther erweist sich als Keil zwischen dem einstigen Vorzeige-Ehepaar John und Kate. Sie treibt ein Spiel, das anfangs niemand durchschaut. Als ihr Kate auf die Schliche zu kommen droht, schlägt Esther mit psychologischen Mitteln zurück: Sie stellt ihre Adoptivmutter als paranoide Wahnsinnige hin, der allmählich sogar der eigene Ehemann misstraut.

 

Let's do the (Plot-)Twist!

Schließlich spielt Esther einen Trumpf nach dem anderen aus und agiert mal als sich wehrlos gebendes Kind, mal als unglaublich hintertriebene Manipulatorin. Was das unschuldig wirkende Mädchen im Schilde führt, wird natürlich nicht verraten. Fans von clever und fesselnd inszenierten Psychothrillern dürfen sich jedenfalls auf einen atemberaubenden Plot-Twist freuen, der ohne Außerirdische oder jeglichen Mystery-Touch das Auslangen findet. Für die perfekte visuelle Umsetzung sorgt die dynamische Kamera, die stets hautnah am Geschehen dranbleibt, ohne sich in Voyeurismen zu ergehen.


Sensationelle Isabelle Fuhrman

Bekanntlich sollte man mit Superlativen sparsam umgehen. Doch ein rundum gelungener Psychothriller wie "Orphan - Das Waisenkind" macht es schwer, nicht ins Schwärmen zu geraten. Zumal die außerordentliche Schauspielleistung von Esther-Darstellerin Isabelle Fuhrman nicht mehr und nicht minder als sensationell bezeichnet werden muss. Die zum Zeitpunkt der Produktion erst 12-jährige Nachwuchsmimin war zuvor über eine Minirolle in der Eso-Kitsch-TV-Serie "Ghost Whisperer – Stimmen aus dem Jenseits" kaum hinausgekommen. Man muss kein Nostradamus sein um Isabelle Fuhrman eine große und schillernde Zukunft zu prophezeien.

 

Freunde spannend inszenierter Psychothriller mit genialem Plot-Twist werden am neu auf DVD veröffentlichten "Orphan - Das Waisenkind" nicht vorbeikommen. Aber Vorsicht: Sie werden Kinder künftig mit anderen Augen sehen...

Daten zu "Orphan - Das Waisenkind"

Originaltitel: "Orphan"

Regie: Jaume Collet-Serra

Produktionsland und -jahr: USA 2009

Filmlänge: ca. 123 Minuten

Verleih: Kinowelt

FSK: Ab 16 Jahren

Deutscher Kinostart: 22.10.2009

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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