Bisherige Forschungsergebnisse

Bisher wurde vermutet, dass bei den Babys ein Defekt im Weckmechanismus des Gehirns vorliegt Die Annahme war, dass dieser Defekt verhindert, dass die Babys aufwachen, wenn sie zu atmen aufhören. Die australische Forscherin Carmel Therese Harrington bestätigt dieses Prinzip erklären hingegen, dass kein Defekt, sondern ein fehlendes Enzym verhindert, dass die Säuglinge aufschrecken, wenn die Atmung aussetzt.

Jeder schlafende Mensch wacht auf, wenn der Sauerstoffgehalt in seinem Blut drastisch absinkt. Wissenschaftler vermuten, dass bei Kinder unter zwei Jahren, die am Plötzlichen Kindstod sterben, dieser Mechanismus der zum aufwachen führt, nicht ordnungsgemäß funktioniert.

Zwar erklärt die verminderte BChE-Aktivität, warum der Aufweckmechanismus versagt. Es müsse ein zusätzliches Problem vorliegen, dass zum Abfall des des Sauerstoffgehaltes im Blut des Neugeborenen führt.

Der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit erklärt, dass es nach der Hypothese des ‚Triple-Risk Models' zu SIDS kommen kann, wenn drei Bedingungen gleichzeitig auftreten:

  1. Das Kind befindet sich in einem empfindlichen und verwundbaren Entwicklungsstadium seines Nerven- und Immunsystems
  2. Es liegen bestimmte genetisch bedingte Strukturvarianten ("Polymorphismen") im Stoffwechsel des Nervenbotenstoffs Serotonin vor
  3. Es kommen Stressfaktoren von außen hinzu, wie Schlaflage, Überwärmung, Infektionen oder eine Belastung durch rauchende Eltern

Die Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod Deutschland berichtet:

Die Zahl der Plötzlichen Kindstode in den vergangenen Jahrzehnten ist, auf Grund von Präventionsmaßnahmen gesunken.

Waren es noch in den 1990er-Jahren allein in NRW jährlich bis zu 900 Säuglinge, die in ihrem ersten Lebensjahr ohne erkennbaren medizinischen Grund plötzlich starben, seien es heute bundesweit nur noch rund 150.

Die meisten Säuglinge starben im Alter zwischen zwei und sechs Monaten. Mit steigenden Alter nimmt das Risiko, bis zum zweiten Geburtstag, stetig ab. Wobei Jungen etwas stärker als Mädchen betroffen sind.

Erprobte fachliche Ratschläge zur Vorbeugung

Im Rahmen der von Präventionsexpertin Dr. med. Uta Nennstiel-Ratzel betreuten Kampagne des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zum Thema "Sicherer und gesunder Babyschlaf" wurden von der Stiftung Kindergesundheit mit entwickelter Flyer in viele Sprachen übersetzt und an Interessierte verteilt.

Demnach schläft ein Baby so gut und sicher

1. Schlafposition in Rückenlage

2. Verwendung von Babyschlafsäckchen

3. Schlafen im eigenen Bettchen im Elternschlafzimmer

4. Keine Kuscheltiere oder andere Gegenstände, in die das Baby sein Gesicht vergraben könnte, im Bett lassen

5. Schutz vor Überwärmung

6. Eine rauchfreie Wohnung

7. Stillen

Stillen – der beste Start in ein gesundes Leben

Das Stillen mit Muttermilch ist die normale, artgerechte Ernährung von Säuglingen.. Mit der Muttermilch werden,so Professor Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitätskinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, gleich am Anfang ihres Lebens mehrere Grundsteine für die spätere Gesundheit des Kindes gelegt. Demnach senkt das Stillen die Gefahr des plötzlichen Krippentodes SIDS um 15 bis 36 Prozent.

Rauchen – das große Baby-Risiko

Die Stiftung Kindergesundheit weist darauf hin, dass neben der Bauchlage der Säuglinge das Rauchen in ihrer Umgebung das wichtigste vermeidbare Risiko für den Plötzlichen Kindstod sei. Es wird darüber informiert, dass in Deutschland immer noch über zwanzig Prozent aller Frauen während der Schwangerschaft rauchen. Dabei sei bekannt, dass sich die Gefahr für das Baby, den plötzlichen Kindstod zu erleiden, bei bis zu zehn Zigaretten am Tag um das Dreifache, bei mehr als 20 Zigaretten sogar um das Neunfache erhöht.

Erwerben von Fachwissen kann Babyleben retten

Das alleine durch die Anwendung der bisher bekannten Maßnahmen gegen die Stressfaktoren das Leben von Kindern gerettet werden kann, beweist eine Statistik die von der . Stiftung Kindergesundheit zitiert wird. Demnach gab es in Deutschland im Jahr 1998 noch 602 Todesfälle durch SIDS. Die Zahl reduzierte sich ständig, bis im Jahr 2008 nur noch 215 Fälle gezählt wurden.

Ein Riesenerfolg, zumal er ohne medizinische Maßnahmen erzielt wurde. Denn eine wissenschaftlich bewiesene Ursache war auf diesem Gebiet, bis im Jahr 2022 noch nicht gefunden worden.

Professor Koletzko betont in diesem Zusammenhang, dass dieses Ergebnis zeige, dass die Vermittlung von diesbezüglichem Fachwissens und die Einbindung aller mit den jungen Eltern in Kontakt stehenden Berufsgruppen unerlässlich für das Überleben von Säuglingen sei.

Eltern sollten ebenfalls wissen, dass Impfungen kein Grund für den plötzlichen Säuglingstod darstellen. 

Zusätzlich wichtig ist, dass die Geburtshelfer und Hebammen in den Geburtskliniken, Kinderärzte, Allgemeinärzte und Krankenschwestern, die Mitarbeiter in Praxen, Schwangerenberatungsstellen, Migrantinnenbetreuungsstellen, Gesundheits- und Jugendämtern - möglichst einheitliche Informationen weitergeben, damit die Schwangeren und Eltern nicht durch unterschiedliche Botschaften verunsichert werden.

Was bisher erreicht wurde

Dr. Uta Nennstiel-Ratzel und ihr Team werten die bisherigen Ergebnisse der bayerischen Präventionskampagne aus.

• Der Anteil der in den Kliniken über die SIDS-Risiken aufgeklärten Eltern wuchs von 92 Prozent im Jahr 2005 auf 97 Prozent im Jahr 2007.

• Der Anteil der Geburtskliniken, in denen ausschließlich Babyschlafsäckchen verwendet wurden, nahm von 12 auf 37 Prozent zu.

Nicht oder nur unzureichend umgesetzt wurde:

• Die Empfehlung, Babys auf dem Rücken schlafen zu lassen

• Nur 14 Prozent alle Eltern befolgten alle Empfehlungen der Ratgeberbroschüre.

Nur 59 Prozent der Babys schliefen, zum Zeitpunkt der Herausgabe der Broschüre, im eigenen Bett im Elternzimmer, Rund gerechnet acht Prozent schliefen im Bett der Eltern und 21 Prozent allein im Kinderzimmer.

Jedes vierte Baby lebt weiterhin in einem Raucherhaushalt

Was ist eine Ursache für den Plötzlichen Kindstod?

Bislang gab es für den Plötzlichen Kindstod keine eindeutige Erklärung. Das hat sich jetzt, im Mai 2022, geändert, denn die australische Biochemikerin Carmel Therese Harrington hat mit ihrem Team des Kinderkrankenhauses Westmead in Sydney als erste Ursache einen angeborenen Enzymmangel an Butyrylcholinesterase (BChE) gefunden. Ein extrem niedriger Gehalt dieses Botenstoffes für die Kommunikation im Gehirn kann, so Harrington, die Funktion der Atmung bei Säuglingen beeinflussen.

Wie wurde geforscht?

  • Es wurden die Blutproben von mehr als 60 zwischen einer Woche und zwei Jahren am Plötzlichen Kindstod verstorbenen Säuglingen untersucht
  • Ihre Blutproben wurden mit denen gesunder Babys verglichen
  • Es zeigte sich, dass die Aktivität des Enzyms BChE bei Babys, die an Plötzlichem Kindstod starben, deutlich niedriger war.

 Der Test muss weiter entwickelt werden

Die Forscher ziehen aus ihren Ergebnissen den Schluss, dass Babys mit einem Risiko für Plötzlichen Kindstod in Zukunft frühzeitig erkannt werden können. Es soll, um Risiko-Babys zu finden, die an dem angeborenen Enzymmangel leiden, ein Screening-Test entwickelt werden.

 Die australischen Forscher betonen in ihrer Studie, dass der Plötzliche Kindstod immer mehrere Auslöser habe. Bei der Vorbeugung des Plötzlichen Kindstodes spielten zusätzlich weitere Faktoren wie Auf-dem-Bauch-Schlafen oder Passivrauchen eine Rolle.

Kritische Stimmen

Jakob Maske. der Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sieht das Forschungsergebnis von Carmel Therese Harrington noch nicht als Forschungsdurchbruch an. Es sei eine sehr interessante Studie, die durch weitere Untersuchungen bestätigt werden müsse. Wenn sich das Fehlen des Enzyms als Ursache herausstelle, könne die Enzymbestimmung mit in die übliche Neugeborenen-Untersuchung, gleich nach der Geburt, aufgenommen werden. Die Voraussetzung dafür sei, dass man wisse wie der Enzymmangel ausgeglichen werden könne.

Das ist die Stiftung Kindergesundheit

Die Stiftung Kindergesundheit wurde 1998 gegründet. Sie setzt sich für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die langfristigen Vorteile von Muttermilch.

 

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