No-Poo Haarwaschmittel: Gel aus Kochwasser von Reis

selbsthergestelltes Haarwaschmittel bzw. "Reisgel" (Bild: Kaskadina)

Warum No-Poo?

Wie kommt man auf die verrückte Idee seine Haare mit Reis zu waschen? Und warum überhaupt der Verzicht auf Shampoo?

Die Idee, die hinter No-Poo steht, ist, dass die Haare durch häufige Haarwäschen mit herkömmlichen Shampoos, insbesondere solchen, die Silikone enthalten, geschädigt werden. Viele klagen über juckende Kopfhaut, Schuppen, Haarausfall... Zwar vermute ich, dass diese Beschwerden nicht alleine auf die Verwendung von Shampoo sondern möglicherweise auch auf eine ungesunde Ernährung zurückzuführen sind, dennoch erscheint es mir einleuchtend, dass die chemischen Bestandteile eines Shampoos den Haaren auf Dauer nicht gerade gut tun. Dies gilt umso mehr, wenn man sehr häufig oder sogar täglich die Haare damit wäscht. Weitere Vorteile von No-Poo sind, dass die Haare mit der Zeit weniger schnell fettig werden und man - je nach Methode mehr oder weniger - Umwelt und Geldbeutel schont.

Meine Erfahrung mit verschiedenen No-Poo Methoden und wie ich zur Reisgelhaarwäscherin wurde..

Da mir die Idee von No-Poo gefiel habe ich in den letzten Jahren so ziemlich jedes alternative Haarwaschmittel nach und nach ausprobiert - leider mit mäßiger Begeisterung. Entweder wurden meine Haare nicht richtig sauber (Haarwäsche mit Natron) oder die Kopfhaut war gereizt (ebenfalls Natron mit anschließender Apfelessigspülung) oder meine Haare waren nach der Wäsche schwer kämmbar und strohig (Lavaerde). Besonders schlimm war es bei der Haarwäsche mit Roggenmehl. Dreimal habe ich es in jeweils leicht abgewandelten Varianten ausprobiert und jedes Mal sah ich nachher so aus, als hätte man mir Mehl über die Haare gekippt und ich wäre anschließend durch den Regen gelaufen. Nur mit großer Mühe konnte ich die klebrigen Mehlreste aus meinen Haaren entfernen. Möglicherweise liegt es an der welligen Beschaffenheit meiner Haare, denn andere No-Poo'ler sind von dieser Methode sehr begeistert. Das Roggenmehl macht die Haare wunderbar weich und glänzend, so heißt es. Meine waren kaum kämmbar. Auch gegen Schuppen soll es sehr gut helfen. Die Haare fühlen sich nachher wirklich schön weich an aber der Aufwand, die Mehlreste aus den Haaren zu entfernen, ist mir einfach zu groß. Auch die Wassermengen, die man zum Abspülen benötigt, finde ich nicht mehr umweltfreundlich. Also musste eine Alternative her...

Vor wenigen Wochen fiel mit beim Reiskochen die gelartige Beschaffenheit des Abtropfwassers auf. Da ich weiß, dass Stärke Fett löst und manchmal Nudelkochwasser als Spülmittelersatz benutze, kam ich auf die Idee, die Haarwäsche mal mit dem Abtropfwasser des Reises zu versuchen. Das Ergebnis hat mich so fasziniert, dass ich heute darüber berichten möchte.

No-Poo Haarwaschmittel selbstgemacht aus Reis bzw. Reiskochwasser-Anleitung

Sie haben zwei Möglichkeiten das No-Poo-Haarwaschmittel aus Reis herzustellen.

Beginnen wir mit der einfacheren Variante 1:

Sie nehmen ca. 3 EL gekochten Reis und pürieren diesen gründlich mit ca. 100 ml Wasser. Es entsteht eine homogene, gelartige Masse. Diese sollte leicht dickflüssig sein. Sollte dies nicht der Fall sein, geben Sie einfach noch etwas Reis hinzu. Lagern Sie die fertige Mischung nun ein paar Stunden oder über Nacht im Kühlschrank, damit sie noch etwas fester wird. Die Konsistenz sollte nun ähnlich dickflüssig wie die eines Shampoos sein. Und schon haben Sie Ihr gebrauchfertiges Haarwaschmittel aus Reis.

Variante 2

Diese Variante ist ein klitzekleines bisschen komplizierter, dafür aber völlig kostenlos, denn hierbei verwenden Sie lediglich das Reiskochwasser, welches Sie normalerweise wegschütten würden. Wenn Sie das nächste Mal Reis fürs Mittagessen kochen, nehmen Sie zum Kochen statt auf 1 Tasse Reis 4 Tassen Wasser ein wenig mehr Wasser, so in etwa eine viertel Tasse mehr sollte es sein. Wichtig ist, nun, dass Sie bei geöffnetem Kochdeckel kochen, damit der Reis nahezu - nahezu ist das entscheidende Wort - die gesamte Flüssigkeit aufnimmt. Ist der Reis gar, sollte noch eine kleine Menge Kochwasser übriggeblieben sein. Wenn der Reis noch förmlich in der Flüssigkeit schwimmt, dann wird das Gel nicht fest genug. Ideal ist es, wenn wirklich nur noch eine ganz kleine Menge Wasser übrig ist. Gießen Sie den Reis nun über einem Sieb ab und fangen Sie das Kochwasser auf. Die Flüssigkeit -bei mir sind es um die 100 ml - sollte bereits jetzt eine leicht dickflüssige Konsistenz haben. Stellen Sie das Kochwasser nun ebenfalls mehrere Stunden, am besten über Nacht, in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen haben Sie das fertige Reisgel. Bleibt die Flüssigkeit dünn und wird nicht gelartig, dann war sie zu sehr verdünnt, der Stärkeanteil darin also zu gering. Dieses Wasser eignet sich zwar immer noch gut als Haarkur, wird aber das Fett nicht vollständig aus den Haaren entfernen können (ich kann es aus eigener Erfahrung bestätigen).

Was tun, wenn Sie drei Minuten vor Ende der Kochzeit feststellen, dass noch zu viel Kochwasser übrig ist? Dann gießen Sie einfach nach Gefühl vorab schon etwas davon in den Ausguss. 

Und wenn der Reis kurz vor Ende der Kochzeit schon alles Wasser aufgenommen hat, dann fügen Sie noch eine kleine Menge Wasser hinzu. Am Ende die richtige Menge Wasser übrigzubehalten, ist das Trickreiche an dieser Methode, doch mit etwas Erfahrung bekommen Sie das hin! 

 

 

So sollte es aussehen, bevor der Reis abgeschüttet wird

Es ist nur noch wenig Wasser im Reis zu sehen (Bild: Kaskadina)

No-Poo Haarwäsche mit Shampooersatz aus Reis - so funktioniert's:

  1. Waschen Sie Ihre Haare mit Wasser bis Sie gut durchnässt sind.
  2. Verteilen Sie das Reisgel überall am Haaransatz und massieren Sie es 1-2 Minuten mit sanften. kreisenden Bewegungen ein. Die Haarlängen können Sie ausparen, es sei denn, dass diese ebenfalls fettig sein sollten. Normalerweise ist für die Reinigung der Haarlängen Wasser ausreichend, zumal das Reisgel beim Abwaschen sowieso auch mit den Längen in Berührung kommt.
  3. Nun das ganz Entscheidende: Lassen Sie das Reisgel 5 Minuten einwirken! Warum die Einwirkzeit: Anders als Shampoo wirkt das Haarwaschmittel aus Reis nicht chemisch sondern die Stärke saugt das Fett ähnlich wie ein Schwamm aus den Haaren. Das braucht etwas Zeit. Eine längere Wartezeit als 5 Minuten ist jedoch nicht erforderlich. Ich nutze die Zeit, um das leere Reisgel-Schälchen auszuspülen und die Armaturen der Badewanne zu reinigen. Wundern Sie sich nicht, falls die Haare sich dabei etwas klebrig anfühlen, so als hätten Sie eine Zuckerlösung darüber gestrichen. Dieses Gefühl verschwindet, wenn das Reisgel abgespült wurde.
  4. Spülen Sie Ihre Haare nun wie Sie es gewohnt sind ab. Das Reisgel sollte natürlich möglichst vollständig aus den Haaren entfernt werden, Sie brauchen aber nicht gründlicher auszuwaschen als bei Shampoo. Bei mir dauert es 1-2 Minuten.
  5. Nun können Sie Ihre Haare trocken lassen oder föhnen.

Ein Wort zur Beschaffenheit und Geruch der Haare nach der Reiswasserwäsche: Die Haare duften meiner Meinung nach angenehm nach Reis und lassen sich normal gut kämmen. Es bleiben keine Reste in den Haaren kleben.

 

So sehen die Haare nach der No-Poo Haarwäsche aus

Haare nach No-Poo Wäsche mit Reisgel (Bild: Kaskadina)

Der klägliche Versuch, meinen Haaransatz zu fotografieren ... ;-)

Haaransatz nach No-Poo Haarwäsche (Bild: Kaskadina)

Weiterführende Infos zu No-Poo

Nachfolgende Internetseite berichtet über verschiedene No-Poo-Methoden. Meines Wissens nach ist es die ausführlichste deutsprachige Internetseite zum Thema: http://www.kosmetik-vegan.de/erbse/ueber-4-12-jahre-ohne-shampoo/

Und hier eine Anleitung zur Herstellung von No-Poo Haarwaschmittel aus Roggenmehl. Lesenswert sind auch die Kommentare zum Text. Einige sind restlos begeistert, Anderen geht es so wie mir. Es kommt offenbar auf die Haarstruktur an. Wichtig ist in jedem Fall, das Mehl nicht mit heißem sondern nur mit lauwarmen Wasser anzurühren und einige Stunden lang "ziehen" zu lassen.

Abschließen möchte ich mit der Meinung einer Frau vom Fach: Eine Friseurmeisterin berichtet über Ihre Erfahrung mit No-Poo-Kundinnen.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine interessante Alternative zum Haare waschen vorstellen und freue mich über Rückmeldungen!

Falls Sie es mal mit Roggenmehl probieren möchten, viele No-Poo'ler sind davon sehr begeistert...
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