Nobelpreis löst Kettenreaktionen aus

Der Tag, an dem der geniale Professor Eli Michaelson (Alan Rickman) den Nobelpreis überreicht bekommen soll, erweist sich als wenig feierlich. Im Gegenteil: Ausgerechnet diesen Zeitpunkt sucht sich Thad (Shawn Hatosy) für die Entführung seines Sohnes Barkley (Bryan Greenberg) aus und fordert zwei Millionen Dollar für dessen Leben. Zähneknirschend stimmt Michaelson der Forderung zu, nachdem der Erpresser unmissverständlich seine Ernsthaftigkeit unter Beweis stellte.

Dabei hält der Chemiker seinen Filius, der von Kannibalismus und Computerspielen fasziniert ist, für einen totalen Versager. Nur seine gutmütige Frau Sarah (Mary Steenburgen) hält ihrem Sohn die Stange und sieht sogar über außereheliche Eskapaden des für erotische Spielchen mit hübschen Studentinnen aufgeschlossenen Ehegatten hinweg. Aber auch sie braucht Nerven aus Stahl um das zu verkraften, was durch die Entführung ins Rollen gebracht wurde …

Origineller Plot mit überraschenden Wendungen

Wer den 2007 produzierten "Nobel Son" anschauen möchte, sollte eine Portion Geduld mitbringen. Denn anders als das Gros der Genre-Konkurrenz startet der Film mit keinem Paukenschlag, sondern gibt dem Zuschauer gleich in der etwa ersten Viertelstunde einige Rätsel auf. Diese werden im Laufe der rund zwei Stunden Filmlänge allesamt aufgelöst, und zwar in erfrischend origineller Weise.

Überhaupt weiß der szenenweise experimentell angehauchte Thriller mit überraschenden Wendungen zu glänzen, die das Herz von Filmfreunden intelligenter Unterhaltung vor Freude hüpfen lassen. Ob es schlussendlich die eine oder andere Wendung zu viel geworden ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Den Vorwurf der Vorhersehbarkeit, die vielen Thrillern der letzten Zeit, etwa dem enttäuschenden "Untraceable" anhaftet, kann man "Nobel Son" keinesfalls machen. Ohne ins vollends Groteske abzugleiten jagt der Streifen vor allem in der zweiten Hälfte den Zuschauer immer wieder geschickt ins Bockshorn.

Hervorragende und glänzend aufgelegte Schauspieler

Doch was nützt das beste Drehbuch, wenn die Schauspieler den Figuren keinerlei Leben einhauchen können oder die Dialoge lustlos abspulen? Randall Millers versammelte Schauspielerriege setzt sich durchwegs aus bewährten Routiniers zusammen, die sich in "Nobel Son" von ihrer besten Seite präsentieren. Allen vorweg der großartige Alan Rickman, der den zynischen und trotz seiner Bissigkeit liebenswerten Professor Michaelson verkörpert. Ihm zu Seite steht Mary Steenburgen (bekannt aus Teil 3 von "Zurück in die Zukunft") als dessen treue Frau.

Bryan Greenberg und Shawn Hatosy sind noch unverbrauchte, neue Gesichter, während die junge Eliza Dushku dank der TV-Serie "Buffy – Im Bann der Dämonen" sowie der Mitwirkung im Horrorfilm "Wrong Turn" vor allem einem jungen Publikum bekannt sein dürfte. Eher unbedeutende Nebenrollen fielen den beiden bekanntesten Namen, Danny DeVito und Ted Danson, zu.

„Nobel Son“ bietet spannende Unterhaltung auf hohem Niveau

Alles in allem bietet "Nobel Son" spannende Unterhaltung auf sehr hohem Niveau, wenngleich es vor allem zu Beginn einige kurze Leerläufe gibt. Diese wirken sich aber nicht weiter negativ aus und sind spätestens mit dem unerhört spannenden Dauer-Showdown in der zweiten Filmhälfte vergessen. "Nobel Son" macht fast alles richtig: Geschliffene Dialoge, hervorragend gesetzte Spannungsbögen, zahlreiche Wendungen, origineller Plot, zeitgemäßer Soundtrack. Und das Beste daran: Es handelt sich weder um ein Remake, noch um die Adaption eines europäischen oder asiatischen Filmhits.

Mit "Nobel Son" setzt sich Randall Miller auf erfreuliche Weise ins Zentrum des Interesses von Freunden kleiner Genreperlen abseits des Mainstream-Kinos.

Originaltitel: "Nobel Son"

Regie: Randall Miller

Produktionsland und -jahr: USA 2007

Filmlänge: ca. 110 Minuten

Verleih: Mig Film

DVD- und blu-ray-Veröffentlichung: 21.1.2010

Autor seit 6 Jahren
835 Seiten
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