Hausaufgaben dienen als Wissensstand (Bild: S.Hofschlaeger - pixelio.de)

Einleitende Gedanken

Das leidige Thema der Hausaufgaben will einfach nicht enden. Jetzt mischen sich sogar Politiker in diese pädagogische Entscheidung ein und nutzen es als Wahlkampfthema. Hausaufgaben gibt es schon so lange, wie die Schule ansich existiert. Es war immer eine bewährte Methode, sich mit dem Erlernten noch einmal auseinanderzusetzen.

Doch der Wahlkampf dreht sich auch um den Ausbau der Ganztagsschulen. Wenn die Kinder meistens nach 16 Uhr heimkommen und dann noch Hausaufgaben erledigen sollen, leiden die Vereine, Musikschulen, Freundschaften untereinander und andere Freizeitaktivitäten. Mal im Vergleich zum Erwachsenen gesetzt, haben sie mehr Freiraum als die Kinder. Sie kommen von der Arbeit und können ihre eigenen häuslichen Aufgaben selbst einteilen. Der kindliche Freiraum versiegt da völlig.

Welcher Weg ist nun richtig?

Weltkarte (Bild: AllPosters)

Die besten Ausreden zur fehlenden Hausaufgabe

Ausreden für die fehlenden Hausaufgaben kennt jeder Lehrer. Sie erinnern an eigene Zeiten zurück, würzen doch den Schulalltag immer noch mit einer humorvollen Note. Einige Ausreden aus meiner eigenen Schreibwerkstatt habe ich hier einmal zusammengefasst:

  • Mein Bruder hatte Milch darauf geschüttet. Danach war das Heft im Eimer. Natürlich wusste ich nicht mehr, welche Wörter ich noch verbessern sollte, konnte es doch nicht mehr lesen.
  • Wir haben neuerdings einen Hund. Als ich mein Heft aus Versehen fallen ließ, hob er sein Bein und... Tja, danach war mein Heft futsch.
  • Du musst mein Heft noch zur Kontrolle haben. Es liegt nicht mehr bei mir. Ich habe überall gesucht.
  • Das Heft war voll und das habe ich dann gleich zu Hause gelassen, sonst ist die Tasche ja so schwer.
  • Meine Schwester wollte basteln. Und so nahm sie mein Heft und zerschnippelte und zerriss es. Sind echt gute Modelle daraus geworden, aber ich konnte nicht mehr sehen, was ich noch als Hausaufgabe machen soll. (Ein anderes Mal musste seine Schwester ihre neuen Stifte ausprobieren und nahm natürlich sein Heft, um die Kreativität besser ausleben zu können.)

Ja, ja, die kleinen Unschuldslämmer. Hausaufgaben mag gar kein Kind. Nur wenige können sich dafür begeistern, doch ganz weglassen, ist auch keine Lösung.

Zeichensetzung (Bild: AllPosters)

Wie sollte eine Ganztagsschule nachmittags pädagogisch wertvoll genutzt werden?

Eigentlich steckt im Ursprung der Ganztagsschulen ein ganz anderer Sinn. Die Schüler sollen ganz bestimmt nicht den ganzen Tag unterrichtet werden. NEIN. Eigentlich soll der Nachmittag für Hausaufgaben und gemeinsame Freizeit stehen.

Die Schulen haben eine Bibliothek, in denen die Kinder recherchieren können, beispielsweise für das nächste Referat. Im Fall eines gemeinschaftlichen Referats bietet sich hier die Zusammenarbeit direkt in der Schule an. Keine Mutter, kein Vater muss demzufolge sein Kind nachmittags zum möglichen Recherchetreffpunkt chauffieren. Im Gegenteil, sie können direkt in der Schule sogar den Fachlehrer mit einbeziehen, falls Blockaden vorherrschen.

Hausaufgaben können allein und mit mehreren Schülern erledigt werden, um beispielsweise gegenseitige Hilfe zu leisten. Auch hier macht es Sinn, wenn zusätzlich eine Fachkraft greifbar ist. So wie in Finnland. Denen ist die Bildung sehr wichtig, denn sie wissen, dass ihre Kinder ihre Zukunft sind. Dort steht nachmittags generell eine Stützkraft zur Seite. Sprach- und andere Lernförderungen stehen dort ebenso auf dem Programm.

Nachmittags können Talente gefördert werden: Chor, Musikinstrument erlernen, Schülerzeitung, diverse Bewegungsangebote, Künstlerisches ausleben - vielleicht sogar zum saisonalen Dekorieren des Schulgebäudes -, Naturwissenschaftliches anbieten, interne Politik und vieles mehr. Das hat den Vorteil, dass Eltern nachmittags arbeiten können. Zudem fehlt oftmals das Geld für diverse Förderungen.

Wenn die Kinder dann nach Hause kommen, sind die Hausaufgaben erledigt, es sei denn, sie müssen noch eine Schullektüre lesen oder für eine Arbeit lernen.

Whales and Dolphins (Bild: AllPosters)

Was spricht gegen die Hausaufgaben?

Nicht alle Schulen arbeiten nach dem Ganztagsprinzip, weil das entsprechende Personal und die Gelder dazu fehlen. Hier hat sich allerdings auch ohne Ganztagsschule einiges gewandelt. Viele Themen werden oftmals nur angesprochen und gleich wieder mit einer Arbeit abgeschlossen. Die Lehrer gehen davon aus, dass sich die Kinder Näheres selbst erarbeiten, die Eltern daheim helfen oder ein Nachhilfestudio aufgesucht wird.

Freizeit und Hobbys kommen oftmals zu kurz. Dabei ist dieser Ausgleich, das Abschalten immens wichtig. Der Druck belastet die Heranwachsenden, und so entsteht allmählich der Schulfrust, aber auch Krankheiten. Die Freunde kommen besonders dann zu kurz, wenn sich das Schreiben der Klassenarbeiten in allen Fächern häuft. Das bedeutet, jeden Tag neben den schriftlichen Ausarbeitungen auch noch lernen.

Gerade schwächere Schüler leiden dann ganz besonders.

(Bild: Nemo / Pixabay)

Was spricht für die Hausaufgaben?

Hausaufgaben mag zwar kein Schüler, jedoch wissen sie selbst, wenn sie nichts machen, könnte es zu Schulproblemen kommen. Mit Blick auf das Fach Deutsch ist das tägliche Rechtschreib-Training für Schwächere ein Muss, so auch das regelmäßige Lesen zum sicheren Weg des Aufsatzschreibens oder in Mathematik das Festigen der Grundrechenarten. Gelerntes aus der Schule muss auf irgendeiner Art wiederholt und gefestigt werden. Sei es nun mündlich oder schriftlich. Letzteres wird eher wahrgenommen als ersteres.

Natürlich gibt es Jungen und Mädchen, die wenig lernen müssen und trotzdem alles wissen, doch das ist nicht die Mehrheit. Sich mit dem aktuellen Thema auseinandersetzen, dem Lehrer zeigen, dass sie es verstanden haben oder eben auch, dass noch nicht jeder Punkt klar angekommen ist. An den Hausaufgaben sieht der Pädagoge, wo die Defizite in der Klasse, bei jedem einzelnen Schüler stecken. So kann er das Problem gezielter ausmerzen.

 

Create Yourself (Bild: AllPosters)

Ist es nun sinnvoll, Hausaufgaben abzuschaffen?

Schüler und Hausaufgaben sind nicht gerade die besten Freunde. Das ist jedem klar. In so manchen Haushalten führt es sogar zum Streit, der gar nicht sein muss. Dabei sind die Ansichten der Kinder und der Eltern meist verschieden. Unsauberes Arbeiten gibt dem Ganzen sein Sahnehäubchen.

Kinder müssen von Anfang an selbstständig lernen, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Die Kontrolle der Eltern sollte am Ende erfolgen und konsequent durchgezogen werden. Somit schaffen das Elternhaus und die Schule eine gewisse Normalität. Auch die Sauberkeit sollte immer genau unter die Lupe genommen werden.

Hausaufgaben vertiefen das Gelernte. Sie zeigen dem Schüler sowie der Lehrkraft die Fähigkeit oder andernfalls die Defizite. Damit auch Eltern daheim wissen, welche Hausaufgaben auf dem Plan stehen, müssen diese in dem Hausaufgabenheft zum gegebenen Zeitpunkt eingetragen sein.

Schwächere Schüler müssen sich mit dem Unterrichtsstoff regelmäßig auseinandersetzen, um den Lernstoff langfristig zu speichern. Dazu benötigen sie Motivation und manchmal auch eine zusätzliche kompetente Stützkraft.

Ein Lehrer kann bei zirka 25 Kindern in der Klasse niemals auf jeden Einzelnen warten, bis er oder sie es verstanden haben. Hausaufgaben sorgen dafür, dass der jeweilige Stoff schneller in den Köpfen der Heranwachsenden verinnerlicht wird und der Pädagoge somit seinen Lehrplan schafft.

Eine sehr gute Alternative ist natürlich eine Ganztagsschule, die nachmittags eine professionelle Hausaufgabenhilfe zur Verfügung stellt.

Eine Ganztagsschule, die wirklich an der Förderung jedes Einzelnen interessiert ist.

Eine Ganztagsschule, die Kinder Kind sein lässt und trotzdem den Spaß am Lernen aufrechterhält.

Unterm Strich: Hausaufgaben sind ein Muss, die den Leistungsstand der Kinder regelmäßig abrufen und nicht erst mit dem Ergebnis der Klassenarbeit. Hausaufgaben vertiefen zudem den Lernstoff und hierbei darf kein Politiker gesetzlich Hausaufgaben abschaffen.

Autor seit 5 Jahren
30 Seiten
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