Offener Brief an Herrn Günther Oettinger

                                                                                                        Dresden, 30.05.2013

 

Sehr geehrter Herr Oettinger,

ich schreibe in der Regel keine offenen Briefe an Politiker, da ich mit Politik nichts am Hut habe und Staatsmänner mir noch nie sympathisch waren. Daran wird sich auch nichts ändern, um es vorwegzunehmen. Dennoch kann ich es nicht lassen, einige Zeilen an Sie zu richten. Auch auf die Gefahr hin, dass Sie persönlich diese nicht zu Gesicht bekommen, weil Ihre Sekretärin - oder wer auch immer - diesen Brief ganz schnell unter einem Stapel verschwinden lassen wird. Vielleicht auch nicht, ich möchte ja niemandem etwas unterstellen.

Falls Sie mein offener Brief in irgendeiner Form erreicht, dann werden Sie mit Freude lesen, dass ich ganz Ihrer Meinung bin, Herr Oettinger. Jedenfalls in Bezug auf Deutschland und die "Gutmenschen". Ja, diesbezüglich haben Sie voll ins Schwarze getroffen. Kein Wunder, dass Sie angefeindet werden, denn die Wahrheit soll doch schließlich nicht ans Tageslicht kommen. Das Deutschland nicht mehr stärker wird, ist eigentlich kein großes Geheimnis. Wusste ich längst schon, nur auf mich hört ja niemand. Wenn allerdings ein Politiker - der Sie, Herr Oettinger nun einmal sind - die Dinge beim Namen nennt, macht er sich unbeliebt. Vor allen Dingen in den eigenen Reihen. Es gilt schließlich immer, das Volk für "dumm zu verkaufen". Daran haben Sie sich nicht gehalten, weshalb es kein Wunder ist, dass sich die Presseheinis auf Sie stürzen wie hungrige Aasgeier und Ihre Kollegen - oder wie auch immer ich es bezeichnen soll - mit gespaltener Zunge zischen.

Ich stelle mir allerdings auch so einige Fragen. Das Deutschland den Bach hinunter geht ist klar ersichtlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine Frauenquote - tut mir leid, dass ich als Frau es offen sage - brauchen wir in der BRD wirklich nicht. Allerdings ist gleicher Lohn für alle - Männlein wie Weiblein - nicht verkehrt. Kommt jedoch auf den Beruf an. Frauen sind schließlich etwas zimperlicher, wenn es um körperlich schwere Arbeit geht und können schon aus anatomischen Gründen nicht so hart ranklotzen wie Männer. Also diesbezüglich sollten schon noch Unterschiede gemacht, was Preis / Lohn und Leistung anbelangt. Für einen Mindestlohn spreche ich mich auf jeden Fall aus. Vor allem plädiere ich dafür, dass Freiberufler - arme Poeten und freie Autoren - das Recht haben, mehr zu verdienen als gelangweilte Hausfrauen, die nur ihr Taschengeld aufbessern möchten. Ja, Herr Oettinger, ich trete - ebenso wie Sie - hier in ein großes Fettnäpfchen. Aber ich bin nun einmal dafür, offen die Meinung zu sagen.

Ganz ehrlich, Herr Oettinger, ich bin ebenfalls der Meinung, dass die EU ein Sanierungsfall ist. Allerdings sollten diesbezüglich nicht die kleinen (armen) Leute zur Kasse gebeten werden, sondern die, die ohnehin schon genug haben und nicht bereit sind, zu entbehren.

Könnten Sie es? Entbehren, meine ich! Auf Luxus und ein hohes Gehalt verzichten, auf fette Diäten und all die anderen Annehmlichkeiten, die Politiker haben? Wenn Sie es könnten, ja - dann wären Sie in meinen Augen ein echter Held. Aber warum sollten Sie? Schließlich sind Sie nur ein schwaches Glied in einer - ach so starken - Kette, die zwar nicht prunkvoll aber scheinbar unzerstörbar ist.

Nein, nicht unbedingt. Sie haben es in der Hand, Veränderungen herbeizuführen, die Kette zu sprengen - wenn Sie es möchten. Aber wer etwas verändern möchte, muss kämpfen, sich gegen Feinde wehren die einst Freunde waren. Es ist schon ziemlich kompliziert.

Ehrlich gesagt, ich möchte weder in Ihrer Haut stecken, noch in der eines anderen Politikers. Sofern Sie, Herr Oettinger, in der Lage sind, Deutschland ein Stück weiter nach oben zu bringen, dafür Sorge tragen können, dass Trinkwasser nicht privatisiert wird und Energie wieder bezahlbar ist, haben Sie meinen "Segen". Pardon - falsches Wort, denn segnen kann nur ein Heiliger und ich bin eher scheinheilig.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

die kreative Schreibfee

KreativeSchreibfee, am 30.05.2013
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Bildquelle:
Kerstin Schuster (Sind Politiker wirklich so dumm? Aufklärung der anderen Art)
Kerstin Schuster (CDU Sachsen-Anhalt ködert mit zinslosem Ehekredit wie zu DDR Zeiten)

Autor seit 5 Jahren
293 Seiten
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