Out of Reach: Steven Seagal in RestformEinst war er eine Kampfmaschine im Vietnamkrieg, eine Ein-Mann-Armee, unbesiegbar und absolut tödlich. Sein Name lautet aber nicht Rambo, sondern William Lansing (Steven Seagal). Des Tötens überdrüssig geworden, hat er sich in eine Waldhütte zurückgezogen und verbringt seine Freizeit damit, verletzte Tiere im Wald aufzusammeln und gesund zu pflegen.

Nebenher unterhält er eine Brieffreundschaft mit dem polnischen Waisenkind Irena (Ida Nowakowska), die er auch in die Kunst von Geheimschriftzeichen einweiht - was sich, ohne zu spoilern, noch als recht nützlich erweisen wird.

Denn eines schlechten Tages entführt eine Bande Menschenhändler das halbe Waisenhaus, darunter auch Irena. Obwohl tausende Meilen von Polen entfernt, ahnt William, dass seiner Brieffreundin (und, ja, es wirkt etwas anrüchig, wenn ein Fünfzigjähriger einer Dreizehnjährigen seine ewige Freundschaft versichert) etwas Schreckliches zugestoßen sein muss. Flugs fliegt er nach Warschau und nimmt die Spur der Entführer auf. Die hiesige Polizei, die bis auf die Quoten-Blondine natürlich herzhaft dämlich und inkompetent ist, verdächtigt bald darauf den Amerikaner, hinter den Entführungen zu stecken. 

Glücklicherweise ist Irena ein kluges Mädchen und hinterlässt William - obwohl sie gar nicht weiß, dass er sich in Polen befindet - Hinweise darauf, was ihr zugestoßen ist und wo sie sich befindet. Tapfer setzt dieser immer wieder seine Wampe in Bewegung und gibt den Schurken Saures...
 

Trailer "Out of Reach"

Out of Reach: Unfreiwillig komisch

Das Logo des längst nicht mehr im Geschäft befindlichen Filmstudios Franchise Pictures dürfte jedem bekannt sein, der sich für grandios misslungene Big-Budget-Produktionen interessiert. Die bekanntesten Produktionen waren zweifellos "A Sound of Thunder" (2005), der bei einem Budget von 80 Millionen Dollar weltweit knapp ein Achtel dessen einspielte, und natürlich die legendäre John-Travolta-Gurke "Battlefield Earth" (2000).

Bei dem Steven-Seagal-Vehikel "Out of Reach" handelt es sich um eine Direct-to-Video-Produktion, die voll und ganz auf den zugkräftigen Namen des abgehalfterten Ex-Actionstars setzt. Wie inzwischen bei vielen US-Filmstudios üblich, wurde der Film aus Kostengründen in Osteuropa gedreht und größtenteils mit einheimischen Schauspielern besetzt. Diese Praxis spricht nicht grundsätzlich gegen einen Film. Einige sehr gute Filme entstanden auf diese Weise. "Out of Reach" zählt aber nicht dazu.

 

Schwabbeliger Steven Seagal

Das Beste an diesem Pseudo-Actionfilm ist noch das durchaus gelungene und vielversprechende DVD-Cover. Was sich auf der Silberscheibe befindet ist hingegen digitaler Käse. Steven Seagal, man muss dies leider so direkt aussprechen, wirkt längst wie eine Parodie seiner Selbst. Aufgedunsen, lethargisch, behäbig in seinen Bewegungen. Alles andere als optimale Voraussetzungen für einen Actionreißer. Entsprechend wird Seagal in den Kampfszenen gedoubelt, was nicht weiter schlimm wäre, würde man dies nicht deutlich erkennen. Wie wenig Mühe in diese Produktion geflossen ist lässt sich daran ablesen, dass sich der Film nicht einmal bemüht, diese Tatsache zu verbergen.

Man beachte: Die Wumme der Blondine ist länger als jene von Steven Seagal...Die Krone der Absurdität erschließt sich dem Zuschauer dann, wenn er die Original-Tonspur einschaltet. Nun stellen Nachsynchronisationen zwar keine Seltenheit dar. In "Out of Reach" wird diese aber nicht vom Darsteller selbst, sondern einem anderen Schauspieler übernommen. Mehr als ein Dutzend Mal vernimmt man eine Stimme, die ganz klar nicht jene von Steven Seagal ist. Vermutlich hatte er keine Zeit, um den langen Weg ins Tonstudio zu finden. Vielleicht musste er seine mitunter fettig wirkenden Haare waschen oder ein Vögelchen mit bösem Aua kurieren.

Schade eigentlich, denn die zumindest außerhalb Polens unbekannten Schauspieler erledigen ihre Arbeit mit Bravour, wenngleich auch sie gegen das mit logischen Ungereimtheiten und Klischees gefüllte Drehbuch vergebens ankämpfen. Netter Amerikaner, Waisenkind, attraktive Polizistin - wie könnte dies wohl enden? Es sei nicht verraten, um die enorme Spannung nicht aus dem Streifen zu nehmen.

 

Geheimbotschaften auf Brötchen

Freilich: Von Spannung kann nur auf ironische Weise die Rede sein. Alle Nase lang fallen dem Betrachter Ungereimtheiten auf. Dies beginnt beim zentralen Plotelement: Woher der Protagonist weiß, dass seine Brieffreundin in Polen entführt wurde, bleibt ungeklärt. Ebenso wie die Frage, weshalb diese wiederum Zeichen hinterlässt, die nur er korrekt verstehen kann. Denn dass er nach Polen reisen würde, kann die Entführte unmöglich wissen. Immerhin bieten diese Absurditäten so einige Gelegenheiten zum Lachen.

Etwa, wenn das entführte Waisenkind eine geheime Botschaft in Form von speziell arrangierten Snacks hinterlässt. Dies fällt den Schurken zwar auf, aber sie unternehmen nichts dagegen, etwa, indem sie die Botschaft auffuttern. Oder, wenn die junge, blonde Polizistin den Amerikaner eines Mordes bezichtigt, aber gar nicht daran denkt, ihn beispielsweise festzunehmen oder zu verhören. Fairerweise muss man anmerken, dass die Schurken nicht weniger inkompetent sind. Da verlässt der Bewacher des Mädchens den Raum, in welchem sie eingeschlossen ist, um eine zu rauchen und vergisst die Tür zu schließen, woraufhin dieses natürlich ausbüchst.

Wenigstens der unfreiwillige Humor kommt also nicht zu kurz, nachdem die Action selbst praktisch völlig auslässt. Erst gegen Ende hin werden ein paar wenig aufregende Actionszenen in die längst verlorene Schlacht um die Gunst des Zuschauers geworfen.

Fazit nach knapp 80 Minuten: Warum der Film erst ab 18 Jahren freigegeben ist erschließt sich genauso wenig, wie die vielen Plotlöcher. Wer sich einen zünftigen Haudrauf-Actionkracher erhofft, wird enttäuscht. Freunde völlig misslungener Machwerke liegen mit "Out of Reach" richtig. Diesen sei angeraten, den Film unbedingt mit der Original-Tonspur zu genießen.

Originaltitel: "Out of Reach"

Regie: Po-Chih Leong

Produktionsland und -jahr: USA, Polen 2004

Filmlänge: ca. 83 Minuten

Verleih: Paramount Home Entertainment

Deutscher Kinostart: -

FSK: Freigegeben ab 18 Jahren

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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