Ein Wikinger kennt keinen Schmerz

Außerirdisch blutrünstig

Outlander - Cover der blu-rayNorwegen im 8. Jahrhundert: Eine seltsame Lichterscheinung nähert sich rasant der Erde. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Himmelskörper, sondern ein Raumschiff, das zur Notlandung ansetzt. Unmittelbar nach der unsanften Landung steigt der Außerirdische Kainan (Jim Caviezel) aus dem Raumgefährt aus, kann die schöne Landschaft jedoch nur kurz genießen. Denn alsbald wird er vom Wikinger Wulfric (Jack Huston) überwältigt und in dessen Heimatdorf gebracht.

 

Die Bewohner des Dorfes sind dem Fremden alles andere als freundlich gesonnen. Schließlich wirft man ihm vor, in den Nachbardörfern heillose Gemetzel angerichtet zu haben. König Rothgar (John Hurt) hört sich dennoch Kainans Version der Geschehnisse an. Dieser behauptet, ein außerirdisches Monster sei für die Massaker verantwortlich. Natürlich glaubt ihm zunächst niemand. Doch dies ändert sich rasch, als eine schier unverwundbare Kreatur das Dorf überfällt und mehrere Krieger tötet.

 

Ausgerechnet Kainan scheint nun die einzige Hoffnung der Wikinger zu sein, das Monster zu besiegen. Der fesche Außerirdische hat aber nicht nur in der unheimlichen Bestie einen unerbittlichen Feind gefunden: Auch Wulfrics ist dem Fremden übel gesonnen, da die von ihm begehrte Königstochter Freya (Sophia Myles) Kainan immer näher kommt …

Deutscher Trailer "Outlander"

Unterhaltsamer "Outlander"

Der 13. Predator

Zugegeben: Auf den ersten Blick mutet der Plot des von Howard McCain ("Underworld – Aufstand der Lykaner") inszenierten Fantasy-Films "Outlander" hirnrissig an. Ein Außerirdischer landet in Norwegen und freundet sich mit Wikingern an, um sie von einer schrecklichen Bestie zu befreien. Das klingt dermaßen abstrus, dass es andererseits wiederum hellhörig macht. Überraschenderweise funktioniert das Konzept weitgehend, wenngleich der Zuschauer natürlich Abstriche in Punkto Logik oder Glaubwürdigkeit machen muss.

 

Grob auf einen gemeinsamen Nenner gebracht könnte man "Outlander" als wüsten Mix aus "Der 13. Krieger" und "Predator" bezeichnen. Tatsächlich sahen die ersten Drehbuchentwürfe starke Annäherungen an den berühmten "Beowulf"-Epos vor. Die im Laufe des Films enthüllte tragische Hintergrundgeschichte spiegelt ein Stückchen weit die ursprüngliche Prämisse wider. Ob der als Jesus Christus aus "Die Passion Christi" bekannte Jim Caviezel die optimale Besetzung des Außerirdischen Kainan darstellt, ist Ansichtssache. Denn sein eher steifes Schauspiel würde durchaus zum fremden Charakter eines Außerirdischen passen.

 

Wobei die Crux der Geschichte natürlich in Kainans fehlender Fremdartigkeit zu finden ist. Weder körperlich, noch emotional besteht zwischen dem Alien und den Erdenmenschen irgendein grundlegender Unterschied. Dankenswerterweise verzichtet der Film darauf, hanebüchene Erklärungen für diesen Umstand zu erfinden. Genauso wenig, wie er einige Absurditäten erklärt, beispielsweise der plötzliche, meisterhafte Umgang des Außerirdischen mit dem Schwert, obwohl er noch nie zuvor eines in Händen gehalten hatte, oder der Showdown mit dem "Morween" genannten Monster.

 

Unterhaltung ohne großen Anspruch: "Outlander"  

Howard McCains Werk "Outlander" wurde von der Kritik verrissen. Zu Unrecht, denn auch wenn der Film relativ anspruchslos daherkommt, bietet er zumindest eine halbwegs originelle Story und einige durchaus überraschende Wendungen. Immerhin wird in kaum einem anderen Film dieser Art dem Monster eine Hintergrundgeschichte verpasst, welche die Motive seines grausamen Handelns nachvollziehbar machen. Überhaupt ist der "Morween" ein sehr anmutig designtes Monster, das von viel Liebe zum Detail zeugt.

 

Einige prominente Gastauftritte wie jener von John Hurt als greisem Wikingerkönig oder "Hllboy" Ron Perlman in seiner Paraderolle des aufbrausenden Kriegers, runden das unterhaltsame Filmvergnügen ab. Sicher: "Outlander" ist kein Meisterwerk, weist einige Ungereimtheiten und Absurditäten auf. Außerdem sind die Kampfszenen – wie leider inzwischen Usus geworden – viel zu hektisch geschnitten und oft sehr nahe am Geschehen.

 

Dennoch: Wer keine allzu hohen Ansprüche stellt und einfach nur knapp zwei Stunden lang unterhalten werden möchte, kann mit "Outlander" nichts verkehrt machen. Die originelle Story, einige überraschenden Wendungen, die Charakterisierung des "Morween", die unkitschige Liebesgeschichte und sehr gute Trickeffekte heben den Film deutlich über den Genredurchschnitt hinaus.

Originaltitel: "Outlander"

Regie: Howard McCain

Produktionsland und -jahr: USA, 2008

Filmlänge: ca. 115 Minuten

Verleih: Koch Media

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

DVD-Veröffentlichung: 22.1.2010

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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