Iberian Lynx (Bild: Brendan A Ryan / Flickr)

Der Iberische Luchs oder Pardelluchs (Lynx pardinus)

Der Pardelluchs lebt als Einzelgänger und verhält sich ähnlich wie der Eurasische Luchs=Nordluchs (Lynx lynx), für dessen Unterart er früher gehalten wurde. Sein Gewicht beträgt bis zu 24,5 kg, er erreicht eine Gesamtlänge von 123 cm, davon sind bis zu 13 cm Schwanz. Das Fell ist sandfarben, stark gemustert mit dunklen Flecken. Die Paarungszeit ist zwischen Januar und Februar. Nach 9 Wochen Tragzeit kommen 2 oder 3 Junge zur Welt. Sie bleiben bis zum nächsten Winter bei der Mutter.

Wo lebt der Pardelluchs?

Sein Lebensraum ist die mediterrane Waldvegetation, Buschland und offene Grasflächen. Die Reviere der Tiere sind zwischen 4 und 20 Quadratkilometer groß. Die Luchse legen oft Distanzen von sieben Kilometern pro Tag zurück, wobei Männchen meistens weiter wandern als die Weibchen.

Der Iberische Luchs ist eng von dem Bestand des Europäischen Wildkaninchens abhängig, da er sich fast ausschließlich von ihm ernährt. Im Winter, weicht er jedoch auch auf kleine Säuger, Vögel und Jungtiere von Rotwild, Damwild und Mufflons aus. In den Feuchtgebieten des Coto Doñana-Nationalparks zählen auch Enten zu seinen Beutetieren. Der Iberische Luchs lebt hier noch mit etwa 30 Individuen in den Gebüschen des Monte blanco und des Monte negro.

Der Pardelluchs erreicht ein Lebensalter von 13 Jahren.

Laut IUCN ist er "Vom Aussterben bedroht".

 

Andalusien

Andalusien (Bild: Jorbasa / Flickr)

Woher kommt die Bedrohung für den Iberischen Luchs/Pardelluchs?

Seit wann ist der Iberische Luchs in Gefahr?

Der Bestand des Iberischen Luchses ist seit 100 Jahren drastisch geschrumpft. Waren es um 1900 noch etwa 100.000 Tiere, die die gesamte Iberische Halbinsel bis nach Frankreich hinein bevölkerten, waren es knapp vor der Jahrtausendwende nur noch etwa 150 Einzeltiere, die sich in Enklaven gehalten haben.

  • Schuld ist vor allem die Zerstörung des Lebensraums der Tiere. Straßen, Bahntrassen und der Bau von Gas-Pipelines haben ihre Jagdreviere so zerstückelt, so dass ein Austausch zwischen den einzelnen Populationen immer schwieriger wird.
  • Auf den spanischen "Autopistas" endet die Brautschau für "ranzige" Luchse (Ranzzeit = Paarungszeit) oft tödlich. Mit Hilfe von EU-Geldern wurde eine Straße mitten durch den Lebensraum einer der letzten beiden Luchspopulationen im andalusischen Coto Doñana-Nationalpark gebaut.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: eine Autopista durch ein Schutzgebiet! Sehr intelligent.

  • Nach Erhebungen des WWF Spanien starben zwischen 2000 und 2004 allein dort fünfzehn Tiere durch Kollisionen mit Kraftfahrzeugen.
  • Natürliche Landschaften mit Waldbestand mussten Agrarwüsten weichen. Die künstliche verstärkte Bewässerung der Erdbeerplantagen (Erdbeeren für verwöhnte Europäer zu jeder Jahreszeit - den Smoothies sei es zusätzlich gedankt. Und dann glauben viele Veganer sie handeln umweltverträglich!) etwa kostet ringsumher fruchtbares Land, das nun verödet.
  • Schließlich trug noch eine vom Menschen herbeigeführte Epidemie unter den Hauptbeutetieren, den Kaninchen,fast zur völligen Ausrottung bei.
  • Weil das noch nicht genügt, fielen alleine im Frühjahr 2007 in kurzer Zeit fast alle erwachsenen Luchsmännchen des Doñana Nationalparks der Katzenseuche FLV, übertragen durch verwilderte Hauskatzen, zum Opfer.
10 Jahre Hilfsprogramm und Aufbauarbeit

Der Iberische Luchs (Pardelluchs) und sein internationales Hilfsprogramm

Nur ein von Menschen koordiniertes und gesteuertes Zuchtprogramm kann die verbleibenden Populationen vor dem Aussterben retten. Anfang 2000 startete man im Nationalpark Doñana das "Iberian lynx ex-situ conservation program",

an dem auch das Berliner Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) beteiligt ist.

Bei diesem Programm entnimmt man jährlich vier Jungtiere aus der Wildnis und überwacht deren Fortpflanzung. Leider besitzt man über die Biologie des Iberischen Luchses nur spärliches Wissen, daher verläuft es nicht ganz unproblematisch. Wo es in Zoo lebende Populationen gibt, ist das Verhalten dieser Tiere um ein Vielfaches besser erforscht. Was dann sehr hilfreich beim Wiederaufbau ist. Die Tiere vermehren sich leider nicht so zahlreich, wie gehofft. Ob die Gefangenschaft oder Stress Schuld tragen, weiß man noch nicht.

Über Kot- und Urinproben überwacht man die Trächtigkeit der Weibchen und versucht das Töten von Jungen auf jeden Fall zu unterbinden. (Luchse töten bei Gefährdung ihre neugeborenen Jungen, auch Geschwistertötungen sollen vorkommen).

2008 lebten 37 Tiere im Ex-situ-Programm, sechs Jungtiere wurden bis dato in der Station geboren.

Von den im Ex-situ-Programm lebenden Tieren und deren Nachkommen, will man jährlich acht Tiere wieder in die freie Wildbahn entlassen und damit den Bestand aufstocken. Auch Portugal plant, die in Andalusien gezüchteten Luchse wieder auszuwildern. Ein Schritt ist also gemacht.

Aber ohne eine Rettung ihres Lebensraumes wird auch diese Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt sein.

Hier leben noch die letzten Iberischen Luchse

Die Sierra Morena und der andalusische Nationalpark Coto de Doñana (beides Spanien) sind die verbliebenen Gebiete, in der die wenigen wildlebenden Tiere noch heimisch sind. Ein paar wenige Populationen gibt es freilebend auch noch in abgelegenen Gegenden Portugals.

 

Pardelluchse Familienleben 2014

Die gute Nachricht: Die gefährdetste Katze der Welt erholt sich

Erfreuliche Nachrichten aus Spanien und Portugal: sie zählen wieder mehr als 400 Iberische Luchse. Der Bestand des bedrohten Iberischen Luchses hat sich im Jahr 2015 auf 404 Individuen erhöht. Ein Jahr zuvor waren es noch 319 Exemplare gewesen. Damit liegt die Zahl auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren.

Neben den viel zu häufigen Verlusten durch die Verkehrsunfälle (siehe weiter oben) besteht die mit Abstand größte Gefahr für das Überleben der Katzen durch die Gefährdung der Wildkaninchen. "Iberische Luchse fressen fast ausschließlich Wildkaninchen. Die werden seit einigen Jahren jedoch von der Kaninchenpest dahingerafft", so Moritz Klose vom WWF.

Dass sich das Problem von allein löst, ist bislang nicht absehbar. Seit Ausbreiten des Virus ist die Population der Nagetiere um rund die Hälfte eingebrochen.

Auch hier sieht man wiederum die enge Verkettung in der Natur. Damit die Luchse nicht ihrer einseitigen Ernährung zum Opfer fallen, macht sich der WWF nun daran, auch den Wildkaninchen wieder auf die Sprünge zu helfen; so ist beiden Tierarten geholfen.

In dem Projekt "SOS Conejo" (SOS Kaninchen) wollen die Umweltschützer herausfinden, wie den Nagern am besten zu helfen ist.

Kaninchenfamilie (Bild: Joachim S. Müller / Flickr)

Was braucht es, um bedrohte Arten wieder anzusiedeln?

  • Genaue Kenntnisse über die Lebensweise,
  • die Umweltbedingungen und
  • die Art der Bedrohung sind der Schlüssel zum Erfolg eines positiven Naturschutzes.

Leider werden Bemühungen zum Artenschutz oft von der Politik nicht oder aber falsch verstanden. Viele Argumente und Vorschläge von Naturschützern werden oberflächlich sofort als Jobkiller angesehen und verworfen. Dabei hat sich heraus gestellt, dass Programme und Maßnahmen zur Erhaltung bedrohter Arten vielen qualifizierten Fachleuten einen Arbeitsplatz bieten. (So macht man es auch in Afrika, Asien und anderen Gebieten) Menschen aus der Region können speziell geschult und zu Rangern heran gebildet werden. Das Bewusstsein in der lokalen Bevölkerung für den zu erhaltenden Naturraum wird geschärft und kommt indirekt, durch eine intaktere Umwelt, wiederum den Menschen vor Ort zu Gute.

Einbindung der Bevölkerung um den Lebensraum des Iberischen Luchses zu schützen

Heute sind vor allem die Aufklärung und Unterstützung der lokalen Bevölkerung über die Ökologie und den Gefährdungsstatus des Iberischen Luchses entscheidend für das Überleben dieser endemischen (= nur in sehr wenigen Gebieten vorkommenden) Katze.

Gemeinsam mit der Bevölkerung hat es sich der WWF Spanien zur Aufgabe gemacht ein Flächennutzungskonzept zu erarbeiten. Im Einvernehmen mit Landbesitzern werden neue Schutzgebiete aufgebaut und nachhaltig bewirtschaftet. Durch fachkundiges Biotop-Management werden abgebrannte und gerodete Buschlandschaften neu mit Hecken und Sträuchern bepflanzt. Das gibt sowohl dem Pardelluchs als auch dem Kaninchen, seinem Beutetier, neuen Lebensraum. Der Wilderei und der illegalen Jagd auf Kaninchen mit Fallen und Schlingen begegnet man mit Hintergrundinformation, um ein versehentliches Töten der Luchse zu verhindern. Es ist zu hoffen, dass alle Maßnahmen gemeinsam auch in Spanien diesen Satz in einigen Jahren real machen:

"Eine Rückkehr auf leisen Pfoten.", wie es beim Nord-Luchs/Eurasischen Luchs Lynx lynx der erfreuliche Fall ist. Immerhin sieht es derzeit nicht mehr ganz so hoffnungslos aus, wie vor einigen Jahren.

Lesetipp: Der Luchs - Heimkehrer in heimische Wälder

Quellen

Bertelsmann Tierlexikon; WWF: Biodiversität, Artenschutz-Iberischer Luchs; IZW:Zucht mit Hindernissen; WWF Espana; Programa Conservación Ex-situ Lince Ibérico

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Adele_Sansone, am 19.09.2016
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Bildquelle:
https://www.flickr.com/photos/25695897@N08/3376336372 (Der Luchs - Heimkehrer in heimische Wälder)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Ist ein Zoo eine moderne Arche Noah?)

Autor seit 5 Jahren
270 Seiten
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